Gabel - Diagnose / Zustand

KarstenKöln

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07. Mai 2026
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Köln
Moin zusammen,
nachdem meine "alte Dame" nun einigermaßen zufriedenstellend läuft konnte ich auch die eine oder andere Probefahrt machen. Dabei ist mir (unangenehm) aufgefallen, dass das Vorderrad ziemlich "hoppelt" und "springt". Gefühlt wird jede Fahrbahnunebenheit direkt in den Lenker übertragen.
Das bedeutet wohl dass die Gabel ein bisschen Aufmerksamkeit braucht. Dazu meine Frage: Gibt es ein Prozedere, mit dem man auch bei eingebauter Gabel feststellen kann, was defekt ist und getauscht/überholt werden muss ? Nicht dass ich die Arbeit scheue, aber in der Saison möchte ich auch keine unnötig aufwändigen Arbeiten machen. Im Grunde genommen stellt sich also die Frage: Reicht es die Gabel zu spülen um dann Federn und Öl zu wechseln, oder muss ich direkt demontieren, zerlegen und überholen ? Falls es keine Möglichkeit gibt verlässlich festzustellen was defekt ist, würde ich natürlich alles komplett machen, denn zweimal anfangen will man ja auch nicht ;). . Mir ist bewußt dass das ein bisschen "Ferndiagnose" ist, was bekanntlich nix bringt, aber anderseits kostet fragen ja nichts :D. Vielleicht gibt es ja doch ein paar hilfreiche Tips zur Diagnose.
 
Moin KartsenKöln,
wenn das Vorderrad hoppelt und springt, wäre es vielleicht erst einmal ratsam, das Vorderrad mit Reifen auf Rundlauf zu prüfen?
Um welches Motorrad bzw. welche Gabel handelt es sich?
Grüße
Helmut
 
Sorry - vergessen zu sagen um welches Motorrad es sich handelt 🫣 Ist ´ne 80/7 mit Doppelscheibenbremse.
Felge und Reifen sind i.O. . Reifen ist nagelneu und auf Felge gewuchtet. Zwei Punkte könnten wichtig sein:
1. Das Bike hat ca. 110.000 Kilometer auf der Uhr, sodass ein gewisser Verschleiß (bei evtl. vernachlässigtem Service) normal wäre
2. Das Bike hat die letzten Jahre gestanden
Da ich nicht weiß was der Vorbesitzer über die Jahre gemacht hat, ist es natürlich schwer einzuschätzen was im Einzelfall Sinn macht. Im Zweifelsfall mache ich halt alles von Grund auf. So habe ich es gerade mit den Vergasern gemacht. Will aber über den Sommer nicht nur schrauben sondern auch fahren, daher versuche ich bei der Gabel einzugrenzen ob eine komplette Überholung sein muss.
 
Der Aufbau der Gabel ist in der Datenbank beschrieben. Ölwechsel wird gern vernachlässigt und schnell gemacht. Wenn viel Dreck rauskommt oder der Auflauf gar blockiert ist, musst du sie halt zerlegen, reinigen und ggf. reparieren. Die Federn sind ganz selten ein Problem und erschlaffen auch nicht - anders als einige "Altgläubige" immer wieder gern fabulieren.
 
Die Gabeln sind sehr überschaubar. Wirklichen Verschleiß würde ich nur an den Kunststoffringen im Dämpfer erwarten. Nach der Zeit ist vermutlich viel Dreck im Tauchrohr.
 
Ich hatte mal eine 60/6, die mir zu weich in der Gabel war. Öl mit leicht erhöhter Viskosität sollte die Lösung sein. Die BMW hat extrem dünnflüssiges Gabelöl, fast wie Wasser. Das Ergebnis wurde dann allerdings schnell zurückgeändert, da die Gabel damit unkontrolliert am Springen war. Noch viel schlimmer als mit zu hohem Druck im Vorderrad.
Also ein Ölwechsel wird sicher nicht schaden und auf die richtige Viskosität (und Hersteller) und Füllhöhe achten.
Gruß Christoph
 
Hallo Karsten,

mach doch einfach mal einen Ölwechsel bei der Gabel. Meß die auslaufende Ölmenge bei jedem Holm, vielleicht hast Du da schon einen Hinweis auf die Fehlfunktion.
Es sollten jeweils 230 cm³ auf jeder Seite rauskommen, das ist auf jeden Fall die Wechselmenge. Das Öl sollte klar und ohne Fremkörper sein. Ist das Öl trüb, könnte Wasser drin sein.

