R65 Typ 248: Leerlauf bleibt heiß bei 2300 U/min hängen – sinkt nach Motor-Aus sofort auf 1300 U/min

J03rn

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28. Juli 2025
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Hallo zusammen,

ich brauche das geballte Schwarmwissen der Boxerexperten. Ich stimme gerade meine im Herbst letzten Jahres gekaufte BMW R65 (Typ 248, 2. Serie ab 1981, 50 PS, geschätzte Laufleistung ca. 35 tkm, lange Standzeit beim Vorbesitzer) nach einem großen Wartungsmarathon ab und stoße auf ein kurioses, aber reproduzierbares Phänomen im Leerlauf bei betriebswarmem Motor.

Ist-Zustand des Motorrads:

  • Vergaser: Es handelt sich um die originalen Bing Gleichdruckvergaser Typ 64/32/307 bzw. 308. Die Vergaser wurden komplett frisch überholt und gestern vom Vergaserservice Red Baron (Gerhard) zurückerhalten. Bestückt sind sie mit auf 138 verkleinerten Hauptdüsen, passend zu den verbauten asymmetrischen Ansaugschnorcheln (1 groß / 1 klein).
  • Zündung: ZDG3 von RS-Fahrzeugtechnik (Berlin). Es handelt sich um die optimierte Version mit drei Zündkurven. Eingestellt ist aktuell Zündkurve 2 (DIP-Schalter: off/on). Die Zündung wurde von mir streng nach Anleitung so grundeingestellt, dass im Schaufenster der Kupplung die OT-Markierung fluchtet, wenn man den Motor mit dem Anlasser dreht und dabei mittels Zündlichtpistole auf 0 Grad abblitzt. Im realen Leerlauf bei ca. 1.200 U/min frisch abgeblitzt, steht sie dann elektronisch generiert zwischen 12 und 13 Grad vor OT – aufgrund des ungünstigen Einblickwinkels am Schauloch lässt es sich leider nicht auf den halben Millimeter genauer ablesen. Ein Bild des Zündkurven-Diagramms hänge ich an.
  • Zündperipherie: Neue Beru ZS 224 -Zündspule, neue Zündkabel, NGK-Stecker, frische Kerzen.
  • Motorbasis: Kompression: rechts 10,5 bar / links 10,0 bar (bei demontierten Vergasern gemessen). Ventilspiel eingestellt auf Einlass 0,15 mm / Auslass 0,20 mm. Frisches 20W-50 Motoröl von LiquiMoly.
  • Züge / Gasgriff: Gaszüge, Chokezüge und beide Verteiler unter dem Tank nagelneu. Knickschutzfedern von Boxerbasis verbaut. Der Gasgriff dreht sich absolut leichtgängig und hat spürbar ein paar Grad Spiel im Leerlauf. Die Züge haben unten an den Verstellschrauben sichere 2 mm Spiel. Die Drehzahl ändert sich nicht beim Anschnippen der Züge. Choke schließt mechanisch zu 100% (geprüft per Fingerdruck am Anschlag). Es ist im gesamten Bereich der Betätigung also alles leichtgängig.
  • Falschluft: Ansaugtrakt intensiv mit Bremsenreiniger abgesprüht – absolut keine Reaktion, alles dicht.
Meine Grundeinstellung in der Garage:
Ich habe das Motorrad 50 km ausgiebig warmgefahren. In der Garage dann mit zwei Lüfter auf die Zylinder gerichtet und der Twinmax angeschlossen. Die Gemischschrauben habe ich auf 0,9 Umdrehungen geöffnet. Mittels der Drosselklappenschrauben habe ich einen synchronen Leerlauf bei 1.200 U/min eingestellt. Ich habe im Heusler gelesen, dass wegen dem leichten Schwung und dem Öldruck ein Leerlauf über 1000 bei den kleinen BMWs Sinn macht. Die Gaszüge habe ich dann dynamisch mittels Twinmax bis 3.000 / 4.000 U/min synchron abgeglichen. Der Motor lief in der Garage augenscheinlich ziemlich zufriedenstellend. Dabei lief er jedoch die meiste Zeit im Leerlauf und bekam zum Schluss nur ein paar Gasstöße, um die Gaszüge zu synchronisieren. Insgesamt dürfte er dabei kälter gelaufen sein, als wenn er auf der Straße gefahren wird, da er zu 95 Prozent mit Leerlaufdrehzahl lief.

