Rettung eines S-Cockpits

daishi

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19. Juni 2018
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Offenburg
Hallo zusammen,
ich habe hier ein verrammeltes S-Cockpit, dem ich zu alten neuen Glanz verhelfen möchte. Es soll an einer meiner /5 montiert werden, um dort die Note des "Classic Caferacers" ein wenig zu unterstützen :gfreu: Letztendlich ist auch schlicht Winter und mir ist langweilig..

Das Cockpit an div. Löcher, Risse und beide Laschen für die Halterungen sind abgerissen. Der Plan ist, mit übertriebenen "technischen Aufwand" diese Halterungen wieder herzustellen. Ich werde hier mit Photogrammetrie, CAD und 3D Druck versuchen die fehlenden Teile zu modellieren und wieder anzubringen, um am Ende das Teil sogar noch zu lackieren. Ziel ist es, meine Erkenntnisse und Erfahrungen hier zu Schritt für Schritt zu dokumentieren und hoffentlich erfolgreich abzuschließen.

Vorweg - ich mache das alles zum ersten Mal. Ich habe zwar aus beruflichen Gründen viel Ahnung von 3D und Computern - aber nicht sehr viel von CAD, 3D drucken und vor allem nicht lackieren. Das wird lustig :yeah:

Der 1. Schritt - schleifen, spachteln und nochmal schleifen. Das bisherige Ergebnis:
schleifen_spachteln_01.jpgschleifen_spachteln_02.jpgschleifen_spachteln_03.jpgschleifen_spachteln_04.jpg

Ich habe die Reste der Halterungen komplett entfernt, um Platz für die neuen zu haben. Ansonsten sind alle Löcher und Risse mit Glasfaser-Spachtel zugemacht. Weil die Löcher für das Windschild alle ausgerissen und "vernuddelt" waren, habe ich auch diese mal komplett zugemacht - ich hoffe, ich bekomme die wieder ausrissfrei nachgebohrt.

Der nächste Schritt: vom Cockpit mit Hilfe von Photogrammetrie ein 3D Modell als Referenz erstellen!

Schöne Grüße!
Simon
 
Wow! das sieht nach einer Menge Arbeit aus! Mir persönlich wäre das zuviel des Guten, ich hätte da die Variante mit der Suche nach einer passablen Grundlage im Internet gewählt. Zumal ich auch nicht der Lackgott bin, das Teil also für die Vorbereitung und die Läufer- und Orangenhautfreie Endlackierung eh zum Lackierer meines Vertrauens wandern würde. Habe ich auch schon mal so gemacht. Die Basis hat mich 90 Euro gekostet und das Lackieren mit allem Drum und Dran noch einmal irgendwas knapp unter 180,- Euro. Mitunter bekommt man dafür schon eine richtig gute Verkleidung, vielleicht sogar in den Fahrzeugfarben. Aber lass dir von mir dein Winterprojekt nicht vermiesen, ich habe für meine freie Winterzeit noch eine R60/7 die auf das finale Komplettieren wartet. :cool: Viel Spaß und Erfolg und einen angenehmen Jahreswechsel.
 
So, der nächste Schritt ist auch eben im Büro genommen worden. Nach Wechsel ins Büro und mit der Hilfe der Software "RealityScan" von Epic und ca. 180 Einzelbilder habe ich so semi-erfolgreich ein 3D Model des Cockpits erstellt.

RealityScan_Vorlage.jpgRealityScan_Ergebnis.png

Wer will, kann sich das 3D Modell auch mal hier anschauen: S-Cockpit - Download Free 3D model by daishi-og

Außen hatte der Mesher Probleme aus den Schatten heraus die Punkte zu finden. Daher ist das Modell außen sehr schlecht. Mit geht es aber auch vielmehr um die innenliegenden Flächen, denn die brauche ich als Referenz für CAD.

Nächster Schritt: Modellieren in CAD :D
 
Guten Morgen!
Ich habe den gestrigen Tag genutzt und mich mit FreeCAD auseinandergesetzt. Das Ergebnis davon:

s-cockpit_freecad.png

Das ganze ging dann auch immer mit drucken und der Anprobe am Cockpit einher

drucken_00.jpgdrucken_01.jpg drucken_02.jpg

.. und natürlich mit einigen Fehlversuchen :gfreu: Das größte Problem hatte ich mit dem Scaling. Warum auch immer war das Modell, was ich von RealityScan bekommen habe, in µm Einheiten. Gleichzeitig habe ich dann auch noch zum ersten Mal mit sogenannten Schmelzgewinden meine Versuche gemacht. Diese werden mit einem Lötkolben in das Druckteil eingearbeitet - und man sollte auch wirklich einen Lötkolben verwenden ;) Den ersten Versuch habe ich aufgrund meiner Ungeduld mit einer Lötlampe erhitzt. Der war dann anschließend so heiß, dass er quasi durch das Druckteil durchgewandert ist.

Das bisherige Ergebnis:

drucken_03.jpggewinde_03.jpggewinde_02.jpg

Heute oder morgen geht es dann ans einkleben - da werd' ich dann jetzt nervös ))):

Schöne Grüße!
Simon
 
Guten Abend,
jetzt habe ich mich wieder ein paar Tage vor den endgültigen Schritten gedrückt – doch hat ja alles keinen Wert: Also, Augen zu und durch.