Habe vor wenigen Tagen das Öl bei meiner G/S gewechselt und habe eine 10er Viskosität eingefüllt.

Noch ein Hinweis: behandle die Ablaßschrauben wie ein rohes Ei!
 
Bevor die komplette Gabel demontiert wird, würde ich erstmal die Klemmung der Achse lösen (also nicht die Seite mit der großen Sechskantmutter sondern die andere Seite) und mehrmals ein- und ausfedern um eine eventuelle Verspannung zu lösen.
 
Ich schätze nach 100000km kann ein richtiger Gabelservice samt buchsen und wdrs nicht Schaden. Alles bestellen und machen. Kann doch gar nicht solange dauern.
 
Wenn man das Wartungshandbuch der /7 heranzieht, ist ein Gabelölwechsel jährlich vorgesehen.
Das könnte also jetzt fällig sein.
Ich fahre 10er Hydrauliköl, mir passt es damit. (Baumaschinenwerkstätten haben sowas z.B.)
Im Winter kann man dann mal das Tauchrohr abziehen und den PU-Dämpfer unten drin neu machen.
Außer die Gabelsiris sind undicht, dann sollte man früher dran.
Infos zu allem in der Datenbank oder der Suchfunktion.
 
Moin,
vielen Dank für die vielen hilfreichen Tips. Ich galube ich mache mir dann doch die Mühe und baue die Gabel aus und überhole sie komplett. So viel Aufwand ist es dann auch nicht und ich kann sicher sein, dass ich da erstmal nicht mehr ´ran muss. Ich werde auf jeden Fall noch einmal berichten was ich beim Zerlegen vorgefunden habe. Ist ja immer interessant nachher zu wissen, was der eigentliche Fehler war.
 
... und hier wie versprochen die Rückmeldung nach Demontage und Zerlegen der Gabel:
IMG_20260727_124549143.jpg
Ich denke da erübrigt sich jeder Kommentar :eek:. Muss man nicht lange suchen wo der Fehler war. Nun ist alles zerlegt, gereinigt und begutachtet. Heute kommt der Überholsatz, dann kann ich das ganze wieder zusammen bauen. Die großen Simmeringe oben im Tauchrohr sind noch O.K. und waren auch dicht. Würdet ihr die austauschen, wenn sie beim Überholsatz dabei sind, oder lieber nach Motto "never change a running system" verfahren ?
 
Holla, der Befund ist noch schlechter als meiner war.

Machst Du mal ein Foto vom Satz? Wo hast du den bestellt?

Ich bin bei @trybear : Dichtringe in jedem Fall neu, wenns offen ist. Du werkelst daran rum, das nehmen alte Ringe gern übel.
 
Thanx - danke für die Tipps. Foto vom Überholsatz mache ich gerne - wenn er da ist ;). . Kommt hoffentlich heute.
Hier der Link zu dem Shop wo ich bestellt habe. Da ist natürlich auch ein Foto bei:
Gabelset R75,80,100 1978-08/80 / Fork setR75,100 1978-08/80 Artikel Nr. Set 3107K - Boxup, Auspuffanlagen und Ersatzteile für klassische Motorräder
Fand den Preis ganz reel. Wenn man die Einzelteile summiert kommt es in etwa auf´s Gleiche ´raus. Bei dem Satz muss man aber nicht lange überlegen was man braucht. Ist hoffentlich alles dabei.
 
Warum Federn neu?
Im WHB stehen die Maße der Federn. Wenn Deine da noch in der Toleranz liegen, kannst Du die problemlos weiterverwenden.
 
Hallo Karsten,

bin nicht so überzeugt von dem Überholsatz. Wie oben schon geschrieben, Federn altern nicht, sind also überflüssig. Als Öl habe ich das hier im Forum empfohlen ATF Dexron III genommen. Die Anschlagbuchsen gibt es hier im Forum aus Teflon. Die restlichen Verschleißteile habe ich original bei BMW gekauft. Alleine da kamen schon fast 70€ zusammen. Die Teile habe ich nach der Liste im Wartungsbereich bestellt und auch alle verbraucht. Ich versuche mal, meinen Beitrag dazu noch zu finden.

Trotzdem schon mal viel Erfolg aus der Nachbarschaft.
 
Hi,
dass die Federn nicht neu müssen ist mir bewußt. Die im Überholsatz sind aber wohl etwas härter. Da ich mittlerweile kein Leichtgewicht mehr bin :cry:, denke ich das kann nicht schaden.Werde mir die Teile mal kritisch ansehen. Wenn ich das Gefühl habe das ist Murks, schicke ich es halt wieder zurück.
 
