Hallo,
vielen Dank für die Rückmeldung.
Leider habe ich keinen CO-Tester zur Verfügung und habe daher versucht heute systematisch an die Abstimmung ranzugehen. Ich wollte von einem stabilen Leerlauf in der Garage immer nur eine Variable beim Fahren verändern, sodass ich die Auswirkungen besser zuordnen kann.
Ich hatte ursprünglich das Problem, dass der Motor im warmen Zustand nach dem Fahren immer in einem zu hohen Drehzahlbereich (ca. 1800 bis 2000 Umdrehungen) "hängen" geblieben ist. Dieses Problem konnte ich beheben, weil meine Zündung verstellt war. Ich hatte die Impulsschreibe um 5 Grad zu weit nach früh auf dem Lima-Rotor verbaut. Dadurch hatte der Motor im Bereich von unter 1000 Umdrehungen bereits über 10 Grad Frühzündung und hatte sich auf der ab dort steil ansteigenden Rampe gefangen.
Jetzt hatte ich das Problem, dass der Motor beim Ziehen der Kupplung nach einer Schiebebetriebsphase häufig ausgegangen ist, obwohl er im Standgas in der Garage eigentlich ruhig und stabil lief. Ziel war daher, nicht nur einen „schönen“ Leerlauf im Stand einzustellen, sondern vor allem ein stabiles Verhalten im Fahrbetrieb zu erreichen.
Mein Vorgehen und Beobachtungen
Zu Beginn lag ich im Bereich von etwa 1 Umdrehung offen bei einer Leerlaufdrehzahl von 950 Umdrehungen. Die Drosselklappen habe ich dort mit dem Twinmax synchron eingestellt. Mit dieser Einstellung lief der Motor im Stand zwar ruhig, im Fahrbetrieb zeigte sich jedoch, dass er beim Kuppeln nach dem Schiebebetrieb häufig ausgegangen ist. Die Drehzahl fiel auf ca. 700 Umdrehungen und der Motor ging dann aus. Besonders auffällig war, dass das Problem stärker wurde, je länger ich vor dem Auskuppeln im Schiebebetrieb war. Zusätzlich zeigte sich nach der Fahrt ein leicht erhöhtes und sägendes Standgas, wenn der Motor nicht ausgegangen war und sich wieder gefangen hatte.
Daraufhin habe ich das Gemisch magerer gestellt. In einem Bereich um etwa 0,75 Umdrehungen wurde das Problem deutlich schlimmer: Der Motor starb beim Kuppeln sehr abrupt ab. Das deutet aus meiner Sicht eher auf ein zu mageres Gemisch im Übergang hin, bei dem die Verbrennung im Moment des Lastwechsels einfach "abreißt".
Anschließend habe ich mich wieder leicht in Richtung fetter bewegt und bin im Bereich um 0,80 gelandet. Hier wurde das Verhalten besser: Der Motor blieb beim Kuppeln meist an, zeigte aber noch leichte Unruhe im Leerlauf.
Gehe ich einen Hauch weiter in Richtung fett (z. B. um 0,85), verschwindet das Absterben zwar vollständig, dafür beginnt die Drehzahl beim Abtouren zwischen etwa 2000 und 1500 U/min kurz „hängen zu bleiben“. Das könnte dafür sprechen, dass das Gemisch im Übergang dann leicht zu fett ist und die Drehzahl nicht mehr sauber abfällt.
Durch kleine hauchdünne Korrekturen bin ich schließlich bei einer Einstellung von etwa 0,82 links und 0,82 rechts gelandet. In dieser Einstellung blieb der Motor beim Kuppeln überwiegend an, das Hängen beim Abtouren war nur noch minimal vorhanden und der Leerlauf bei ca. 1050 Umdrehungen meist stabil.
Einfluss der Drosselklappenstellung
Danach habe ich auch mit der Standgaseinstellung über die Drosselklappenanschläge experimentiert.
Wenn ich das Standgas in Richtung 900 U/min abgesenkt habe (Drosselklappen weiter geschlossen), lief der Motor im Stand zwar ruhiger, ist aber beim Kuppeln deutlich häufiger ausgegangen. Er fiel dann unter die Leerlaufdrehzahl und starb ab.
Erhöhe ich das Standgas dagegen wieder in den Bereich um etwa 1050 U/min, wird das Verhalten im Fahrbetrieb deutlich stabiler. Der Motor fängt sich beim Kuppeln besser, auch wenn die Drehzahl ab und zu kurz unter das Standgas fällt. Für mich sieht es so aus, dass der Motor in diesem etwas höheren Drehzahlbereich einfach mehr „Reserve“ im System hat und das Gemisch im kritischen Moment stabiler bleibt. Der abschließende Test mit dem Twinmax ergab, das der Motor weiterhin synchron lief.
Meine laienhafte Interpretation
Aus den Versuchen und dem intensiven Einlesen in die Thematik ergibt sich für mich folgendes Bild:
Im Schiebebetrieb liegt ein hoher Unterdruck an, wodurch sowohl das Leerlaufsystem als auch die Übergangsbohrungen stark beeinflusst werden. Beim Ziehen der Kupplung fällt die Drehzahl sehr schnell ab, und genau in diesem Moment muss das Gemisch passen, damit der Motor nicht ausgeht.
Ist es zu mager, reißt die Verbrennung ab und der Motor geht aus. Ist es zu fett, fällt die Drehzahl zwar nicht ab, sondern bleibt eher „hängen“. Der optimale Bereich liegt irgendwo dazwischen, leicht auf der fetteren Seite, sodass genügend Stabilität vorhanden ist.
Zusätzlich dürfte die Stellung der Drosselklappe eine große Rolle spielen, weil sie den Unterdruck und damit die Wirksamkeit des Leerlaufsystems direkt beeinflusst.
Eine zentrale Erkenntnis war für mich, dass ein perfekt im Stand in der Garage eingestellter Leerlauf nicht automatisch optimal für den Fahrbetrieb ist. Die dynamischen Verhältnisse beim Fahren – insbesondere beim Übergang vom Schiebebetrieb zum Kuppeln – müssen bei der Abstimmung berücksichtigt werden. Mein Augenmerk hat sich daher auf das Verhalten im Fahrbetrieb und nicht auf einen „perfekten“ Leerlauf im Stand verschoben. Mir ist klar, dass ich mich hier sehr stark auf einen spezifischen Betriebszustand des Motors fokussiere, aber mir ist wichtig, dass der Motor beim Abbiegen oder Heranrollen an ein Hindernis beim Kuppeln nicht ausgeht. Ansonsten bin ich mit den Vergasern sehr zufrieden, da die Maschine aus allen Drehzahlbereichen kräftig bis zum Drehzahlmaxium durchzieht.
Ich werde morgen erneut Testfahrten durchführen und erneut gezielt das Kuppeln im Bereich zwischen etwa 2000 und 3000 U/min testen. Die Drosselklappenstellung lasse ich dabei unverändert und werde ausschließlich noch minimal über die Gemischschrauben feinjustieren, um das Optimum zwischen „nicht ausgehen“ und „sauber abtouren“ zu finden.
Für mich war heute erstaunlich, welche deutlichen Auswirkungen bereits 1/8tel Umdrehungen der Gemisch- oder Drosselklappenanschlagsschraube verursachen. Das habe ich in dieser empfindlichen Form nicht erwartet.
Da ich die Vergaser aber immer noch nicht "perfekt" eingestellt habe, würde ich mich über Einschätzungen und Erfahrungen sehr freuen.
Viele Grüße
Jörn