Sobald ich dann ca. 10 Kilometer Landstraße gefahren bin, zeigt sich das Phänomen, das ich hier in den zwei Videos festgehalten habe:

Video 1 (1 Minute 13 Sekunden)

Video 2 (2 Minuten 45 Sekunden)

Wenn ich fahre und beim Anhalten die Kupplung ziehe, verharrt die Drehzahl extrem hartnäckig im Bereich um 2.000 bis 2.300 U/min. Manchmal sinkt sie nach einer Weile Wartezeit im Stand plötzlich von allein auf ca. 1.200 U/min ab, meistens bleibt sie aber oben.

Jetzt kommt das absolut Kuriose. Wenn der Motor im Stand bei 2.300 U/min festsitzt, schalte ich ihn über den Zündschlüssel aus. Ich warte keine zwei Sekunden und starte den Motor sofort wieder: Der Leerlauf fängt sich augenblicklich bei stabilen 1.300 U/min! Sobald ich wieder losfahre und die nächste Kupplung ziehe, hängt er wieder bei über 2.000 Touren fest.

Drehe ich die Drosselklappen-Anschlagschrauben auch nur minimal heraus, um das Hängenbleiben zu unterbinden, fällt die Drehzahl nach dem Schiebebetrieb so tief in den Keller, dass der Motor beim Ziehen der Kupplung teilweise ausgeht und im Stand nur durch Gasstöße am Leben gehalten werden kann.

Der Motor reagiert im Standgas so gut wie gar nicht auf das Verdrehen der Gemischschrauben (Funktion der Kraftstoff-Regulierschraube bei den Bings ist mir bewusst: heraus = fetter / hinein = magerer). Im Fahrbetrieb ergeben sich ohne Veränderung der Drosselklappenschrauben aber folgende gravierende Unterschiede:

  • Gemischschraube 1,0 Umdrehung offen: Drehzahl sinkt nach Schiebebetrieb beim Kuppeln sofort unter 1.000 U/min, Motor geht aus.
  • Gemischschraube 0,9 Umdrehung offen: Motor bleibt nach dem Kuppeln gerade so am Leben (oder hängt eben bei 2.300 U/min).
  • Gemischschraube 0,8 Umdrehung offen: Die Leerlaufdrehzahl fällt plötzlich überhaupt nicht mehr unter 1.500 U/min und bleibt dort dauerhaft hängen.
Fahrverhalten außerhalb des Leerlaufs:
Das Motorrad fährt sich ansonsten absolut fantastisch! Der Motor zieht kraftvoll, völlig linear und ohne jegliche Beschleunigungslöcher von ganz unten hoch, dreht in allen Gängen sauber aus und erreicht problemlos die Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h. Die asymmetrischen Schnorchel und die 138er-Düsen harmonieren im Fahrbetrieb scheinbar perfekt.

