R65 Typ 248: Metallisches Klacken im Schiebebetrieb

J03rn

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28. Juli 2025
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Hallo zusammen,
nachdem ich eben meinen Thread zum Leerlaufproblem gestartet habe, muss ich leider direkt ein zweites Thema eröffnen. Es geht um mein 5-Gang-Getriebe bzw. den Bereich der Kupplung/Ausrückmechanismus.

Die Vorgeschichte:
Ich habe die R65 (Typ 248, Bj. 1981, ca. 35 tkm) im letzten Herbst aus Rentnerhand gekauft. Das Motorrad stand extrem lange und wurde in den letzten 20 Jahren nur ca. 200 km pro Jahr zum TÜV bewegt. Beim großen Service nach dem Kauf habe ich das Getriebeöl abgelassen: Es hatte die typische milchige Cappuccino-Farbe (starke Wasseremulsion). Wie lange das Wasser/die Emulsion im Getriebe stand, weiß ich leider nicht. Die Tachowellen-Tülle war rissig und wurde von mir bereits erneuert und mit Fett und Kabelbinder gegen Wasser gesichert. Befüllt wurde das Getriebe mit 1.000 ml 85W-140 GL5. Es war kein nennenswerter Metallabrieb am Magneten zu finden, lediglich minimaler feiner schwarzer Schlamm.

Das Problem bei der Testfahrt:
Seit dem Kauf und dem ersten Ölwechsel bin ich mit dem Motorrad insgesamt knapp 1.100 Kilometer gefahren. Heute habe ich zur Vergaserabstimmung insgesamt rund 300 Kilometer am Stück abgespult. Da ich den Motor heute heiß fahren wollte, habe ich die Gänge schön ausgefahren. Auf den letzten Kilometern fiel mir bei Bergabfahrten im reinen Schiebebetrieb ein periodisches, metallisch klackendes Geräusch auf. Es lässt sich während der Fahrt extrem schwer lokalisieren. Es tritt für ein paar Sekunden auf, verschwindet wieder und kommt dann wieder. Unter Last (beim Beschleunigen oder Halten der Geschwindigkeit) ist nichts zu hören.

Diagnose auf dem Hauptständer (inkl. Video):
Zuhause habe ich die Maschine auf den Hauptständer gestellt, den Motor ausgeschaltet und das Hinterrad von Hand gleichmäßig durchgedreht:
  • Getriebe in Neutralstellung (kein Gang eingelegt): HAG, Kardan und Getriebe drehen unauffällig. Keinerlei Fremdgeräusche oder spürbares, mechanisches Spiel.
  • Mit eingelegtem 1. Gang: Hier ist beim Hin- und Herdrehen des Rades ein sehr deutliches, hartes Klacken zu hören. Mir ist bewusst, dass ein gewisses Grund-Klacken im Antriebsstrang (Zahnflankenspiel/Ruckdämpfer) normal ist, wenn man den Motor über das Hinterrad gegen die Kompression dreht. Aber dieses Geräusch ist definitiv lauter als gewohnt und klingt ungesund metallisch. Ich kenne das "normale Geräusch" wenn ich den Motor mittels Hinterrad in OT drehen will.
  • Gezogene Kupplung (weiterhin mit eingelegtem 1. Gang): Wenn ich beim Drehen des Rades die Kupplung ziehe, verändert sich das Klacken minimal in der Frequenz/Klangfarbe, bleibt aber im Kern als hartes Klacken bestehen. Das Geräusch kommt aus dem Bereich des Getriebegehäuses oder der Kupplung.
Hier ist das Video, auf dem man das Klacken beim manuellen Drehen im Gang gut hören kann:

Video (35 Sekunden)

Kupplungszug ist neu, das Lager des Ausrückhebels hinten am Getriebe wurde von mir gereinigt und frisch gefettet. Am Getriebe selbst habe ich ein Schauglas montiert und den Schaltwellen-Simmerring gewechselt, da dieser leicht feucht war.

Eigentlich wollte ich in den nächsten Tagen mein Standgas richtig abstimmen (siehe mein anderer Thread). Das wird aber vermutlich nicht klappen, da ich dazu das Motorrad ja jedes Mal wieder richtig heißfahren müsste. Das möchte ich jetzt jedoch zwingend vermeiden, um keinen weiteren, kapitalen Schaden am Getriebe zu riskieren.

Was meint ihr zu dem Geräusch im Video und dem periodischen Klacken im Schiebebetrieb? Kündigt sich hier ein Getriebeschaden an? Nächste Woche habe ich Urlaub und könnte das Getriebe zumindest ausbauen, um der Ursache besser auf den Grund zu gehen.

