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  1. #1
    Avatar von ISDT79
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    G/S-Prototypen in Ecuador 1980

    1980 begaben sich der Journalist Hans-Peter Leicht und der BMW-Pressesprecher Kalli Hufstadt mit 2 G/S-"Prototypen" auf eine 2000 km lange Reise in Ecuador vom Amazonas bis zu den Vulkanen, um Werbefotos und -Filme für die G/S-Präsentation zu produzieren und die Standfestigkeit und Vielseitigkeit des Konzepts zu zeigen.


    Foto von hier: https://bmw-grouparchiv.de/research/search/
    Als Suchbegriffe "Prototyp G/S" oder "Ecuador" eingeben.

    Da die beiden Maschinen wohl relativ unbekannt und trotzdem recht interessant sind, möchte ich die Geschichte bzw. das was ich davon weiß hier mal erzählen.

    Dazu gibt es einen schönen Reisebericht in einem BMW-Journal, welches sich leider nicht (von mir) verlinken lässt. Kann man aber hier suchen:
    https://bmw-grouparchiv.de/research/search/
    Als Suchbegriff "Journal" eingeben und das Heft 2/80 suchen, öffnen und Seiten 10-22 lesen


    Hier mache ich erst mal Schluss, bitte noch nicht antworten, ich möchte zuerst mal etwas Material sammeln.
    Es geht aber bald weiter, auch mit der Kotflügel-Frage!

    Gruß

    Werner
    Geändert von ISDT79 (24.02.2021 um 21:00 Uhr)
    Wenn ich nicht hier bin, bin ich auf'm Sonnendeck...

  2. #2
    Avatar von ISDT79
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    AW: G/S-Prototypen in Ecuador1980

    In den Berichten war immer die Rede von Vorserien-Maschinen oder Prototypen. Wenn man sich die Details aber anschaut, sind die Gemeinsamkeiten mit der G/S jedoch sehr gering.

    Die Basis für die beiden Maschinen bildeten die Werksmotorräder für die Sixdays 1979, mit denen Witzel und Witzhöft Gold erreichten und Schalber, Schek und Fischer Silber bekamen:


    Foto von hier: https://motomundo.com.br/bmw-gs-hist...-tras-sucesso/


    Foto von hier: https://www.pinterest.cl/pin/149604018860872275/


    Ich nehme an, dass man die zu erwartenden Strapazen der Ecuador-Reise einer echten Vorserien-G/S nicht zutraute und daher auf ein bewährtes Geländesport-Motorrad zurückgreifen wollte mit großen Federwegen (270/230 mm), geringem Gewicht (fahrfertig 138 kg) usw.. Also wurden 2 Maschinen entsprechend umgebaut, um wenigstens von weitem wie eine G/S auszusehen. Wie gesagt, es sollte ja Werbematerial produziert werden.

    So sahen die beiden Maschinen vor der Reise aus (Fotos immer aus dem BMW Group Archiv, wenn nichts anderes dabei steht):










    Im Detail sind die beiden Maschinen nicht identisch, gerade der Heckbereich unterscheidet sich geringfügig in Sitzbanklänge und Kotflügelstellung. Im Vergleich zu den Werksmaschinen oben wurde auch die Schwinge auf der rechten Seite durch ein großes Blechstück verstärkt - bei den Sixdays soll es einige Schwingenbrüche gegeben haben, die wundersamerweise beim nächsten Kontrollpunkt behoben waren...



    Hier mache ich erst mal wieder Schluss, bitte noch nicht antworten, ich möchte zuerst mal etwas Material sammeln.
    Es geht aber bald weiter, auch mit der Kotflügel-Frage!

    Gruß

    Werner
    Geändert von ISDT79 (13.02.2021 um 15:49 Uhr)
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  3. #3
    Avatar von ISDT79
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    AW: G/S-Prototypen in Ecuador1980

    Was sind also die Besonderheiten dieser Maschinen?

    Beginnen wir mit dem Rahmen. Der hat nichts mit einem BMW-Serienrahmen gemeinsam. Er wurde mit der Vorgabe, ein Einzelfederbein zu verwenden, 1979 völlig neu konzipiert und auf die Belange im Geländesport abgestimmt.

    Hier hatte ich schon einmal etwas dazu geschrieben:
    https://forum.2-ventiler.de/vbboard/...=1#post1059150

    Ich habe versucht, die beiden Rahmen skizzenhaft(!) miteinander zu vergleichen, der Serienrahmen einer G/S in Magenta und die Werksmaschine in schwarz:



    Die Geometrie weicht extrem von den Serienrahmen ab, kennzeichnend ist u.a. der angeschweißte Heckrahmen. Der Motor sitzt 7-8 cm weiter vorn als in der Serie, die Schwingenachse liegt näher am Getriebe, die Schwinge ist länger - und das alles "nur", um die Aufstellmomente des Kardans zu verringern! Nachteil war leider eine erhöhte Kopflastigkeit...