Wenn ich mir das beigefügte Diagramm der ZDG3 anschaue, fällt auf, dass Kurve 2 ab 1.000 U/min extrem steil ansteigt. Bei den hängenden 2.300 U/min stehen laut Kennlinie bereits knapp 25° Frühzündung an.
Kann es sein, dass meine Drosselklappen im Standgas bereits zu weit offen stehen (Übergangsbohrungen bereits freigegeben) und der heiße Motor im Zusammenspiel mit dieser steilen Zündkennlinie in einer "sich selbst erhaltenden Frühzündungs-Schleife" gefangen bleibt? Er zieht sich zusätzlich zur Standgasbohrung mehr Benzingemisch, dreht dadurch höher, bekommt mehr Frühzündung, dreht dadurch höher, usw. Wenn die Drehzahl dann doch einmal abfällt läuft er bei der Gemischschrauben-Einstellung von einer 1 Umdrehung zu fett und geht aus, weil er über die Übergangsbohrung ja noch zusätzlichen Sprit bekommt. Erst durch erneuten Motorstart oder längere Wartezeit im Leerlauf kommt er wieder in den Bereich einer geringeren Frühzündung.

Machen meine Gedanken Sinn oder habe ich hier irgendwo einen Denkfelhler?
Hat jemand von euch dieses extreme Verhalten schon einmal beobachtet und kann mir einen Tipp geben, wie ich das Gesamtsystem sauber eingestellt bekomme?
Macht es Sinn die Impulsscheibe auf dem Lichtmaschinenrotor minimal ein paar Grad zu verdrehen, sodass die Zündungsverstellung erst später beginnt? Oder muss ich die Vergaser anders/besser abstimmen?

Viele Grüße und danke für eure Hilfe!
Jörn
 

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Video 1 zeigt, dass die Gaszüge vom Vergaser aus recht weit nach hinten geführt werden und die Chokezge kreuzen. Kann sein dass der Gaszugverteiler zu weit hinten sitzt und der vordere Gaszug zu stramm ist. Überprüfe nochmal die Zugverlegung. Stelle das Leerlaufgemisch einmal nach der Anleitung in der Datenbank ein, ein Einstellen nur nach "Umdrehungen" ist nicht zielführend.
Ventile hattest du sauber eingestellt?

Gruß
Peter
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Peter,

Danke für deine Hinweise.

Ich nehme als nächstes den Tank mal ab, sodass ich die Verlegung der Züge besser prüfen kann. Ich bin mir jedoch ziemlich sicher, dass die Gaszüge nicht zu stramm sind, da ich unten an den Einstellschrauben ca. 2 mm Spiel habe und die Züge sichtbar nachgeben, wenn ich sie mit dem Finger anschnipse. Erst wenn ich am Gasgriff ca. 5 Grad drehe, kann ich sehen, dass sie gleichmäßig auf Spannung gehen und schließlich die Drosselklappe anheben.

Die Ventile habe ich sauber eingestellt und noch einmal auf beiden Seiten geprüft. Einlass 0,15 mm und Auslass 0,20 mm.

Ich habe versucht die Vergaser nach der Anleitung einzustellen. Erst mittels Drosselklappenschraube das Standgas synchron auf 1200 einregeln und dann durch Drehen der Gemischschraube nach fetter oder magerer die höchste Drehzahl suchen. Dann wieder das Standgas auf 1200 anpassen und nochmal an der Gemischschraube feinjustieren. Das Problem ist, dass das Standgas auf eine halbe Drehung der Gemischschraube plus oder minus von der Grundeinstellung nicht wirklich reagiert. Ich finde in diesem Bereich kein richtiges Drehzahlmaximum. Von 0,6 Umdrehungen bis 1,2 Umdrehungen habe ich eine Art Plateau, wo sich die Drehzahl im Leerlauf nicht hörbar ändert. Erst beim Fahren machen sich die Änderungen an der Gemischschraube bemerkbar, wenn ich die Kupplung ziehe und der Motor in den "Leerlauf" geht. Je nach Schraubeneinstellung geht er dann aus oder dreht viel zu hoch.

Viele Grüße
Jörn
 
Wenn der Motor richtig warm ist findet man das Drehzahlmaximum besser. Manche Kollegen ziehen auch den anderen Kerenstecker und legen ihn mit einer dritten Kerze auf Masse. Dann kann man sich auf nur einen Zylinder konzentrieren.

