Kontakte fetten – Batterie fetten

hg_filder

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Teil 1 Kontakte fetten

Wer meine Kommentare immer mal wieder mal verfolgt, wird des Öfteren lesen, dass ich beim Thema „Kontakte fetten“ recht wirsch reagiere (Ist auch so ein Jehowa-Thema). Meist mit dem Hinweis, dass da kein Fett hingehört. Um meine Reaktion zu verstehen, möchte ich die Gründe hier mal in Ruhe aufschreiben. Wichtig: Die folgenden Informationen sind mein Wissensstand, man muss denen nicht folgen.

Immer wieder werden Kontaktstellen mit Fett gefüllt/verschmiert mit dem Gedanken, seiner Elektrik etwas Gutes zu tun. Entweder, um die Kontakte vor Wasser oder Korrosion/Gammel zu schützen – oder beides. Ich sehe da eher Probleme denn einen echten Nutzen. Und es sollte nicht vergessen werden: Vom Werk aus werden auch bei aktuellen Modelle Kontaktverbindungen ohne Fett versehen.

Die meisten Fette, die da zum Einsatz kommen, sind je eher isolierend ausgelegt. Wären sie das nicht, könnten dort ja ggf. Kriechströme entstehen. Wird nun ein Fett in solch eine Kontaktverbindung eingebracht und der Kontakt hat keine vernünftige Anpresskraft (der Stecker lässt sich leicht lösen), so kann das Fett die Kontaktfläche/n unterwandern und würde im ungünstigen Fall eher die elektrische Leitfähigkeit verschlechtern.

Ein paar weitere Punkte sind:
  • Verträgt sich das Fett mit den Materialen (Isolation, Ummantelung, Material der Kontakte, Kunststoffe von elektrischen Komponenten, …)
  • Wie fließfest ist das Fett, d.h. läuft es im ungünstigsten Fall unter extremen Temperatur-Bedingungen an bzw. in Teile, an denen das nicht gewollt ist
  • Beim aus- und wieder einstecken von gefetteten Verbindungen kann es passieren, dass das Fett auf die Kontaktflächen kommt
  • An Fett haftet sehr gerne Staub und Dreck. Sollte der Staub aus einem leitenden Material sein (z.B. Kohleabrieb), so kann über das Schichtgemisch ein Kriechstrom entstehen
  • Messen an gefetteten Kontakten kann unter Umständen fehlerhaft Ergebnisse bringen

Sollen Kontakte vor Wasser oder äußeren Einflüssen geschützt werden, so sind die Kontakte mit einer abschließenden Gummitülle zu versehen (siehe Steckkontakt Zündmodul oder Hupe). Wer noch weiter gehen will, kann sogenannte Seal-Stecker nehmen. Die sind aber in der Montagehandhabung auch nicht einfach.

Wer dennoch auf sein Fett beharrt, bitte die oben genannten Hinweise erst nehmen. Kontakte auf guten halt prüfen, ggf. leicht nachbiegen. Sollte der Kontakt getrennt werden, ist das Fett sorgsam zu entfernen, bevor der Kontakt wieder verbunden wird.
 
Teil 2 Batterie fetten

Es gibt einen Bereich, an dem immer wieder auch in Fachwerkstätten Fett angebracht wird: Die Batteriepole, dort mit Polfett. Auch da bin ich kein Freund davon, die Begründung wird aber etwas länger.

Sucht man nach Polfett, so wird immer von Korrosion an den Polen (Plus/Minus-Terminal an der Batterie) gesprochen. Um dies zu vermeiden, sollte Polfett aufgetragen werden. Ich habe schon viele solche gefetteten Batterien gesehen und bei einigen gab es trotz Fett Kontaktprobleme. Auch hier, ähnlich wie im Teil 1 mit den Kontakten, ist es wichtig, dass die Batteriekabel trocken und wirklich fest mit dem Pol verbunden werden. Dann wird nun das Pol-Fett nicht zu dick aufgetragen, aber über den kompletten Blei-Pol und nicht nur dort, wo die Klemme sitzt. Eine echte Begründung zur Entstehung der Korrosion wird nicht aufgeführt (zumindest habe ich keine gute Begründung gefunden).

Nur: Warum wird das vom Werk aus nicht schon gemacht? Und warum sind von der Korrosion nicht alle Batterien betroffen?

Ich hatte als Jugendlicher ja die Möglichkeit, in einer freien Autowerkstatt in meiner Schulzeit auszuhelfen. Alle, die Autos in den 70ern bis 90ern hatten bzw. gebastelt haben, kennen das Problem: Diese weißliche Substanz an der Batterie.

batteriepol_04.jpg

Alles sauber gemacht und kurze Zeit später kam das Zeugs wieder. Die Lösung: Polfett, und das Thema war weg. Aber warum meistens am Minus-Pol? Warum nicht an jeder Batterie? Aber vor allem: Bei den Batterien, an denen ich das Zeugs entdecken konnte, starben die Batterien in nicht allzu ferner Zeit, auch mit Polfett. Auch mein Käfer kannte das Problem, mit neuer Batterie war es dann weg.

