Seltsames Unterdruckverhalten bei der Vergasersychronisation

therapeut

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18. Mai 2010
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Lüneburger Heide
Hallo,
meine R65 (EZ 92, 47600 km, 20 kw) irriti?(ert mich beim Versuch der Synchronisation der Vergaser:

Problembeschreibung. Einstellversuche wie im BMW-Wartungsbuch. Im Standgas bei 900 U/Min. reagieren die Leerlaufluftregulierschauben nicht auf Eindrehen um die Drehzahl zu senken. In der Grundeinstellung, also 3/4 Umdrehung heraus, zeigen beide Unterdruckuhren recht gleichmäßigen Unterdruck an. Damit könnte ich mit leben (beim Gleichdruckvergaser meiner kleinen Einzylinder Suzuki GN-250 belässt man die Leerlaufluftregulierschraube in der Regel in der Grundeinstellung und fährt damit gut.
Doch dann kommt der Gag: Wenn ich jetzt bei der BMW Gas gebe, steigt auf der linken Seite der Unterdruck auf der Messuhr und auf der anderen Seite fällt er massiv! Seitenwechsel der Uhren bringt unveränderte Ergebnisse. Das Spiel beider Gaszüge habe ich auf ca. 1mm eingestellt.
Normal ist das alles nicht, vermute ich mal. Wo setzt man da am besten an?


Rahmenbedingungen: Vergaser sind gesäubert und Düsen müssten eigentlich frei sein. Sprit kommt gut aus Leitungen auf beiden Seiten, Tankinnensiebe sind auch sauber. Luftfilter sauber, Ventilspiel und Zündkerzen i.O. Da die Leerlaufluftregulierschauben einen hilfreichen befreundeten Schrauber schon bei der Einstellung für die AU im Frühjahr irritieren, riet er zum Austausch gegen Neuteile. Das habe ich jetzt gemacht, wohl ohne Verbesserung.
Vielen Dank für Anregungen / Denkanstöße
Freundliche Grüße
Gerd
 
Bei der Synchronisation lässt du die Gemischschrauben (auf Grundeinstellung 3/4 auf) erst mal in Ruhe.
Das Synchronisieren geschieht im Leerlauf durch Regulieren der Drosselklappenanschlagschrauben und bei erhöhter Drehzahl durch Anpassen der Gaszugeinsteller.
Wenn das dann alles passt, kannst du durch vorsichtiges Variieren der Gemischschrauben den Rundlauf optimieren.
Im nächsten Schritt ist dann die Synchronisation wie oben beschrieben zu wiederholen.
 
Moin,

Doch dann kommt der Gag: Wenn ich jetzt bei der BMW Gas gebe, steigt auf der linken Seite der Unterdruck auf der Messuhr und auf der anderen Seite fällt er massiv! (...)
Normal ist das alles nicht, vermute ich mal.

Doch, und zwar bei ungleich ziehenden Bowdenzügen.
Wenn Du willst, leg 3500 auf die Uhr, und du wirst sehen, daß auf beiden Uhren der Unterdruck steigt. Nur eben sehr ungleichmäßig.
 
Moin,



Doch, und zwar bei ungleich ziehenden Bowdenzügen.
Wenn Du willst, leg 3500 auf die Uhr, und du wirst sehen, daß auf beiden Uhren der Unterdruck steigt. Nur eben sehr ungleichmäßig.

Genau das. Bei der Q reicht es nicht wie bei den Vergaserbatterien der Reihenmotoren, die mit einem Zug und Gestänge angesteuert werden, nur an den Anschlagschrauben zu synchronisieren, auch das Zugspiel muss mittels Unterdruckuhren eingestellt werden. Leg leicht Gas an und schau, wo der Druck sinkt. Auf der Seite muss der Einstellnippel ausgedreht werden. Im Idealfall ändert sich der Druck auf beiden Seiten beim Gasgeben gleich.
 
Hallo und ein herzliches Dankeschön für die guten Hinweise.
Dann geh ich mal mit neuer Hoffnung an die Vergaser und berichte.
Freundlicher Gruß
Gerd
 
Hallo,
habe den Abgleich mit den Seilzugeinstellern probiert. Leider ohne Erfolg, wenn ich an dem einen Gaszug separat Gas gebe, fällt der Unterdruck! Bei dem anderen Vergaser steigt dagegen der Unterdruck wenn ich am Zug ziehe.
?(
Das SLS-System ist für diese Geschichte doch ohne Belang, oder?
Vielleicht habe ich nach der Vergaserreinigung irgend etwas falsch zusammengesetzt. Werde nach dem EGT-Wochenende also wohl oder übel noch mal die Vergaser möglichst konzentiert nach Anleitung zusammenbauen und dann erneut die Sychronisation versuchen.
Schön, wenn man nicht nur ein Motorrad im Stall hat.
;)
Freundliche Grüße
Gerd
 
Evtl. ist die Luftdüse oder deren Kanal für den Teillastbereich nicht frei und dadurch wird die Einstellbarkeit der Gem.-schraube eingeschränkt. Auch die Mischkammer könnte verschmutzt sein :-(

Andread
 
Der Unterdruck wird vor der Drosselklappe gemessen.
Motor saugt, bekommt keine Luft, weil DK geschlossen. Also :
Wenn DK geschlossen = Unterdruck groß
Wenn DK offen = Unterdruck gering/weg

Egal wie Düsen, Kanäle usw aussehen, wenn du mittels Gaszug die DK öffnest muss der Unterdruck geringer werden.
Er kann nich steigen.