Gruß
Peter
 
... Kann es sein, dass meine Drosselklappen im Standgas bereits zu weit offen stehen (Übergangsbohrungen bereits freigegeben) und der heiße Motor im Zusammenspiel mit dieser steilen Zündkennlinie in einer "sich selbst erhaltenden Frühzündungs-Schleife" gefangen bleibt? Er zieht sich zusätzlich zur Standgasbohrung mehr Benzingemisch, dreht dadurch höher, bekommt mehr Frühzündung, dreht dadurch höher, usw.
Hallo Jörn, da würde ich ansetzen. Leerlauf zu hoch und fett eingestellt. Zudem wird der die Gaszüge bei ca. 1500/min synchronisiert, also direkt nach der Übergangszone von Leerlauf auf niedrige Teillast. Die Leerlaufdrehzahl kannst dh unbesorgt auf 950 - 1000/ min einstellen. Gerade mit der elektronischen Zündung läuft der Motor damit stabil. Hoher, fetter Leerlauf = hoher Blindverbrauch und schlechte Motorbremswirkung.
 
Ich vermute ein Problem bei der Zündzeitpunktverstellung. Ist bei dieser Version der Zündung noch ein Fliehkraftregler in Einsatz? Aus der Beschreibung auf der Seite von Elektronik Sachse werde ich nicht ganz schlau, da es offenbar zwei verschiedene Anlagen für die BMWs gibt.
 
Hi,

guck, wenn der Motor bei 2000 oder drüber hängen bleibt, direkt nach Spiel in den Gaszügen, nicht vorher ausschalten.

Gruß
Willy
 
Hallo Jörn, da würde ich ansetzen. Leerlauf zu hoch und fett eingestellt. Zudem wird der die Gaszüge bei ca. 1500/min synchronisiert, also direkt nach der Übergangszone von Leerlauf auf niedrige Teillast. Die Leerlaufdrehzahl kannst dh unbesorgt auf 950 - 1000/ min einstellen. Gerade mit der elektronischen Zündung läuft der Motor damit stabil. Hoher, fetter Leerlauf = hoher Blindverbrauch und schlechte Motorbremswirkung.
Würde ich auch machen, d.h. Drehzahl deutlich runter.
Ich vermute ein Problem bei der Zündzeitpunktverstellung. Ist bei dieser Version der Zündung noch ein Fliehkraftregler in Einsatz? Aus der Beschreibung auf der Seite von Elektronik Sachse werde ich nicht ganz schlau, da es offenbar zwei verschiedene Anlagen für die BMWs gibt.
Wäre auch mein nächster Punkt. Die Sachse hat aber keine mechanische Verstellung, d.h. die hinterlegte Kennlinie ist dafür zuständig. Standgas deutlich runterregeln (ich weis nicht, ab welcher Drehzahl die Sachse die Verstellung anfängt) und alternativ mal eine andere Kurve nehmen. Ggf. mal eine für die Doppelzündung, die müsste eine deutlich flachere Verstellung haben.

Hans
 
Würde ich auch machen, d.h. Drehzahl deutlich runter.

Wäre auch mein nächster Punkt. Die Sachse hat aber keine mechanische Verstellung, d.h. die hinterlegte Kennlinie ist dafür zuständig. Standgas deutlich runterregeln (ich weis nicht, ab welcher Drehzahl die Sachse die Verstellung anfängt) und alternativ mal eine andere Kurve nehmen. Ggf. mal eine für die Doppelzündung, die müsste eine deutlich flachere Verstellung haben.

Hans
Ab 1000/min verstellt die Sachse Anlage die Zündung steil in Richtung früh - siehe die Kurve in Beitrag 1. Deshalb soll der Leerlauf auch nicht höher stehen. Ich hab die gleiche Anlage seit etlichen Jahre drin - der Motor tourt zuverlässig ab und läuft sehr gleichmäßig.
 
