R80GS: Kardan oder Getriebelager?

Roterbaron

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06. Juli 2012
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Liebe Foristen,

Im Rahmen des Einbaus meines neuen Federbeins habe ich festgestellt, dass das Hinterrad sich "unrund" dreht, d.h. stellenweise ganz geringfügig schwergängig ist. :entsetzten:

Etwas schockierend, da der gesamte Paralever-Endantrieb vor 3 Jahren nach Kardan- und Ausgangswellenschaden komplett instandgesetzt wurde (Getriebe komplett demontiert und neu gelagert, überholte Kardanwelle eingesetzt). Seitdem bin ich 10.000 km gefahren und habe einmal das Getriebeöl gewechselt.

Nachdem ich per Suche nicht fündig wurde: Lässt sich durch den "Drehtest" zwischen Fehlern am Kardangelenk und an den Getriebelagern unterscheiden?

Zweite Frage: Sofort machen? In 5 Wochen soll's auf große Reise gehen...

Danke und viele Grüße,
Armin
 
Moin. Wenn ein Getriebelager derart defekt sein sollte, dass das Rad nicht mehr freigängig dreht, hört man das schon im Betrieb. Kardanwelle: möglich, dass die Kreuzgelenke kurz vor dem Ende sind. Wenn die allerdings erst vor 10tkm gemacht wurde, halte ich das auch für ausgeschlossen. Hast Du mal den Bremszug komplett entlastet und dann am Rad gedreht ???
 
Das Rad dreht schon freigängig, aber beim langsamen Drehen merkt man leichten Widerstand. Ich gabe es zum Vergleich mit einer anderen GS ausprobiert, da läuft es leichter.

Entlastung des Bremszugs werde ich morgen mal testen, da habe ich neulich nachgestellt.
 
Hi,

wichtig ist vor allem, ob der Widerstand ungleichmäßig ist, verteilt über die Umdrehung des Rades.
 
Hallo Armin

könnte es sein, dass dein Federbein, weil neu, oder anderer Hersteller, geringfügig länger ist, wie das alte?
Bei der GS geht es schon knapp zu, mit dem Knickwinkel, vom Kardan bzw. Schwinge. Zum Versuch Bremse entlasten, Federbein unten nochmal aushängen, am besten mal mit nem Gurt oder so die Schwinge festmachen, auf Länge des Federbein einstellen, und dann am Rad drehen.
Wird es besser wenn die Schwinge höher gezogen wird?
Die Stellung, wenn der Kardan am stärksten geknickt wird, bemerkt man recht früh am Rad.
Muss ja nicht gleich immer das Getriebe sein())))

Grüße Guido
 
Moin!

Da du jetzt dein Heck mittels einem längeren Federbein um ca. 3 cm höher gelegt hast, ist auch der Knickwinkel des radseitigen Kreuzgelenks verändert. Das Gelenk ist nun viel stärker gekrümmt.

Da du in 5 Wochen los willst, würde ich die Schwinge ausbauen, den Kardan ziehen und die Gelenke kontrollieren. Sonst kann es dir passieren, dass die Aufnahmen des Kreuzgelenks so aussehen wie bei mir . Und da habe ich mehr Glück als Verstand besessen. Die hätte jederzeit hinten auseinanderbrechen können.

Dabei kannst du auch mal wieder den Längenausgleich gut schmieren.
 
Liebe Hilfeleistende,

Dank Eurer Ideen hatte ich jetzt noch ein paar Alternativen, die ich ausprobiert habe. Zunächst zum Federbein: Die Einbaulänge ist identisch mit dem Originalfederbein, dadurch sollte sich im entlasteten Zustand also keine geänderte Geometrie am Paralever ergeben. Die "3 cm höher" bezogen sich auf den eingefederten Zustand, wenn man das Motorrad vom Hauptständer wuchtet -- vermutlich bedingt durch das jetzt wieder deutlich steifere Federbein.

Jetzt habe ich erstmal das Hinterrad im Ist-Zustand langsam gedreht. Bei einer Umdrehung komme ich auf>20 leichte spürbare "Widerstände".

Entlasten des Bremszugs verändert das Bild nicht.

Auch das Aushängen des Federbeins habe ich probiert. Dabei bleibt das Phänomen auch bei deutlicher Verringerung des Winkels der Kardangelenke identisch.

Das macht mich jetzt schon nachdenklich. Für Nachdem ich handwerklich wie werkstattechnisch nicht für eine Demontage des Endantriebs ausgerüstet bin, wäre ich für Hinweise dankbar, was ein sinnvoller nächster Schritt wäre.

Herzlichen Dank!
Armin
 
Zuletzt bearbeitet:
Das macht mich jetzt schon nachdenklich. Für Nachdem ich handwerklich wie werkstattechnisch nicht für eine Demontage des Endantriebs ausgerüstet bin....

Hallo Armin, genau das wäre jetzt angesagt. Ich würde, um weitere Vermutungen auszuschließen, zumindest die Welle vom Getriebe lösen. Und wenn Du dann die Schwinge noch ein Stück nach hinten ziehen kannst (nachdem die Lagerbolzen raus sind, klar...) kommst Du gut an das Kreuzgelenk ran und kannst erstmal prüfen, ob es rastet oder nicht. Wenn das ok ist, im Leerlauf mal am Abtriebsflansch des Getriebes drehen. Auch das sollte sich sauber drehen lassen.
 
Moin!

Kardan ziehen geht einfach, lediglich der Einbau ist kniffelig. Eine Geduldsaufgabe.