Viele Grüße und danke für eure Unterstützung!
 
Wenn man von Anschlag zu Anschlag dreht, klackt es...das ist meines Erachtens ziemlich normal. Wie fühlt und hört es sich denn an, wenn du das Rad mal sehr langsam und vorsichtig und dann mal mit etwas Anschwung drehst? Langsam soll es absolut teigig, ohne Schwergängigkeiten gehen...Mal bei warm/kalt probieren, obs Unterschiede gibt. Ich behaupte, du riskierst auch beim Fahren keine "kapitalen" Schäden, eventuell liegt ein Lagerschaden vor (durch Cappuccino-Korrosion).

Grüße, Hendrik
 
Hallo, vielen Dank für die Rückmeldungen. Das beruhigt mich schon einmal.

Das Geräusch an sich ist schwer zu beschreiben, weil man es beim Fahren durch den Helm nicht richtig lokalisieren konnte.

Es ist ein „Klacken/Schaben/Schleifen“-Geräusch. Mir ist klar das dies natürlich unterschiedliche Arten von Geräuschen sind, aber als eine Mischung davon würde ich es beschreiben. Das von mir gefilmte Klacken im Getriebe kommt dem noch am nächsten.

Erst hatte ich gedacht, dass der Haupt- oder Seitenständer beim Überfahren von Straßenunebenheiten bergab von unten an den Auspuff schlägt, aber hier sind alle Federn stramm und halten die Ständer nach oben.

Dann hatte ich vermutet, dass sich irgendwie ein Steinchen vorne an der Scheibenbremse verklemmt hatte.
Oder das hinten in der Trommelbremse der Belag abgefallen wäre oder sich darin bewegt.

Wie fühlt und hört es sich denn an, wenn du das Rad mal sehr langsam und vorsichtig und dann mal mit etwas Anschwung drehst? Langsam soll es absolut teigig, ohne Schwergängigkeiten gehen...Mal bei warm/kalt probieren, obs Unterschiede gibt. Ich behaupte, du riskierst auch beim Fahren keine "kapitalen" Schäden, eventuell liegt ein Lagerschaden vor (durch Cappuccino-Korrosion).

Grüße, Hendrik

Wenn ich keinen Gang eingelegt habe kann ich sowohl nach vorne als auch nach hinten das Rad leichtgängig drehen. Das HAG dreht sich leicht und auch das Getriebe dreht leicht und „teigig“. Alles ohne komischen Geräusche. Wenn ich das Hinterrad demontiere, dann ich mit etwas mehr Kraft alles genauso von Hand an der Mitnehmerverzahnnung vom HAG durchdrehen. Es ist alles leichtgängig und ich höre wie sich im Getriebe die Zahnräder im Öl drehen. Das erscheint mir eigentlich alles unauffällig.

Trotzdem habe ich beim Rollen bergab immer wieder kurz diese Geräusche. Mir ist klar, dass bei einer alten BMW mechanische Geräusche dazu gehören, aber diese Geräusche waren vorher nicht und hören sich für mich irgendwie „ungesund“ an.

Kann es sein dass sich im Bereich der Kupplung irgendwas gelöst hat und sich ab und zu verklemmt? Wobei es merkwürdig wäre das es dann nur im Schiebebetrieb bergab auffällt. Wenn das Geräusch aufgetreten ist hat es sich jedoch nicht verändert, wenn ich die Kupplung gezogen oder losgelassen habe.

Viele Grüße
Jörn
 
Ich hatte mich auf die Geräusche im Video bezogen - im Schiebebetrieb bergab sollte natürlich nichts klackern.

LG
Rainer
 
Ist halt die Frage...wenn du auf absolute Sicherheit stehst, Getriebe raus und neu lagern..ist halt etwas Action und auch etwas Kohle. Ich glaube. ich würde erstmal weiterfahren, vielleicht mit dem Getriebe keine längere Reise mehr planen aber schauen, wie es sich entwickelt. Zum Saisonende nochmal nen Ölwechsel, vielleicht kannst du dann aus den Rückständen am Magneten etwas orakeln und über Winter aktiv werden.

Viele Grüße, Hendrik
 
Vielen Dank für die Rückmeldungen!

Ich bin ein bisschen hin- und hergerissen. Aktuell kämpfe ich noch mit der Abstimmung meiner Vergaser und muss dazu die Maschine ja zwingend warmfahren. Auf der anderen Seite möchte ich mir natürlich mein Getriebe auch nicht beschädigen. Der Ausbau des Getriebes würde das Ende meiner Motorrad-Saison für dieses Jahr bedeuten.