Vielen Dank für die Rückmeldungen.

Wenn der Motor richtig warm ist findet man das Drehzahlmaximum besser. Manche Kollegen ziehen auch den anderen Kerenstecker und legen ihn mit einer dritten Kerze auf Masse. Dann kann man sich auf nur einen Zylinder konzentrieren.

Gruß
Peter

Gute Idee! Das habe ich tatsächlich noch nicht ausprobiert, sondern hatte beide Zylinder am laufen. Veränderungen an der Gemischschraube sollten dann deutlicher auffallen.

Hallo Jörn, da würde ich ansetzen. Leerlauf zu hoch und fett eingestellt. Zudem wird der die Gaszüge bei ca. 1500/min synchronisiert, also direkt nach der Übergangszone von Leerlauf auf niedrige Teillast. Die Leerlaufdrehzahl kannst dh unbesorgt auf 950 - 1000/ min einstellen. Gerade mit der elektronischen Zündung läuft der Motor damit stabil. Hoher, fetter Leerlauf = hoher Blindverbrauch und schlechte Motorbremswirkung.

Okay, dann versuche ich heute den Leerlauf weiter auf 1000 Umdrehungen runter zu regeln. Die Unterschiede in der Motorberemse habe ich auch beim Fahren deutlich gemerkt. In den Phasen wo das Standgas bei 2000 Umdrehungen hängen geblieben ist war davor deutlich weniger Motorbremse zu spüren.

Ich vermute ein Problem bei der Zündzeitpunktverstellung. Ist bei dieser Version der Zündung noch ein Fliehkraftregler in Einsatz? Aus der Beschreibung auf der Seite von Elektronik Sachse werde ich nicht ganz schlau, da es offenbar zwei verschiedene Anlagen für die BMWs gibt.

Den Fliehkraftregler bzw. die Hallgeberdose habe ich ausgebaut und die Öffnung mit einem Blinddeckel verschlossen. Der Zündzeitpunkt wird bei meiner Version der Sachse-Zündung durch eine Scheibe mit einem Schlitz auf dem Roter der Lichtmaschine festgelegt. Dort ist eine kleine Lichtschranke montiert, die durch die Schlitzscheibe ausgelöst wird. Durch Verdrehen der Schlitzscheibe kann man den statischen Zündzeitpunkt anpassen. Ich habe die Scheibe nach Anleitung so eingestellt, dass bei Anlasserdrehzahl meine Zündlichtpistole bei 0 Grad Verstellung die OT-Markierung im Schauloch anblitzt. Ich vermute, dass ich die Scheibe möglicherweise minimal (vielleicht um 1 bis 2 Grad) zu weit nach früh eingebaut habe. Dadurch ist beim Abblitzen mit Anlasserdrehzahl immer noch die OT-Markierung zum Schaufenster zu sehen, aber die Zündung könnte einen Mini-Ticken zu früh stehen. Damit ich die Markierung besser sehen konnte, habe ich sie mi mir Schaubensicherungslack gelb auf der Schwungscheibe markiert.

Hi,

guck, wenn der Motor bei 2000 oder drüber hängen bleibt, direkt nach Spiel in den Gaszügen, nicht vorher ausschalten.

Gruß
Willy

Ich hatte gestern noch ein weiteres Video gemacht, wo ich bei 2200 Umdrehungen mit dem Finger an die Gaszüge geschnipst und an den Gaszügen gezogen habe, sodass sie sich um die 2 mm Spiel in den Schrauben bewegt habe. Das Standgas hat hierrauf nicht reagiert. Auch das komplette einschlagen des Lenkers nach links und rechts hat am Standgas nichts verändert.

Das Video ist relativ lang und in der Mitte passiert nichts, da ich darauf gewartet hatte, ob sich das Standgas von alleine wieder absenkt.