Bei den Anschlagpuffern in Donut-Form verstehe ich nicht, warum die aus Hartkunststoff sein sollen.
PTFE, POM oder was auch immer dämpft doch nicht den Schlag einer durchfedernden Gabel.
Ich habe mir Teile aus PU, ich meine Shorehärte 90, gedreht.
Das Material von z.B. FIBRO wird im Industriebereich als Anschlagpuffer eingesetzt und ist definitiv Mineralölbeständig.
Aber vielleicht hat hier jemand eine Erklärung für die Verwendung des Hartkunststoffs als Anschlagpuffer.
 
Hallo "Jürgen aus Kölle",
nö - hatten wir noch nicht. Wohne in Köln Neu-Ehrenfeld. Wo wohnst du ? Vielleicht kann man ja mal ein kleines Treffen in der Motorworld verabreden. Bierchen und Pizza in der MotoGarage geht immer :bier:

Gruß
Karsten
 
Bei den Anschlagpuffern in Donut-Form verstehe ich nicht, warum die aus Hartkunststoff sein sollen.
PTFE, POM oder was auch immer dämpft doch nicht den Schlag einer durchfedernden Gabel.
Ich habe mir Teile aus PU, ich meine Shorehärte 90, gedreht.
Das Material von z.B. FIBRO wird im Industriebereich als Anschlagpuffer eingesetzt und ist definitiv Mineralölbeständig.
Aber vielleicht hat hier jemand eine Erklärung für die Verwendung des Hartkunststoffs als Anschlagpuffer.
PU eignet sich, es werden aber in Fahrzeug-Schwingungsdämpfern auch Endanschläge aus speziellen Thermoplastischen Kunststoffen eingesetzt. Beispielsweise diese hier:
 
PU eignet sich, es werden aber in Fahrzeug-Schwingungsdämpfern auch Endanschläge aus speziellen Thermoplastischen Kunststoffen eingesetzt. Beispielsweise diese hier:
Danke für den Link, Martin.
Die Dinger sind mir aus Stoßdämpferreparaturen diverser KFZ und im Maschinenbau schon mal untergekommen.

Zumeist verformen sich diese Kunststofteile beim Anschlagen im elastischen Bereich.

Der massive Donut in der Gabel kann sich aber nicht verformen, außer um ein sehr geringes Maß, jedenfalls bei weitem nicht soviel wie ein vergleichbarer PU-Anschlagpuffer oder das vor 50 Jahren verbaute Teil.

Mir kann es wurscht sein, ich bau bei einer anstehenden Revision nur was aus PU ein, da mir die Hartkunststoffteile den Schlag beim Durchfedern zu wenig mildern.
 
So, nun die letzte Rückmeldung zum Thema Gabel. Habe fertig. Gabel dämpft, federt ... macht alles was sie soll und das Vorderrad hoppelt nicht mehr wie vorher (y) . Mir ist sie allerdings noch etwas zu hart, daher werde ich wohl noch einmal anderes Öl probieren. Momentan ist 10W drin. Werde es dann mal mit 5 oder 7.5 W probieren. Habe aber keine Erfahrung wieviel das ausmacht. Muss ich bei 5W Sorge haben dass die Gabel dann butterweich ist ? Oder sind das eher geringe Unterschiede ?
 
Ich würde 5er Öl verwenden. Ich gönne meinem Oldie das Fuchs-Öl.

Grüße
Alfons
 
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...Momentan ist 10W drin. Werde es dann mal mit 5 oder 7.5 W probieren. Habe aber keine Erfahrung wieviel das ausmacht. Muss ich bei 5W Sorge haben dass die Gabel dann butterweich ist ? Oder sind das eher geringe Unterschiede ?
Die langhubigen BMW Gabeln waren werksmäßig mit 5W Öl (Shell 4001) befüllt und damit sehr weich abgestimmt. Falls Du nicht bei sehr niedrigen Temperaturen fährst, wird ATF Dexron III (entspricht 7,5 W) auch in Ordnung sein. ATF ist sehr gut spezifiziert, günstig und fast überall zu bekommen.

"Gabelöle" sind generell eher schlechtspezifiziert. Die Angabe xy W bezieht sich auf die Viskosität bei 100°C und sagt noch nichts über die Viskosität bei Betriebtemperatur. Die Silkolene Öle von Fuchs sind dagegen voll durchspezifiziert.
 
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