Ich bin sehr gespannt auf die Auflösung :]
 
Hallo Gerd,

hast du vor deinem Synchronisationsversuch die Grundeinstellung der Drosselklappen vorgenommen?

- Drosselklappenanschlagschrauben herausdrehen bis Drosselklappen zu
- dünne Fühlerlehre (0,10) zwischen Anschlag und Einstellschraube halten
- Schraube reindrehen bis Fühlerlehre saugend bewegt werden kann
- Schrauben auf beiden Seiten gleich ca. 1 Umdrehung hereindrehen
- beide Drosselklappen sind nun gleich weit geöffnet

Nach dieser Grundeinstellung kannst du mit der Synchronisation der Züge loslegen. Vorher macht das keinen Sinn.

Viele Grüße aus Pusan/Korea (zur Zeit sehr heiss)

Werner
 
Hallo Gerd,

ziehst du wirklich nur an einem Seilzug(für einen Vergaser) ?
Dann wäre das Verhalten ja ganz normal.
Oder drehst du doch am Gasgriff?

Grüsse, Gerhard.

PS.: Wenn die Sync stark verstellt ist, wird auch erst ein Vergaser geöffnet, dann schauts auch so aus.
 
Hallo,
hier nun der Fortgang der Geschichte:
Habe in aller Ruhe noch mal die Vergaser zerlegt, gereinigt und sorgfältig zusammengebaut. Die Membranen, Federn etc sind i.O. und saßen richtig. Habe nirgends einen Defekt oder Zusammenbaufehler erkennen können.
Dann, wie im Wartungsbuch beschrieben, die Synchronisation vorgenommen.
Jetzt bewegen sich wieder beide Zeiger auf den Unterdruck - Uhren gleichmäßig bei Drehzahlveränderungen. Toll. Zu gerne hätte ich gewusst, warum das vorher nicht klappte.
Irritierend bleibt: Trotz neuer Lehrlauf-Luft-Einstellschrauben läßt sich durch Eindrehen diese Schrauben nicht die Drehzahl senken (wie im Buch beschrieben). Selbst wenn ganz eingedreht, läuft der Motor im Standgas (natürlich warm und ohne Choke). Kann da ein ein Sitz verschlissen sein? Auf ¾ herausgedreht läuft der Motor.
Aber wie könnte es anders sein: Arbeit zieht Arbeit nach sich: Bei den vermehrten Startversuchen begann der Anlasser zu mucken. Wie vor 12000 km, bzw. 6 Jahren, damals war es einer der geklebten Magneten, der lose war und immer mal wieder klemmte. Da die BMW sehr startwillig ist und der Anlasser nach einigen Versuchen noch etwas dreht, springt der Motor zum Glück noch an.


Resultat: Es wird langsam wirklich Zeit, dass Kapitel Zweiventiler für mich zu schließen, also einzusehen, dass Fahren und Schrauben an diesen tollen Motorräder den Leuten mit mehr Zeit und Geschick zu überlassen.
Vermutlich steigern ein neuer Anlasser für 150 Euro und die Einbauerei den Wert meiner R65 kaum... mehr dazu erscheint dann in der Rubrik „Biete“.

Auf jeden Fall aber ganz herzlichen Dank für die nette Unterstützung bei der einstweiligen Bewältigung der Vergaserprobleme.
Freundliche Grüße aus der Südheide
Gerd
 
Irritierend bleibt: Trotz neuer Lehrlauf-Luft-Einstellschrauben läßt sich durch Eindrehen diese Schrauben nicht die Drehzahl senken (wie im Buch beschrieben).

Wie Andres weiter oben schon schrieb, es ist im Bereich des Wahrscheinlichen, daß die Kanale, welche die Gemischschraube versorgen, zugesetzt sind.

Und die selber zu reinigen ist ohne passende Ausrüstung mehr als bloß eine Strafarbeit, da verschwendest Du nur Zeit.

Bei identischem Symptom hab ich Elfis Vergaser zu Andreas zur Revision geschickt, diese Investition kann ich jedem nur wärmstens empfehlen.

Vorher hatte meine Elfi 8,5 Liter weggeschlürft, danach nur noch 5,9 Liter (im Gespann !!!), Leerlaufdrehzahl ist runter bis 400 Touren sauberst einstellbar.

Nicht ohne Grund ist Andreas unser Vergaser-Papst :D
 
Hallo Gerd,

Du schreibst, dass Du beide Vergaser zerlegt, gereinigt und sorgfältig zusammengebaut hast.

