Florian

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Teammitglied
In der Luftfahrt werden alle Vor- und Unfälle qua Gesetz von einer staatlichen Untersuchungsstelle (in Deutschland die BFU) aufgearbeitet und deren Ursache in einem Untersuchungsbericht dargelegt.

Eine Vielzahl von Ultraleicht-Flugzeugen ist mit einem Motor der Rotax-Serie 912 ausgerüstet (Vierzylinder-Boxer), von denen alle Nicht-Einspritzer von einem Paar Bing-Vergaser (64-3) versorgt werden. Eine so motorisierte Diamond DV20 Katana musste 2024 in der Schweiz notlanden, nachdem eine Schlupfwespe (Hymenoptera Ichneumonidae) die 155er-Hauptdüse verstopft hatte. Detaillierte Bilder hierzu auf Seite 5 des Untersuchungsberichts der zuständigen schweizerischen Behörde SUST.

Shit happens
Florian
 
Diese kleinen Viecher kenne ich auch sehr gut :( , nutzen sie doch jede noch so kleine Öffnung und suchen ein Zuhause für den Nachwux .
Ein grosser Teil an Reparaturen bei Aussenraffstoren , Markisen und Rollladen gehen auf diese Spezies zurück ,
wenn es schief oder nicht mehr läuft , da sie sich z.B. auf den Texbandspulen heimisch gemacht haben .
Auch in den Gliederhaken der Rollladenlamellen verhindern sie das runde aufwickeln , und der Rolli verklemmt im Kasten .
Hier ein Bild der Orientalischen Mauerwespen-Reihenhaussiedlung . Die ist etwas grösser und baut gerne im Rollkasten .

20210309_083334.jpg
Gruss. Jörg mit den Pins
 
Klugscheißerische Anmerkung des biologisch interessierten Mitlesenden: Da haben die Schweizer im Untersuchungsbericht danebengehauen. Die Schreibweise ist "insect belonging to the hymenoptera ichneumonidae family" ist völlig verkehrt, etwa so, als würde man einen Menschen als "mammal belonging to the primates hominoidea family" bezeichnen. Hymenoptera ist die biologische Ordnung, da gehören Bienen und Wespen, aber auch Ameisen dazu. Ichneumonidae ist die Überfamilie der Schlupfwespenartigen.
Ganz offensichtlich hat jemand mit etwas Halbbildung die Insektenreste noch (korrekt!) als Schlupfwespe erkennen können und dann was wissenschaftlich klingendes reinschreiben wollen... :D

P.S.: @Jörg, die orientalischen Mauerwespen (Sceliphron curvatum) sind zwar auch Hymenoptera, aber keine Schlupf-, sondern Grabwespen. :pfeif:

:bier:
 
Ich kann mir schlecht vorstellen wie das Insekt in die Schwimmerkammer kommen konnte.
Ist hier kein Benzinfilter verbaut?

Also Vorsicht, vielleicht fahren hier einige ihre BMW ohne Filter in den Benzinhähnen.
Möglich dass dann beim Tanken ein naher kreisender Insekt durch Benzindämpfe betäubt in den Tank fällt.
Aufpassen und Augen offenhalten beim Tanken. 🤣
 
Es ist wohl die Theorie, das das Biest durch die Schwimmerkammerbelüftung gekommen ist...Die ist bei den Bing für Luftverkehr anders gelöst als bei jenen, die auf der Erde verbleiben.

Interessant ist, das die Vibrationen wegen Asynchronität bis 1400 U/min wohl akzeptabel waren...hätte nicht gedacht, das die HD schon in diesem Bereich eine solche Rolle spielt, aber das Setup von Flugmotoren unterscheidet sich ja auch wesentlich von unserem Kram.

Grüße, Hendrik
 
Tja, weil beim Flugverkehr alles so auf Sicherheit getrimmt ist und oft genug doppelt vorhanden sein muss, haben sie vermutlich auch zwei Schwimmerkammerbelüftungen... :lautlachen1: Müsste man wohl auch einen Filter reinmachen...
 
