Q und Witterung

Vix_Noelopan

gesperrt
Seit
13. Jan. 2012
Beiträge
6.559
Ort
Bad Mergentheim
Hallo,

ich bin wahrlich kein dezidierter Schönwetterfahrer. Die RT-Verkleidung macht's möglich.

So war ich auch letzte Woche täglich mit dem Mopped unterwegs. Dabei fiel mir auf, dass der Motor bei Temperaturen um die 10 °C und Nieselregen wunderbar sanft, gleichmäßig und vibrationsarm läuft, ja, er summt bei etwas mehr als 4000/min, was gut 100 km/h entspricht, quasi vor sich hin. Ist das Wetter besser und wärmer, ist dem leider nicht ganz so.

Man könnte nun annehmen, dass der Motorlauf dann am harmonischsten ist, wenn das Wetter dem entspricht, das bei der Einstellung herrschte. Doch bei der letzten Einstellung der Vergaser herrschte ganz anderes Wetter.

Beobachtet Ihr ebenfalls witterungsabhängiges Laufverhalten? Worauf ist das zurückzuführen?

Beste Grüße, Uwe
 
Die Dichte der Luft ist temperaturabhängig; bei +10° hast du etwa 5% mehr Masse als bei +25°.
Bedingt durch das Konstruktionsprinzip wird ein definiertes Luftvolumen angesaugt. Die Chemie der Verbrennung beruht dagegen auf den Massen.
Je niedriger die Temperatur, desto mehr Sauerstoff steht der Verbrennung bei sonst gleichen Verhältnissen zur Verfügung.
Der zweite Faktor ist die Luftfeuchtigkeit: Bei 25° kann die Luft fast drei mal so viel Wasser aufnehmen wie bei 10°.
Wasser stört die Verbrennung eher. Daher sind auch für diesen Aspekt niedrigere Temperaturen besser.

So weit kann ich dir das physikalisch erklären.
Grundsätzlich beobachtet habe ich so ein Verhalten schon bei vielen Motoren, wobei die modernen ja alles ausregeln und kaum noch sensibel reagieren.
 
Hallo,
von Michael gut beschrieben.
Auch ich dachte manchmal, das kann doch nicht sein.
Das Phänomen hatte ich öfter. Morgens bei kühlen Temperaturen lief der Motor sehr ruhig. Mittags bei wärmeren Temperaturen lief er ein bisschen zickiger. Dachte immer, das wär Einbildung. Scheint aber wirklich so zu sein.
Gruß
Pit
 
Die Zusammenhänge Lufttemperatur und Motorleistung sind völlig richtig erklärt. Luftfeuchte ist kontraproduktiv (reduziert den Sauerstoffanteil), Nebeltröpfchen dagegen hilfreich: bei Nebel herrscht meist eine geringe Luftfeuchte (= hohe Luftmasse), zusätzlich geben die feinen Wassertröpfchen beim Ansaugen ihre Verdampfungswärme ab und kühlen damit die Frischladung (= noch mehr Luftmasse). Wirkt ähnlich wie Wassereinspritzung.

Das alles sorgt für eine deutliche Erhöhung der Luftmasse der Zylinderladung und damit eine Leistungserhöhung.

Leiseren, runderen Lauf erklärt das aber nicht. Eine kräftige Kuh klappert genauso laut wie eine lahme ;)

Da kommt noch eins dazu: außen kalt, innen heiß - reduziert die Spiele (hauptsächlich Kolbenspiel). Das sorgt für weniger Klappern.

Was dem Ohr so gut tut, tut dem Motor übrigens nicht notwendigerweise gut.

Neben dem knapperen Spiel steigen die thermischen Spannungen im Material, der Widerstand gegen äußere Kräfte wird geringer. Ein Kolbenboden beispielsweise, der von oben mit 1000°C befeuert und von unten mit 90°C gekühlt wird, baut ungefähr die selben inneren Wärmespannungen (zusätzlich) auf wie die, die er mechanisch von oben zu ertragen hat (deswegen kann man die Dinger nicht beliebig dick machen).
 