Video mit Überprüfen der Gaszüge

Viele Grüße
Jörn
 
Würde ich auch machen, d.h. Drehzahl deutlich runter.

Wäre auch mein nächster Punkt. Die Sachse hat aber keine mechanische Verstellung, d.h. die hinterlegte Kennlinie ist dafür zuständig. Standgas deutlich runterregeln (ich weis nicht, ab welcher Drehzahl die Sachse die Verstellung anfängt) und alternativ mal eine andere Kurve nehmen. Ggf. mal eine für die Doppelzündung, die müsste eine deutlich flachere Verstellung haben.

Hans

Nur um Missverständnisse vorzubeugen: Ich habe die Drehzahl bzw. das Standgas zuhause in der Garage am zuvor knapp 50 Kilometer warm gefahrenen Motor auf 1200 Umdrehungen eingestellt. Dort auch mittels Twinmax synchronisiert. Zuhause in der Garage ging die Drehzahl nach den Gasstößen auch immer wieder schön auf die Einstellung runter und der Motor lief meines Erachtens nach gut.

Nach ca. 10 Kilometern Testfahrt direkt im Anschluss an die Einstellung in der Garage bleibt die Drehzahl dann aber bei den 2000 Umdrehungen hängen. Ohne das ich irgendwas verstellt habe. Die Gaszüge haben immer noch genug Spiel.

Ich habe dann mehrfach auf einem Parkplatz angehalten und die Gemischschraube in homöpatischen Bereichen um 0,1 Umdrehungen verstellt. Dann immer wieder eine Runde von mehreren Kilometern gefahren. Dabei konnte ich im Leerlauf beim Einstellen auf dem Parkplatz keine Veränderungen am Standgas heraushören. Der Motor hat nur beim Fahren auf diese Veränderungen reagiert, indem er beispielsweise beim nächsten Anhalten an einer Ampel ausgegangen ist, obwohl ich die Schraube auf beiden Seiten lediglich um 0,1 bis 0,2 Umdrehungen herausgedreht hatte. Also ein Unterschied zwischen Hängenbleiben bei rund 2000 Umdrehungen oder Ausgehen des Motors bei nur 0,2 Umdrehungen der Gemischschraube.

Viele Grüße
Jörn
 
Hast du mal geschaut ob es beide Zylinder sind die zu hoch laufen?
Hinter das Motorrad stellen und lauschen dürfte reichen.

Gruß
Willy
 
Ab 1000/min verstellt die Sachse Anlage die Zündung steil in Richtung früh - siehe die Kurve in Beitrag 1. Deshalb soll der Leerlauf auch nicht höher stehen. Ich hab die gleiche Anlage seit etlichen Jahre drin - der Motor tourt zuverlässig ab und läuft sehr gleichmäßig.

Ich werde heute versuchen den Leerlauf bei warmem Motor auf 1000 Umdrehungen einzuregeln und testweise eine flachere Kurve an der Zündung einstellen.

Viele Grüße
Jörn
 
Hast du mal geschaut ob es beide Zylinder sind die zu hoch laufen?
Hinter das Motorrad stellen und lauschen dürfte reichen.

Gruß
Willy

Das habe ich tatsächlich nicht gemacht. Vom Gefühl her müssten beide aber ziemlich gleich gelaufen sein, weil ich kein besonderen Vibrationen im Leerlauf festgestellt habe und auch der Twinmax auf maximaler Empfindlichkeit gleichmäßig zwischen den beiden 1-Strichen pendelte. Wenn ich die Empfndlichkeit leicht runtergeregelt hatte, stand der Zeiger direkt auf der 0.

Ich werde später mit einer dritten Zündkerze die Zylinder mal einzeln testen, ob mir dabei etwas auffällt.

Viele Grüße
Jörn
 
Wenn sie gleich zu schnell laufen, würde ich den Fehler im Gaszugverteiler oder davor vermuten.

