Wenn ich mit einer BMW R100GS und einer BMW R100RS, gleichen Baujahres die gleichen Betriebsbedingungen habe (Kurzstrecke, Langstrecke) wird der Motor der BMW R100GS mehr verschleissen.
Grund: Die GS braucht länger um das Öl auf Betriebstemperatur zu bringen.
Das ist zwar richtig, aber auch wieder nicht: für die Schmierfähigkeit des Öls ist es nicht unbedingt wichtig, ob es eine bestimmte Temparatur hat (solange die nicht deutlich zu hoch oder so gering ist, daß es aufgrund seiner Zähigkeit nicht mehr durch die Ölkanäle geht).
Kurz: dem Öl ist das (relativ) egal, es schmiert über einen relativ weiten Temperaturbereich ähnlich gut.
Das Warmfahren auf Betriebstemperatur ist eher für die sich dabei einstellende, einigermaßen gleichmäßige Temperaturverteilung im Motor und die daraus resultierenden Lauf- und Lagerspiele (die auf Betriebstemperatur ausgelegt sind) wichtig: bei kaltem Motor hast Du schnell 200°C Temperaturdifferenz zwischen warmen und kalten Bereichen des Motors.
Das macht eine erhebliche Differenz der Spiele aus. Nur ein Beispiel: ein sich schnell ausdehnender Alu- (gute Wärmeleitfähigkeit, hoher Ausdehnungskoeffizient) Kolben in einem sich langsam ausdehnenden Grauguß- (schlechte Wärmeleitfähigkeit, niedriger Ausdehnungskoeffizient) Zylinder kann schnell dazu führen, daß dem Kolben in seinem Kleidchen zu eng wird.
Rechnerisch paßt ein 200° heißer 94,000 Kolben beispielsweise längst nicht mehr in eine 0° kalte 94,05 - Zylinderbohrung (da fehlt dann fast 1/10 mm).
Wichtig ist dabei nicht so sehr die absolute Gesamttemperatur, sondern die möglichst gleichmäßige Temperaturverteilung, die man am besten durch möglichst langsames Erwärmen (um die unterschiedlichen Wärmeleitfähigkeiten und Wärmeübergangskoeffizienten der unterschiedlichen Materialien auszugleichen) erreicht.
Bei der Verteilung dieser Wärme spielt das Öl natürlich eine wesentliche Rolle, wobei da auch wieder die Physik hilft: kaltes Öl kann wesentlich mehr Wärme aufnehmen als heißes.
Selbstverständlich ist es aber auch so, daß zähes Öl enorm bremst. Kalter Honig schadet beispielsweise der Ölpumpe und ihrem Antrieb, weil die dann erheblich mehr Leistung aufnimmt.
[edit: Komma verrutscht. 94,005 wär' a bissle arg bhääb...]