Irgendwie war klar, es kann nicht von außen kommen, d.h. könnte aus den Verschlussdeckeln der Zellen ein Gas entweichen, um dann die Pole zu einer Reaktion zu bringen? Aber warum dann nur den Minus-Pol? OK, viel weiter bin ich damals nicht gekommen, Studium und später Job forderten ihren Tribut, bei meinen Kisten auch nie mehr ein Thema.

Mit der Diskussion hier im Forum erwachte wieder mein alter Forscherdrang. Nun gibt es ja das Internet, also auf die Suche. Ist das Problem mit den abgeschlossenen Batterien erledigt? Nein, gibt es weiterhin, wenn auch deutlich weniger. Und: Neben dem weißen Belag gibt es auch einen blau/grünen Belag. Den weißen konnte ich auf den angezeigten Bildern mit dem Minus-Pol in Zusammenhang bringen, d.h. hier trog meine Erinnerung nicht. Das mit dem blauen Gammel kam mir dann auch wieder in das Gedächtnis, hatte ich wohl verdrängt, kam wohl nicht so oft vor. Aber bei einem geschlossenen Akku kann ja eigentlich kein Gas entweichen.

Auf der Suche nach den Ausblühungen habe ich, wie ich finde, sehr gute Beschreibung der zwei unterschiedlichen Ausblühungen an den Blei-Polen gefunden: (Quelle: fridayparts.com)

Weiße oder hellgraue Ablagerungen
Diese sehen Sie meist am Minuspol (-). Es handelt sich um Zinksulfat, das entsteht, wenn die Batterie Gase freisetzt und diese mit Zink aus den Anschlüssen reagieren. Auch das verursacht Probleme und bedeutet meist, dass die Batterie nicht ausreichend geladen wird.

Blaue oder blau-grüne Ablagerungen
Diese krustige Schicht tritt fast immer am Pluspol (+) auf. Es handelt sich um Kupfersulfat, das entsteht, wenn Batteriesäuredämpfe mit Kupferklemmen reagieren […]. Das ist ein klares Zeichen für eine chemische Reaktion und weist auf eine Überladung hin.


Dann kam mir gestern im Gespräch mit Wolfram (er hat ja einen anderen Standpunkt als ich) Erinnerungen von Bildern meiner BMW-KL hoch: Ich habe seit drei Jahren das Problem, dass meine eine Schraube am Akku Korrosionsschäden aufweist. Die hatte ich dann gegen eine neue getauscht, mit der Vermutung, dass die einen Fehler hat. Aber dieses Frühjahr ist mit beim Einbau der Seitenständerschaltung das gleiche Schadensbild aufgefallen, wieder die des Minus-Pols. Hier die Bilder aus 2023:

BMW_R100GS_2023-06-05_04.jpg
BMW_R100GS_2023-06-05_05.jpg


Jetzt wird es mir aber langsam klar, was da passiert: Die Abdichtung der Pole scheint nicht mehr ganz dicht zu sein, d.h. an den Polen kann Gas aus dem Innenraum vorbei nach außen gelangen und verursacht dort die chemische Reaktion. Bei den Blei-Polen eben dann das weiße Pulver, an der KL mit seiner metallischen Fahne, die wohl halbwegs resistent ist, dann der galvanisch bearbeitet Schraube.

Was wohl zur Folge haben wird, dass mein Langzeit-Akku in der nächsten Zeit wohl die Grätsche machen wird.

Was ist nun das Ergebnis? Mit dem Polfett behebt man das Symptom, aber nicht die Ursache. Die Ursache ist ein undicht werdender Akku (Batterie), d.h. es kann davon ausgegangen werden, dass das Teil demnächst Probleme machen kann. Macht man Polfett drauf, tritt das natürlich nicht auf – aber undicht wird die Batterie dennoch irgendwann, es kann nur nicht erkannt werden.

An die Chemiker: Gerne eine Rückmeldung von euch.

Hans
 
Zuletzt bearbeitet:
Hi,

Kontaktstellen wie Stecker und Buchsen sprühe ich mit Kontaktspray ein, hat bisher immer funktioniert, füllen mit Fett halte ich für überflüssig.
Mit Akkus verfahre ich ähnlich, nehme aber meist Ballistol, das Zeug ist rückfettend.

An meinen Fahrzeugen hatte ich Ablagerungen nur beim Kauf eines Fahrzeuges, nie wenn sie in meinem Besitz sind.