4. Schritt: Kleben
Ich arbeite zum ersten Mal mit UHU Endfest und weil die 2-Kammer-Spritze nur 2 Mischspitzen hat, schlugen wieder meine schwäbischen Gene durch. Der Plan war, die beiden Halterungen in einem Durchgang zu kleben. Was soll denn auch schon großartig passieren? Super Kombination: autodidaktischer Akademiker limitiert sich durch Sparsamkeit :bitte:

Da ich keine Probe-Klebung gemacht habe (Warum auch?) hat es mich völlig überrascht, wie wenig zähflüssig der Kleber ist. Ich ging davon aus, die beiden Halterungen würden von "selbst" an Ort und Stelle bleiben, und da man laut Anleitung auch keinen Druck ausüben soll, war die Ausgangslage perfekt. Wie ein nächtliches Reh auf Wanderung, vom Lichtkegel erfasst, stand ich vor dem Teil und schaute zu, wie die beiden Halterungen agil durch die Gegend rutschten und den Kleber verteilten. Da ich nun mit beiden Händen, beide Halterungen an Ort und Stelle festhalten musste, war ich recht hilflos. Zum Glück war meine Frau anwesend: hinreichend pragmatisch und durch lange Jahre mit meiner Hybris abgehärtet konnte sie mit Klebestreifen aushelfen.:yeah:

kleben_00.jpg kleben_01.jpg

5. Schritt: Grundieren
Nachdem ich nun mit meinen "Erfolgen" beim Kleben hinreichend abgehärtet war, bin ich an das anschließende "schleifen, spachteln und grundieren" dann doch unerwartet unerschrocken ran. Auch das habe ich zum ersten Mal gemacht, und alles in allem war es dann doch recht unspektakulär. Ich bin so weit zufrieden. Okay - vereinzelt ist ein kleiner Verlauf! Aber den darf ich ja noch einmal herausschleifen.

spachteln_grundieren_00.jpg spachteln_grundieren_01.jpg spachteln_grundieren_02.jpg

War auch ein super Test für die geklebten Halterungen. Das Cockpit hängt nämlich nur an den beiden Schrauben!

Gerade drucke ich noch eine Abdeckung für die Scherb S-1 im Hintergrund und dann geht es zeitnah ans Lackieren. Die nächste Nemesis wartet..

Schöne Grüße,
Simon
 
Zuletzt bearbeitet:
Uhu Endfest hat keine hohe Anfangsfestigkeit. Im Gegenteil mit Wärme wird es sehr dünnflüssig und verläuft sehr gut. Also für andere Klebungen besser geeignet.
 
Moin,

mit der Hilfe der Software "RealityScan" von Epic und ca. 180 Einzelbilder habe ich so semi-erfolgreich ein 3D Model des Cockpits erstellt.

Für bessere Ergebnisse bei Reality Scan,
kann es helfen dem Objekt etwas mehr Textur zu verschaffen.

Das geht sehr gut mit Kreidespray.
Lässt sich danach auch sehr einfach abspülen.

Die Ergebnisse die ich seinerzeit hatte, waren auf den /10 Millimeter genau
und das alles mit einer einfachen Handykamera.
 
Ich hoffe du druckst das nicht in PLA, sonnst musst du mit dem Moped immer im Schatten bleiben und Sonne und Wärme meiden…
Guter Punkt! Für die Halterungen im Cockpit habe ich PLA+ verwendet – das hatte bessere Witterungsbeständigkeiten als PLA und da die beiden Teile hinter dem Cockpit recht gut geschützt sind, drücke ich mir da gerade noch die Daumen. Vielleicht hätte ich auch besser ASA oder PETG verwendet, aber da es mir bei allen dreien an "echten" Langzeiterfahrungen fehlt und ich nur PLA+ hatte, bin ich beim PLA+ geblieben. Ich hoffe, meine Ungeduld rächt sich nicht..

Wobei ich die Abdeckung für die Scherb S1 wohl extra ASA Material kaufen werde, denn das Teil ist recht exponiert

Uhu Endfest hat keine hohe Anfangsfestigkeit. Im Gegenteil mit Wärme wird es sehr dünnflüssig und verläuft sehr gut. Also für andere Klebungen besser geeignet.
Ja, das ist mir nun auch klar geworden. Kommt auf die Liste "Erfahrungswerte" .

Für bessere Ergebnisse bei Reality Scan, kann es helfen dem Objekt etwas mehr Textur zu verschaffen.
Das geht sehr gut mit Kreidespray. Lässt sich danach auch sehr einfach abspülen.
Die Ergebnisse die ich seinerzeit hatte, waren auf den /10 Millimeter genau und das alles mit einer einfachen Handykamera.
Ich hatte den Eindruck, dass es mit der angeschliffenen Oberfläche, den roten, blauen und grauen Flächen super funktioniert hat. Nur für die Außenhaut hatte ich drumherum eindeutig zu wenig Licht, sodass er im Schatten keine Punkte für die Wiedererkennung gefunden hat. Ich glaube, das nächste Mal setze ich das Teil in eine Fotobox und auf einen Drehteller und fotografiere von außen rein.

Den Punkt mit dem Kreidespray verstehe ich aber nicht – welchen Zweck hätte das Kreidespray?

Edit: stelle gerade fest das mein Drucker gar kein ASA verarbeiten kann. Wird dann wohl doch PETG.
 
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Uhu Endfest hat keine hohe Anfangsfestigkeit. Im Gegenteil mit Wärme wird es sehr dünnflüssig und verläuft sehr gut. Also für andere Klebungen besser geeignet.
Wie fast jeder epoxybasierte Zweikomponentenkleber. Mit Wärme beschleunigt man auch erheblich die Reaktion, so dass die Topfzeit deutlich verkürzt wird. Bei uhu endfest dann unter einer Stunde. 5 minuten-epoxy mit Wärme ist fast schon Sekundenkleber :D Das kann man dann auch ausreichend lange festhalten.

Während der Topfzeit kann die Mischdüse problemlos weiter verwendet werden. Also in Ruhe eine Klebung nach der Anderen machen und jede ordentlich fixieren.
 
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