Die Zusammenhänge Lufttemperatur und Motorleistung sind völlig richtig erklärt. Luftfeuchte ist kontraproduktiv (reduziert den Sauerstoffanteil), Nebeltröpfchen dagegen hilfreich: bei Nebel herrscht meist eine geringe Luftfeuchte (= hohe Luftmasse), zusätzlich geben die feinen Wassertröpfchen beim Ansaugen ihre Verdampfungswärme ab und kühlen damit die Frischladung (= noch mehr Luftmasse). Wirkt ähnlich wie Wassereinspritzung.

Das alles sorgt für eine deutliche Erhöhung der Luftmasse der Zylinderladung und damit eine Leistungserhöhung.

Leiseren, runderen Lauf erklärt das aber nicht. Eine kräftige Kuh klappert genauso laut wie eine lahme ;)

Da kommt noch eins dazu: außen kalt, innen heiß - reduziert die Spiele (hauptsächlich Kolbenspiel). Das sorgt für weniger Klappern.

Was dem Ohr so gut tut, tut dem Motor übrigens nicht notwendigerweise gut.

Neben dem knapperen Spiel steigen die thermischen Spannungen im Material, der Widerstand gegen äußere Kräfte wird geringer. Ein Kolbenboden beispielsweise, der von oben mit 1000°C befeuert und von unten mit 90°C gekühlt wird, baut ungefähr die selben inneren Wärmespannungen (zusätzlich) auf wie die, die er mechanisch von oben zu ertragen hat (deswegen kann man die Dinger nicht beliebig dick machen).

Hallo,
oh Gott,
woher weißt du das alles?
Gruß
Pit
 
Wie sieht es denn mit der Ölviskosität aus? Bleibt die nicht auch etwas "dicker" bei dem Temperaturgefälle Sommers zu Herbstens und hat Einfluss aufs Geklapper? Oder ist das vernachlässigbar?

Die Beobachtungen kann ich ansonsten für den /2 und /7 600er Motor wie eingangs beschrieben bestätigen.

Gruß
jan
 
Wie sieht es denn mit der Ölviskosität aus? Bleibt die nicht auch etwas "dicker" bei dem Temperaturgefälle Sommers zu Herbstens und hat Einfluss aufs Geklapper? Oder ist das vernachlässigbar? ...

(Außen-)Temperaturdifferenzen von 15° halte ich da für vernachlässigbar.
Bei größeren Spannen spielt das (richtige) Öl aber sicher eine Rolle.
 
Hallo,

können sich die von Euch erläuterten Begebenheiten auch auf die Synchronisation auswirken?

Beste Grüße, Uwe
Du meinst, weil sich die Maschinen bei niedrigen Temperaturen anfühlen, als ob sie weniger vibrieren?
Ich glaube, dass hängt mit der Physis des Fahrers zusammen, die bei niedrigen Temperaturen eher weniger sensibel auf äußere Einflüsse reagiert und daher die Vibrationen weniger wahrnimmt.
 
..........
Ich glaube, dass hängt mit der Physis des Fahrers zusammen, die bei niedrigen Temperaturen eher weniger sensibel auf äußere Einflüsse reagiert und daher die Vibrationen weniger wahrnimmt.
Ja bei Temperaturen im Minusbereich macht das Schütteln und Bibbern des Fahrers vor Kälte die penible Einstellung des Motors mit dem Ziel optimaler Laufruhe,zum Teil wieder zunichte. :D
 
Du meinst, weil sich die Maschinen bei niedrigen Temperaturen anfühlen, als ob sie weniger vibrieren?
Ich glaube, dass hängt mit der Physis des Fahrers zusammen, die bei niedrigen Temperaturen eher weniger sensibel auf äußere Einflüsse reagiert und daher die Vibrationen weniger wahrnimmt.

Du meinst der Schwingsattel-Popometer auf der /2 funktioniert dann nicht mehr so genau? Ja, könnte stimmen :aetsch:

@Michael: Oki, alles klar. Ölfrage am Sonntag beendet ;)
 
Zurück
Oben Unten