    Hier mache ich erst mal wieder Schluss, bitte noch nicht antworten.
    Ich habe leider im Moment wenig Zeit. Es geht aber bald weiter.

    Gruß

    Werner
    Miniaturansichten angehängter Grafiken Miniaturansichten angehängter Grafiken Rahmen-Vergleich2.JPG  
    Geändert von ISDT79 (24.02.2021 um 19:36 Uhr)
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  4. #4
    Avatar von ISDT79
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    AW: G/S-Prototypen in Ecuador1980

    Ich arbeite mich mal von vorne nach hinten durch und fange mit der vorderen Bremse an.

    Die G/S war schon seit schätzungsweise Ende 1977 mit einer Scheibenbremse geplant. Davon hatte die Entwicklungsabteilung die Kaufleute überzeugt, um gegenüber den japanischen Enduros ein Alleinstellungsmerkmal zu haben. Die Entwickler hatten dazu 2 identische Motorräder gebaut, einmal mit Trommel und einmal mit Scheibe, von denen es meines Wissens leider keine Fotos gibt . Danach fiel dann die Entscheidung zu Gunsten der Scheibe.

    Die für die Ecuador-Maschinen als Basis auserkorenen Sixdays-Maschinen hatten aber noch Trommelbremsen und an den verwendeten MAICO-Gabeln gab es keine Befestigungspunkte für den Bremssattel. Es wurden also entsprechende Adapter aus Alumaterial geformt und am rechten Gleitrohr stumpf angeschweißt. Ehrlich gesagt habe ich mich auch immer gewundert, ob sich das Gleitrohr bei der Schweißung nicht verzieht. Aber selbst bei der 1984er Paris-Dakar-Werksmaschine wurde das noch so durchgeführt, also hat es ja wohl problemlos funktioniert.

    Weiter wurden wahrscheinlich ein /7-ATE-Sattel sowie die passende Bremsscheibe samt Nabe verwendet, die in eine 21"-Felge eingespeicht wurden.




    Auch für die Bremsanlage wurde die /7-Lösung verwendet, also ein kurzes Bremsseil bis zum Zylinder, der aber nicht unter dem Tank, sondern an der oberen MAICO-Gabelbrücke sichtbar befestigt war, der Bremsflüssigkeitsbehälter hing an der Querstrebe des MAGURA-Lenkers. Brems- und Kupplungshebel sowie der Gasgriff 311 waren ebenfalls MAGURA-Teile aus dem Geländesport. Die Knubbelschalter waren noch aus der /5 bzw. frühen /6 entnommen. Der Tacho stammte aus der /7, er war allerdings eher provisorisch ohne das übliche Kunststoffgehäuse montiert. Man erkennt auch gut die Luft-Ventile oben auf der Gabel, die luftunterstützt war. Man hat aber wohl nur wenig Druck verwendet, um die Gabelsimmerringe zu schonen.





    Oben in der Seitenansicht sieht man gut den verwendeten R45/R65-Scheinwerfer mit Steinschlaggitter, der mit einer etwas windigen Blechstreifenkonstruktion an der Gabel befestigt war. Diese Halterung war den Geländefahrten in Ecuador allerdings nicht gewachsen und quittierte zwischenzeitlich den Dienst ...

    Der vordere Kotfügel war von M.Robert und wurde eigentlich an MAICOs verbaut. Er war daher eigentlich Rot und musste Weiß lackiert werden. Die Farbe blätterte gerne ab, was man auf einigen Fotos der Geländesportmodelle gut sehen kann.

    Warum relativ viele MAICO-Teile verwendet wurden, lässt sich einfach erklären. Laszlo Peres betrieb seit Anfang der 70er Jahre aktiv Geländesport, fuhr schon immer auf MAICO und hatte gute Beziehungen zum Werk, obwohl er nie Werksfahrer war. Die Gabeln, Vorderbremsen usw. waren Ende der 70er mit die Besten auf dem Markt, also hat man wohl auch bei Tank, Sitzbank und Kotflügel dort eingekauft.


    Hier mache ich erst mal wieder Schluss, bitte noch nicht antworten.
    Ich habe leider im Moment wenig Zeit. Es geht aber bald weiter.

    Gruß

    Werner
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