DSCI0302.JPG
Gruß
Willy
 
Das waren jetzt Kontakte (dem Geschriebenen stimme ich nahezu 100% zu)
und Batterien (hab es nur angelesen bis jetzt).
Es fehlen noch Schalter; diese werden stellenweise ab Werk geschmiert...
 
Die Frage ist: Warum blüht es dort? Batterie von Anfang an defekt?
Hallo Hans,

das kann ich auch nicht sagen, schon garnicht aus der Entfernung.

Das Verwenden von Polfett verhindert auf jeden Fall, daß durch Oxidationsprodukte der Übergangswiderstand an den Verbindungstellen ansteigt. Egal ob das jetzt die beim Auto in der Mehrheit üblichen runden Polköpfe (Kegelstümpfe) oder flache Zungen wie bei der Kung Long sind. Die Vaseline verhindert zuverlässig den Zutritt von Säuredämpfen und von Sauerstoff, wenn fachgerecht angewendet.

Wir hatten ja gestern sehr ausführlich über die verschiedenen Fehlermöglichkeiten gesprochen und ich hatte Dir ja auch den krassesten Fall aus meinem Erfahrungsbereich geschildert. Mir liegen ja auch die Meßergebnisse von Alfred vor, die mich in meiner Ansicht unterstützen, zumindest die Polköpfe und Polverbinder mit Vaseline zu fetten. Nebenbei bemerkt ist Alfred vom Fach, nämlich Elektroingenieur mit Jahrzehnte langer Berufserfahrung. Das Messen war nicht trivial, da die Übergangswiderstände bei der geschraubten Verbindung sich im bereich von 10 µOhm und darunter befunden haben.

Habe einen guten Bekannten, der hier an der HS im Hochspannungslabor als Elektroingenieur arbeitet. Die wickeln ab und zu auch Aufträge für die Industrie ab, bei denen nicht mit hoher Spannung sondern mit hohen Strömen gearbeitet wird. Ich werde den Kollgen auf jeden Fall mal kontaktieren. Vielleicht ergibt sich ja dort einen Möglichkeit mit hohen Strömen zu messen, wie sie z.B. beim Anlassen der BMW gezogen werden.
 
Interessante Frage, ja nun vor ewiger Zeit, an unser Tankstellen, kam das regelmäßig vor.
Dicke Fette Klumpen, oft an beiden Polen, zu erst mal so abgepuhlt und dann mit heißem Wasser nach gespült..

Damals konnte man noch danach ungeniert, die Pole abschrauben und reinigen. Es gab für Pole eine Art Hand-Schälmesser in rund und für die Klemmen eine konische Hand-Reibahle.
Die heute noch als" Knochen" gibt.

Gediegener war Batteriepolbürste.
Jedenfalls waren auch Klemmen bzw. Kabelenden angefressen/ richtig dünn geworden. Wie auch Halter und oder Rahmen.

Nach der penibelen Reinigung wurde, das von Bosch, empfohlene Fett, in einer dünnen "Wurst" nur um den unteren Teil der Pole, also direkt am Gehäuse gelegt. Die neue, oder gereinigte Klemme , war dann trocken mit dem Pol verbunden, drücke aber die Wurst an den Gehäuse Kragen.

Oder es wurde später, vor der Montage, ein Kunststoffring in Rot und Schwarz, manchmal blau verwendet, was den Fettkragen etwas großzügiger machte und konisch zum Pol ansteigen ließ.
Danach folgte, von oben, immer eine dünne Schicht Fett auf Pole, Klemmen und Schrauben.

Puh, lange Beschreibung, natürlich , damals, überwiegend Blei/ Säure , oft war danach lange Zeit Ruhe und keineswegs die Batterie defekt.

Insbesondere wenn man die Verschraubung/ Umfeld, der Masseleitung an der Karosserie mit einbezogen hat.

Man könnte auch das technische Vaseline verwenden, das bietet den gleichen Wasser- Luftdichten Korrosionsschutz, ( nur ), gegen Oxidation.

Leitend, ( Leitfett), das Fett ist dann mit Zusätzen, etwa Aluminium - Kupferpulver versetzt. Senkt den Übergangswiderstand, wird dann oft versprochen.

Es wird ja viel angeboten, an Mittelchen, in dieser Richtung, interessant ist z.B. die Wago Alu - Plus Kontaktpaste, habe aber keine Erfahrung damit.

Bis jetzt wurde ich von Oxidation und Co. verschont, eine dünne Schicht auf den Klemmen/ Verschraubungen hat gereicht.
Beste Grüße Beem. :-)
 
Es braucht für solche versauten Verbindungen übrigens weder einen Akku noch hohe Ströme. Telefonverteilern kann man ähnliches auch oft sehen, da reicht die Luftfeuchtigkeit.