Frage:
Gilt das auch für die beiden Startervergaser?
Könnte es sein, dass beim Zusammenbau der Startervergaser die Starterkörper falsch eingebaut wurden oder dass Teile von links nach rechts wanderten, weil die beiden auseinandergenommenen Vergaser gemeinsam im Reinigungsbad lagen?

Ich frage deshalb, weil mich ein defekt Startervergaser konsequent hinderte Einstellung zu machen. Ich konnte die Leerlaufschraube drehen, wie ich wollte und nichts reagierte auf der entsprechenden Seite.

Viele Grüße Carsten
 
Der Unterdruck wird vor der Drosselklappe gemessen.
Motor saugt, bekommt keine Luft, weil DK geschlossen. Also :
Wenn DK geschlossen = Unterdruck groß
Wenn DK offen = Unterdruck gering/weg

Egal wie Düsen, Kanäle usw aussehen, wenn du mittels Gaszug die DK öffnest muss der Unterdruck geringer werden.
Er kann nich steigen.

Ich bin sehr gespannt auf die Auflösung :]

Natürlich kann der Unterdruck steigen:
Das passiert genau dann wenn der Kolben der Gleichdruckvergaser nicht angehoben wird.
Sei es, dass die Membran defekt ist oder der Kolben schwergängig ist.


mfg GS_man
 
Hallo zusammen,

... ich muss diesen schon etwas älteren Fred nochmal aufgreifen, speziell diesen Beitrag von Carsten:

Ich hatte beim Synchronisieren (78er R100RS) auch ständig das Problem, dass der rechte Vergaser so gut wie nicht auf das Hinein- bzw. Herausdrehen der Gemischschraube reagiert hat, und auch der Unterdruck ließ sich nie auch nur annähernd auf den Wert des rechten Vergaser abgleichen.

Heute habe ich mehr zufällig entdeckt, was das Kernproblem war:
Beim rechten Vergaser war die Welle des Startvergasers um 180° verdreht (d.h. der Körnerpunkt auf dem Wellenende zeigte vom Hebel weg, also "nach vorne")
Ich habe hier schon öfter darüber gelesen, aber nun quasi "am eigenen Leib" erfahren dürfen, welche Auswirkungen so etwas dann haben kann (oder muss?)

Nachdem ich das korrigiert hatte, klappte das Synchronisieren einwandfrei, und die Kuh tut so, wie sie soll :]

Wünsche euch allen noch ein schönes Wochenende!

Gruß Peter



Hallo Gerd,

Du schreibst, dass Du beide Vergaser zerlegt, gereinigt und sorgfältig zusammengebaut hast.

Frage:
Gilt das auch für die beiden Startervergaser?
Könnte es sein, dass beim Zusammenbau der Startervergaser die Starterkörper falsch eingebaut wurden oder dass Teile von links nach rechts wanderten, weil die beiden auseinandergenommenen Vergaser gemeinsam im Reinigungsbad lagen?

Ich frage deshalb, weil mich ein defekt Startervergaser konsequent hinderte Einstellung zu machen. Ich konnte die Leerlaufschraube drehen, wie ich wollte und nichts reagierte auf der entsprechenden Seite.

Viele Grüße Carsten
 
Hallo,
die Startvergaser müssten richtig zusammengebaut sein, hatte die Vergaser hintereinander in Arbeit, also sollte auch aktuell ein Vertauschen von Teilen ausgeschlossen sein. Ich vermute, dass es interne Verstopfungen sind, also da, wo ich mit Reinigungsspray und dem Billig-Ultraschallreiniger von Aldi (Schmuckreiniger ;-) ) nicht beikam. Die BMW stand ja etliche Jahre und unabhängig davon könnte sich nach nach 48000km in 21 Jahren da vielleicht schon etwas zugesetzt haben.
Der Motor startet sofort und immer völlig problemlos, wobei ich nicht sagen kann, ob das ein sicherer Ausschlussgrund für falsch zusammengesetzte Startvergaser ist.
?(

Wenn sich für die R65 kein Käufer findet, werde ich wohl einen Profi an die Vergaser lassen. Belasse es einstweilen beidseitig bei der Grundeinstellung der Lerrlaufluftregulierschraube.
Letzten Samstag war ich bei ruhigem Herbstwetter ganz beschaulich 80 km auf kleinen Straßen unterwegs. Alles im Bereich von 1500 bis 5000 Umdrehungen/min. Im Standgas (1000U/min) könnte sie etwas runder laufen, aber so durchaus mit Freude fahrbar.
:]

Freundliche Grüße
Gerd
 
Hallo Gerd,
was meinst du, wie viele BMW`s rumfahren, die schlecht eingestellt, bzw. nicht richtig synchronisiert sind? Und die laufen auch.
Wenn du mit dem Lauf des Motors so zufrieden bist, dann lass es doch so.
Wenn der Verbrauch sich in Grenzen hält, würd ich einfach so weiterfahren. Ich habe meine Vergaser mit TwinMax synchronisiert.
Und auf den Verbrauch, den Tommy da weiter vorne beschreibt, komme ich bei weitem nicht. Mein Gespann gönnt sich gut und gerne 10l. Hauptsache, der Spaß bleibt erhalten.
Gruß
Pit
 
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