- Schwinge mit Spanngurt sichern, übers Rahmenheck geführt und leicht anheben.
- Hinterrad abbauen
- Bremszug aushängen
- Federbein ausbauen
- Gummibalg zwischen Schwinge und Getriebe zum Getriebe hin öffnen und nach hinten schieben
- Kradanschrauben am Getriebeausgang lösen (Kleinen Gang einlegen, dann mit dem Kickstarter langsam drehen, um an alle 4 Schrauben zu kommen)
- Schwingenlager mit einer 27er Nuss am Rahmen lösen
- komplette Schwinge nach hinten heraus ziehen
- Kardanwelle aus der Schwinge ziehen und Kreuzgelenke prüfen.

- Einbau in umgekehrter Reihenfolge

Das Einfädeln der Kardanwelle ist mit etwas Gefühl und leichtem Winkel auch ohne Abbau des HAG von der Schwinge möglich. Ist wie gesagt jedoch ein Geduldsspiel. Kann in 5 Minuten vorbei sein oder Tage dauern. Je nach Geschick.

Viel Erfolg
 
Herzlichen Dank für die Links, Beschreibungen und Aufmunterungen! Dank der Beschreibungen von Sascha und Hubi habe ich den Ausbau heute problemlos bewerkstelligen können.

Ergebnis: Das untere Kreuzgelenk hat eine deutliche "Raststellung" in die eine Richtung und eine leichte in die andere Richtung. Das fühlt sich im Vergleich zum oberen Kreuzgelenk schon deutlich anders an.

Jetzt hätte ich da noch ne Frage zum Getriebe-Ausgangslager. Wie muss sich das denn normalerweise anfühlen, wenn man an der kreuzförmigen Aufnahme für den Kardan dreht?

Viele Grüße,
Armin
 

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Das untere Kreuzgelenk hat eine deutliche "Raststellung" in die eine Richtung und eine leichte in die andere Richtung. Das fühlt sich im Vergleich zum oberen Kreuzgelenk schon deutlich anders an.

Dann schau' dir das Gelenk mal genau an. Wenn das Federbein zu lang ist bzw. zu weit ausfedert, kann es sein, daß das Kreuzgelenk in sich selbst anläuft bzw. die eine Gelenkhälfte im Innern der anderen anschlägt.
Wenn ich mich recht erinnere, ist es das hintere Lager, daß es dabei zuerst erwischt. Möglicherweise sind Anlaufstellen erkennbar.

Das reicht ein, zweimal und die Lager sind hin.

Die Umbauer, die längere Federbeine einbauen (Schek, z.B.) schleifen die Gelenke innen aus, um das Anschlagen zu vermeiden. Ich habe bei mir zusätzlich die Paralever-Strebe etwas gekürzt.
 
Herzlichen Dank für die Links, Beschreibungen und Aufmunterungen! Dank der Beschreibungen von Sascha und Hubi habe ich den Ausbau heute problemlos bewerkstelligen können.

Ergebnis: Das untere Kreuzgelenk hat eine deutliche "Raststellung" in die eine Richtung und eine leichte in die andere Richtung. Das fühlt sich im Vergleich zum oberen Kreuzgelenk schon deutlich anders an.

Jetzt hätte ich da noch ne Frage zum Getriebe-Ausgangslager. Wie muss sich das denn normalerweise anfühlen, wenn man an der kreuzförmigen Aufnahme für den Kardan dreht?

Viele Grüße,
Armin

Hallo Armin,

wenn Du den Flansch mit 2-Fingern drehst, muss er sich leicht drehen lassen, es dürfen dabei keinerlei Rastungen vorhanden sein.

Gruß
Patrick
 
Wenn Du den Kardan schon ausgebaut hast dann ist der Ausbau des Getriebes keine grosse Sache mehr.

Bei den Paras wurde im Getriebe ein Seegerring eingespart der bei den älteren Modellen das Eingangslager von Axialkräften entlastet. Es gibt einige Anbieter die bei einer Getriebeüberholung das Getriebe so modifizieren dass dieser Sicherungsring wieder vorhanden ist.

Dann sollte zukünftig nur noch der Kardan kaputtgehen.

Was genau der Grund ist wegen dem ich es nicht schaffe mich für eine Paralever zu begeistern. 10.000 km Lebensdauer sind aber auch da schon sehr wenig. :entsetzten:
 
Liebe Foristen,

nachdem meine Kompetenz am Getriebeflansch aufhört, habe ich meine halb demontierte Q wieder zusammengebastelt und einem Experten überlassen. Das Ergebnis: Das Getriebeausgangslager hatte deutlich Spiel, das gegenüberliegende Lager leichtes Spiel. Deutlicher Abrieb im Öl. Getriebe ist jetzt neu gelagert und abgedichtet.

Fragt sich nun, warum nach 10.000 km ein neu gelagertes Getriebe wieder einen Treffer hatte. Anscheinend wurde beim letzten Zusammenbau das Eingangslager mit Loctite befestigt, dafür der berüchtigte Sprengeing nicht korrekt angebracht. An anderen Stellen war deutliches Spiel oberhalb der BMW-Toleranzen feststellbar, sagt man mir...

Die Kardanwelle wurde unverändert wieder eingebaut.

Das Getriebe schaltet sich jetzt deutlich weniger rustikal an. Mal sehen, wie lange es jetzt anhält.

Herzlichen Dank nochmal für alle Hilfe -- die Schwinge mal selber ausgebaut zu haben, ist definitiv eine positive Erfahrung! Mach ich jetzt regelmäßig.
 
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