Eine längere Reise habe ich mit dem Motorrad in diesem Jahr nicht mehr vor. Ich will mir aber auch keinen Lagersitz ausschlagen oder irgendwas im Getriebe blockieren.

Da ich heute noch einmal die Einstellung der Vergaser angehen möchte, werde ich eine vorsichtige Testfahrt wagen und dabei versuchen, das Geräusch und die Situationen, in denen es auftritt, besser eingrenzen zu können.

Viele Grüße
Jörn
 
Könnte vielleicht auch mit deinem Standgasproblem zusammenhängen, wenn im Schiebebetrieb die Drehzahl zwischen 2.000 und 1.000 Umdrehungen schwangt, wäre es eher ein Ruckeln und könnte das Klackern im Zahnflankenspiel erzeugen - ist aber nur eine weithergeholte These

Ich würde es auch erstmal nur weiter beobachten und mich auf das Standgasproblem konzentrieren...

LG
Rainer
 
Zuletzt bearbeitet:
....Aktuell kämpfe ich noch mit der Abstimmung meiner Vergaser und muss dazu die Maschine ja zwingend warmfahren. Auf der anderen Seite möchte ich mir natürlich mein Getriebe auch nicht beschädigen.
Wozu dann die Vergaser abstimmen? Wenn du dem Getriebe so wenig traust, wirst du eh nicht damit fahren. Ich hätte nachdem was im Video zu hören war keine ernsten Sorgen.
 
Moin Jörn.
Ich bin jetzt mit dem Typ 248 nicht so per DU, hat die R 65 einen Ruckdämpfer ?
Dann wäre nach dem Video das mein Verdächtiger.
Sonst mal den Fachmann fragen (Elefantentreiber hier im Forum).
 
Hallo zusammen,

ich bin heute vorsichtig gefahren und ehrlich gesagt ziemlich verwundert: Auf den gesamten knapp 50 Kilometern habe ich heute absolut kein ungesundes Geräusch mehr gehört.

Ich bin extra mehrfach die exakt gleichen Passagen bergab im reinen Schiebebetrieb gerollt (bzw. habe Lastwechsel mit dem Gasgriff und beiden Bremsen provoziert) auf denen mir gestern das metallische Schaben, Klacken und Vibrieren so aufgefallen war. Heute war dort einfach gar nichts zu hören – der Antriebsstrang lief unauffällig.

Gestern bin ich über 300 Kilometer gefahren, heute waren es zum Vergasereinstellen knapp 50 Kilometer. Eventuell hängt das Phänomen mit der Wärme im Getriebe oder dem gesamten Antriebsstrang zusammen. Heute dürfte diese deutlich niedriger als gestern gewesen sein.

Da heute alles ruhig war, werde ich das Getriebe erst einmal nicht ausbauen. Ich wähle jetzt die von euch vorgeschlagene, pragmatische Route: Ich werde das Motorrad im Auge behalten, vorsichtig weiterfahren und penibel auf aufkommende Geräusche bei längeren Fahrten achten. Priorität hat jetzt erst einmal das Feintuning der Zündung und Vergaser (siehe mein anderer Thread). Zum Saisonende fließt das Öl dann noch mal runter und der Magnet wird genau inspiziert.

Moin Jörn.
Ich bin jetzt mit dem Typ 248 nicht so per DU, hat die R 65 einen Ruckdämpfer ?
Dann wäre nach dem Video das mein Verdächtiger.
Sonst mal den Fachmann fragen (Elefantentreiber hier im Forum).

Ich meine im Heusler-Buch gelesen zu haben, dass sowohl im Getriebe als auch im Kardan jeweils ein Ruckdämpfer verbaut ist. Dieser besteht jeweils aus zwei halbrunden Metalrampen, welche mit einer Feder aufeinander gepresst werden.

Nochmals vielen Dank für die schnellen und beruhigenden Einschätzungen hier im Thread!

Viele Grüße
Jörn
 
... Ich bin jetzt mit dem Typ 248 nicht so per DU, hat die R 65 einen Ruckdämpfer ? ...

Eine 81er 248 - wie die des TE - ist ab Kupplungsträger (Schwungscheibe) bis einschließlich HAG bis auf die kürzer Schwinge incl. Gelenkwelle baugleich mit den 247ern aus derselben Periode. Sprich. Sie hat 2 also sowohl den getriebeinternen als auch den in die Gelenkwelle integrierten Ruckdämpfer.
 
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