Gruß
Willy
 
....und testweise eine flachere Kurve an der Zündung einstellen.
Nein, mach das nicht. Der Motor braucht die Kurve, damit er vernünftig läuft. Stell 950-1000/min ein und regele dann das Gemisch ein. Wenn der Motor muss dann empfindlich auf die Schrauben reagieren, sonst stimmt etwas nicht.
 
Wenn sie gleich zu schnell laufen, würde ich den Fehler im Gaszugverteiler oder davor vermuten.

Gruß
Willy

Kann es am Gaszugverteiler liegen, wenn ich an den Zügen unten am Vergaser spüre und sehe, dass diese deutliches Spiel haben? Die Züge ziehen in diesem Moment ja nicht an der Drosselklappe, sondern deren Winkel wird lediglich durch die Drosselklappenschraube bestimmt.

Wenn ich den Motor ausschalte und sofort wieder starte ohne den Gasgriff zu berühren oder irgendetwas zu verändern sinkt die Drehzahl von über 2000 auf 1200 ab. Wenn die Gaszüge zu stramm sind, müsste die Drehzahl nach dem Start doch wieder so hoch sein. Oder habe ich hier einen Denkfehler?

Nein, mach das nicht. Der Motor braucht die Kurve, damit er vernünftig läuft. Stell 950-1000/min ein und regele dann das Gemisch ein. Wenn der Motor muss dann empfindlich auf die Schrauben reagieren, sonst stimmt etwas nicht.

Okay. Ich versuche es später und werde berichten.

Viele Grüße
Jörn
 
Kann es am Gaszugverteiler liegen, wenn ich an den Zügen unten am Vergaser spüre und sehe, dass diese deutliches Spiel haben? Die Züge ziehen in diesem Moment ja nicht an der Drosselklappe, sondern deren Winkel wird lediglich durch die Drosselklappenschraube bestimmt.
Weiß ich nicht, manchmal passieren komische Dinge. Vielleicht liegt es ja auch, wie andere vermuten, an der Zündung.
Wenn ich bei meiner den Lenker gegen einen anderen tausche, muss ich die Vergaser neu synchronisieren, obwohl ich die Gaszüge lediglich anders verlege.

Gruß
Willy
 
Kann es am Gaszugverteiler liegen, wenn ich an den Zügen unten am Vergaser spüre und sehe, dass diese deutliches Spiel haben? Die Züge ziehen in diesem Moment ja nicht an der Drosselklappe, sondern deren Winkel wird lediglich durch die Drosselklappenschraube bestimmt.
Der Beschreibung nach ist das richtig und muss so sein. Das Spiel in den Gaszügen trennt den Leerlauf vom Teillastbereich. Im Leerlauf muss auf beiden Seiten Spiel in den Zügen sein. Natürlich sollte auch der Leerlauf synchronisiert werden, damit der Motor schön rund läuft.
 
Nein, mach das nicht. Der Motor braucht die Kurve, damit er vernünftig läuft. Stell 950-1000/min ein und regele dann das Gemisch ein. Wenn der Motor muss dann empfindlich auf die Schrauben reagieren, sonst stimmt etwas nicht.

Das wäre auch mein Ansatz, die LLG-Schrauben müssen im Standgas bei 1.000 U/min empfindlich reagieren - sonst stimmt da etwas nicht.

LG
Rainer
 
Hallo zusammen,
ich bin heute Mittag insgesamt knapp 50 Kilometer gefahren.

Die R65 sprang (noch mit der gestrigen unveränderten Einstellung von 1.200 Umdrehungen laut Tacho und den 0,9 Umdrehungen an der LLG-Schraube) extrem schlecht an. Mit vollem Choke lief sie kurz für ein paar Sekunden und ging aus, auf halbem Choke wurde die Drehzahl nicht erhöht und der Motor ging wieder aus. Ich musste sie per Gasgriff manuell auf 2.000 U/min halten, bis sie nach einigen Kilometern warm genug war, um von allein anzubleiben.