Interessanter Thread. Vergaserblockade durch Insektenkrams über die Schwimmerkammerbelüftung - darauf wäre ich im Leben nie gekommen.
Lehrstück wieder mal für Murphy's Law - If anything CAN go wrong - it will.

Und: es ist doch teils vorteilhaft, Einspritzung zu nutzen ...
 
Tja, weil beim Flugverkehr alles so auf Sicherheit getrimmt ist und oft genug doppelt vorhanden sein muss, haben sie vermutlich auch zwei Schwimmerkammerbelüftungen...
Klugscheißerische Anmerkung des luftfahrtinteressierten Mitlesenden:
Die hier betroffene Katana gehört zu den Ultra-light-Flugzeugen und hat in dieser Version einen Rotax 912 Vergasermotor verbaut, der eben nicht luftfahrtzugelassen ist.
Das heißt, der Pilot muß jederzeit damit rechnen, einen Motorausfall zu erleiden und Notlandeoptionen im Blick haben. (wegen der Haftung...)
Die zertifizierten (Ami-)Motoren haben viel Hubraum, niedrigen Drehzahlen für einen Direktantrieb, dazu eine doppelt vorhandene Magnetzündung, die unabhängig voneinander funktionieren (und eben ohne Batterie), dafür fressen die halt viel teuren 100 Oktan Bleisprit und haben vorgeschrieben Wartungs- und Überholungsintervalle (TBO), die in der ebenfalls zertifizierten Flugzeugwerft durchgeführt werden müssen.
 
Moin,

den 912er Rotax Doppelvergaser gibt es sowohl als ULS ohne als auch als S mir Zulassung nach FAR33.
Und in beiden Versionen mit redundant ausgelegter elektronischer Batteriezündung und selbstverständlich (auch) bleifreien Sprit ab 95 Oktan fressend.

Nebenbei ist die DV20 um die es im Ausgangsbeitrag ging mit max. 720kg Abfluggewicht zumindest in Dtl. NICHT mehr als Ultraleichtflieger zulassungsfähig und dürfte damit auch zwingend die S Variante vom Rotax verbaut haben. (Ultraleichtzulassung in Dtl. als Zweisitzer => MTOM <= 450kg!)

Grüße,
Jörg.

*) Typ und Gewicht korrigiert
 
Zuletzt bearbeitet:
o.k. - ich hatte da die (schwedischen) Werte vom Flugschein von vor zwei Jahren im Kopf.
Für Dtl. hast du mit 600kg Recht - die Vereinheitlichung in Europa ist ja leider erfolgreich gescheitert.

Ändert aber nichts an der Tatsache, daß die fragliche Maschine KEIN UL Flieger war/ist (DA20 => 800 kg, DV20 => 720 kg) und damit die certifizierte Version des Rotax-Boxers an Bord habend dürfte.

Ansonsten: von meiner Seite genug OT.
 
Zu den Fliegern kann ich nichts sagen. Ich hatte aber vor zwei Jahren den Fall das eine Hauptdüse während der Fahrt auseinander gebrochen ist. Das Gewinde befand sich noch im Düsenstock, aber die eigentliche Düse lag in der Schwimmerkammer. Das fährt sich dann auf einmal als wenn nur noch auf einer Seite gezündet wird. Der Bruch trat bei etwa 60 Km/h im 5 Gang auf. Schneller werden war dann auch nicht mehr möglich.

Gruß
Ralf
 
Jetzt die wichtigste Frage, Florian: Wie bitte bist du auf diesen Bericht gestoßen???
Ich habe einige Jahre in der Luftfahrt/Instandsetzung/Quality Management gearbeitet und der dortige Umgang mit Fehlern („Fehlerkultur”) hat mich sehr geprägt.

Seither lese ich regelmäßig die Abschlußberichte der deutschen, schweizerischen und österreichischen Flugunfall–Untersuchungsstellen, von denen ich viel gelernt habe.

Ein herausragendes Beispiel solcher Untersuchungsberichte ist z.B. die Veröffentlichung der Schweizer Untersuchungsstelle SUST zum Absturz der JU 52 (HB–HOT) im Jahr 2018 in Graubünden: so geht Fehlerkultur!

Gruß
Florian