Gruß
Willy
 
Vielleicht ist auch der technische Fortschritt bei den Ausblühungen zu berücksichtigen. Vor geraumer Zeit wurde die seinerzeit gängige Säurebatterie beim Nachladen gerne mit Ladegeräten versorgt, welche ihre Spannung hemmungslos in die Batterie gepumpt haben. Sprich, man hat nach der Nacht geschaut, ob es in der Batterie schon kocht. Wenn nicht, dann wurde munter weitergeladen. Nicht ohne Grund hatte die Säurebatterie eine Entlüftung. Auch die Regler im Fahrzeug agierten, wie bei unseren Kühen auch, als Festspannungsversorger. Stichwort Behördenregler.

In der heutigen Zeit, auch ohne Säurebatterien, haben intelligente Ladegeräte bzw. Batteriemanagementsysteme das Laden übernommen. Diese versuchen, eben diesen Kochvorgang, also das Überladen der Batterie, zu vermeiden. Als Folge davon kann eine Undichtigkeit zwischen dem Innenleben der Batterie und dem Pol zwar noch durch Alterung des Gehäuses bzw. der Dichtung auftreten, oder auch durch mechanische Überlastung, aber nicht mehr durch die Unruhe im Inneren der Batterie, die beim Überladen stattgefunden hat.

So zumindest meine Gedanken.

Gruß Bernhard
 
@Wolfram:
Für die Strommessung reicht ein normales Oszilloskop.
Ein befreundeter Elektroingenieur hat damit an meinem Mopped, keine BMW, ein Anlassstrom von 289A für 20ms gemessen, danach ist er deutlich gesunken.
Da fließt schon ordentlich Saft durch die Leitungen.
 
Kannst du das hier mal einstellen? ...
Ich schreib Dir eine Nachricht.

Und noch eine Idee: Du mißt doch auch gerne. Wie wäre es, wenn Du selbst einmal versuchst, diese Übergangswiderstände zu bestimmen? Einmal ohne und einmal mit Polschutzfett. Dann hätten wir eine zweite Meinung bzw. einen zweiten Satz Meßergebnisse.
 
Hai,

ich benutze seit einigen Jahren das "Wetprotect"-Spray. Hatte mal auf einem Stand von denen vor Jahren auf der Intermot eine Demonstration gesehen, die mich verblüfft hat. Seit der Zeit habe ich das Zeug immer im Haus und es funktioniert!
 
Und noch eine Idee: Du mißt doch auch gerne. Wie wäre es, wenn Du selbst einmal versuchst, diese Übergangswiderstände zu bestimmen? Einmal ohne und einmal mit Polschutzfett. Dann hätten wir eine zweite Meinung bzw. einen zweiten Satz Meßergebnisse.
Ich bin auf die Werte gespannt.

Käme ich auf ein besseres Ergebnis, so würde ich das eingesetzte Fett sehr kritisch betrachten, denn dann hätte es einen leitenden Charakter.

Weist du, ob das Fett vor oder nach der Kontaktherstellung aufgetragen wurde?

Hans
 
Dachte die Gel braucht das nicht. Die 12 er GS wird selten gefahren und läuft trotzdem. Seit der Anlasser bei Detlev war noch besser.
Hallo Martin,
kannst du mir einen Gefallen machen? Kannst du uns/mir Bescheid geben, wenn die Batterie den Geist aufgibt? Noch was, weil selten gefahren: Hängt da ab und an ein Ladegerät dran?

Hans
 
Hallo Martin,
kannst du mir einen Gefallen machen? Kannst du uns/mir Bescheid geben, wenn die Batterie den Geist aufgibt? Noch was, weil selten gefahren: Hängt da ab und an ein Ladegerät dran?

Hans
Möchte sie verkaufen, da sie fast nur noch rumsteht. Billig hergeben tu ich sie nicht, da ich sie nach meinen Wünschen umgebaut habe.
Laden tu ich sie bei Bedarf. Meistens im Frühjahr vor der ersten Fahrt. Dann bis das Cetek fertig meldet.
BMW schreibt:
Bei Fahrpausen von mehr als 4 Wochen Batterie vom Fahrzeug trennen oder ein Ladeerhaltungsgerät an die Batterie anschließen.

Habe sie schon über den Winter abgeklemmt oder drangelassen. Merke keinen Unterschied. Manche sagen nach 6 Wochen ist Ende.
 
Beim Auto ist so ein Schutzwachs an den Batteriepolen drüber. Hab gedacht, das sei von der Motorkonservierung. Nach dem Batterietausch war das wieder drauf. Hat die Werkstatt also aufgebracht. Den Sinn habe ich nicht hinterfragt, nur festgestellt.
 
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