Nach 20 km Fahrt ging es in die Garage. Ich habe die Drosselklappenschrauben gleichmäßig herausgedreht, um das Standgas spürbar abzusenken. Dann habe ich die Zündlichtpistole angeschlossen. Dabei ist mir aufgefallen, dass mein elektronischer Tacho im Cockpit eher 1.100 bis 1.200 U/min anzeigt, während die Zündlichtpistole 900 bis 950 U/min anzeigt! Der Tacho hat also gute 200 Umdrehungen Abweichung.

In diesem Bereich ( ~930 U/min) reagierten die Vergaser auf jede 1/8-Umdrehung der Leerlauf-Gemischschraube! Ich habe den Drehzahl-Höchstpunkt durch vorsichtiges Herantasten in beide Richtungen gefunden und bin schlussendlich bei 0,7 Umdrehungen offen auf beiden Seiten gelandet. Drosselklappen und Züge wurden danach bei maximaler Empfindlichkeit auf dem Twinmax möglichst synchron eingestellt.
Hier ist das Video von dem Zustand in der Garage:

Video - Abstimmung in der Garage

Laut dem Diagramm der RS-ZDG3 (Kurve 2) sollte die Zündung unterhalb von 1.000 U/min bei ca. 5° vor OT laufen. Bei mir habe ich bei 900–950 U/min (laut Pistole) jedoch gemessen, dass bereits 10 Grad Frühzündung anliegen! Wenn man sich das Zündkurven-Diagramm anschaut, sieht man, dass bei 1.000 U/min die steile Rampe nach oben beginnt.

Ich bin danach noch einmal 30 km gefahren. Das Standgasverhalten war spürbar besser als gestern. Sobald der Motor nach der Fahrt heiß war, passierte Folgendes: Im Schiebebetrieb beim Ziehen der Kupplung starb der Motor mehrfach einfach ab. Er sprang sofort wieder an, lief dann aber im Stand unruhig und fing an zu "sägen": Die Drehzahl schwankte laut Drehzahlmesser im Tacho zwischen 1.000 und 1.250 U/min hin und her. Die Gaszüge haben absolut freies Spiel, das habe ich direkt getestet. An den Vergasereinstellungen habe ich nichts verändert.

Hier ist das Video vom leicht sägenden Leerlauf nach der Fahrt. Vor dem Video ist der Motor ausgegangen und ich habe ihn dann wieder gestartet.

Video der gleichen Abstimmung nach 30 Kilometern Fahrt

Ich vermute, dass ich durch eure Hilfe schon ziemlich nah an einer vernünftigen Vergasereinstellung dran bin, aber mich direkt an der steilen Rampe der Zündverstellung befinde. Die 10 Grad Frühzündung bei knapp 900 Umdrehungen erscheinen mir zu viel. Diese sollten normalerweise erst bei 1200 Umdrehungen anliegen. Dadurch ist vermutlich bei mir die gesamte Zündkurve auf dem Diagramm nach links verschoben.

Sollte ich den Ausgangspunkt für die Berechnung der Zündbox über die Impulsscheibe auf dem Rotor um ca. 3–4 Grad in Richtung Spät verdrehen, um bei näher an die Soll-Werte der Kennlinie zu kommen? Danach würde ich wieder versuchen den Leerlauf mit Drosselklappenschauben und Gemischschrauben auf 950 Umdrehungen anzupassen und einzustellen.

Viele Grüße und danke für eure Hilfe!
Jörn
 
Hallo Jörn,

wenn du den Zündzeitpunkt leicht in Richtung "spät" verstellst (ich würde mal mit 2° anfangen, falls es so genau möglich ist), machst du nichts kaputt. Ein zu später Zündzeitpunkt ist für den Motor unkritisch, im Gegensatz zu einem zu frühen Zündzeitpunkt.
 
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