Servus,
zurück aus der Garage und hier meine Reparatur...
Sie startet morgens, wenn sie kalt ist sehr schlecht. Ach Sie ist eine BMW R100RS Bj. 77. Da ich eh über den Winter an Wartungsarbeiten dran bin, schaute ich nach dem Problem. Schnell stellte ich fest, dass beim Betätigen des Chokehebels, der linke Startvergaser nicht betätigt wird. Rechts ist alles in Ordnung. Der Hebel am Startvergaser links war freigängig und der Zug schien in Ordnung zu sein.Also alles einmal auseinander und wieder zusammen. Leider gibt es weder im BMW Werkstatthandbuch, noch in den einschlägigen Foren noch als Explosionszeichnung im RealOEM (OnlineKatalog von BMW) eine vernünftige Information zu dem Thema.Also Jungendforscht und alles fotografisch protokolliert und jetzt hier niedergeschrieben. Hoffe es nützt irgendwann man einem BMW Fahrer.
Es handelt sich um die starren Chokezüge, die BMW bis Bj. 1980 verbaut hat. Abweichend davon sind die 900er Modelle R90S und R60/6, denn diese Modelle hatten keinen Bing Gleichdruck Vergaser sondern einen Schiebervergaser. Dieser Chokezug wurde mittels Feder wieder zurück gestellt. Allerdings ist die Betätigungseinheit die selbe und so kann auch für diese Modelle das allermeiste hier gesagte angewendet werden.
Hier ein Bild der BMW RealOEM Onlinekatalogs:
Es ist der Zug Nr. 5 mit der BMW Nummer:
05 Starterzug links L=350mm bis Bj. 09/1980
13231255976
05 Starterzug rechts L=545mm bis Bj. 09/1980
13231255977
Bei meiner RS war der linke Zug - naja eigentlich ist es nicht nur ein Zug, eher ein Gestänge, da die Kraft in beide Richtungen übertragen wird - gebrochen.
Gebrochener Zug des linken Startvergasers.
Zum Ausbau des Chokezuges muss das linke Luftfiltergehäuse abgebaut werden. Die Chokebetätigung ist dort mit einer M6 Schraube und einer innenliegenden Mutter verschraubt. Zusätzlich sind die Bowdenzüge natürlich auch an beiden Vergasern abzuschrauben.
Die Bilder sind nach der Reparatur entstanden, deshalb auch die neue Polystoppmutter.
Nach dem Abbau liegen dann folgende Teile vor mir auf der Werkbank:
Die Bowdenzüge im Gehäuse des Chokehebels Verschraubt, sonst könne ja keine Druckkräfte übertragen werden. Dann würde sich der Zug schlicht aus der Führung drücken.
Aber nicht nur der Nippel ist in das Gehäuse verschraubt, auch die Zughülle, d.h, die Federwindungen sind in den oberen Nippel eingeschraubt.
ebenso ist die Zughülle in den Versteller am Vergaser verschraubt.
Um den Choke zu zerlegen, muss die mittlere M6 Schraube entfernt werden. Dann kann man den Deckel und den Federring abnehmen.
Der Chokehebel sitzt etwas fester auf der Achse. Achtung, der Schlitz in der Achse ist NICHT zum drehen. welche Funktion dieser hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Den Hebel bekommt man mit einem kleinen Schraubenzieher ab indem man den unter dem Hebel ansetzt und vorsichtig damit den Hebel nach oben drückt. dann springt er von der Welle und man kann die Züge demontieren.
Man kann jetzt schon die Zahnstängchen sehen, die die "Züge" betätigen. Dies kann man entfernen, indem man die Nippel mit einem 8er Gabelschlüssel aus dem Chokegehäuse schraubt.
Sie werden dann zusammen mit dem "Zug" entnommen. die Vorderseite zeigt die Zahnstange und das unter Bild, die Halterung für den "Zug"
Zum Schluss wird noch die "Rasterscheibe" aus dem Chokegehäuse genommen. Mittels eines runden Loches (rechts auf der Rasterscheibe zu sehen)dieser kann der Choke bei Vollanschlag mittels einer Kugel dann sauber einrasten und öffnet sich damit nicht mehr selbständig.
Zunächst wird alles sorgfältig gereinigt und auf Verscheiß geprüft. Die Bowdenzügen können - wie bei mir auf der linken Seite ersetzt werden. Ich konnte zum Glück auf einen Teileträger zurückgreifen, denn beim Freundlichen wird derzeit (2026) der Zug mit ca. 20€ gehandelt. Ein stolzer Preis wie ich finde.
Die Züge können problemlos zerlegt werden, die Hülle mit Bremsenreiniger zunächst gespült werden, ich habe dann mit WD-40 den Bremsenreiniger beseitigt und mit weißem Kettenspray meiner Yamaha die Hüllen geflutet und die Züge wieder eingeschoben und mehrmals hin und her bewegt. Sie laufen jetzt wieder richtig leicht.
Beim Zusammenbau der gereinigten und zum Teil ersetzten Bauteile bin ich folgendermaßen vorgegangen.
Ich benutze als Fett bei solchen Arbeiten sehr gerne das Sabrease, ein Hochtemperaturfett auf Alubasis.
Zunächst habe ich die Rasterscheibe ins Chokegehäuse gesetzt. Dabei drauf achten, dass das Einrastloch für die Kugel zu den Zahnstangen zeigt und dass die Scheibe mit den zwei Füßchen sauber eingerastet ist.
Als nächstes baut man die Zahnstangen ein. Dazu die Hülle aus dem Nippel schrauben, so geht das einfacher. Dann den Zug in die Zahnstange einhängen und beides Zusammen in das Chokegehäuse einstecken und den Nippel verschrauben. Dass sich die Zahnstange verdreht ist kein Problem, solange der Zug sich nicht aushängt. Der linke Bowdenzug sollte auf der späteren Außenseite verbaut werden, sonst liegen die Züge später überkreuz.
Auch kann jetzt der Zug wieder in den Nippel geschraubt werden.
Sind beide Züge und Zahnstangen im Gehäuse, dann kann der Chokehebel mit der Zahnrolle eingesetzt werden. Aber vorher drückt man die Zahnstangen ganz nach links (weg vom Zug), quasi auf Vollausschlag. Setzt den Chokehebel dann auf 6Uhr zeigend (Später ist das dann nach unten zeigend) auf die Welle ein. So ist gesichert, dass die Startvergaser später auch den vollen Ausschlag bekommen.
Sitz der Hebel und alles läuft sauber vor und zurück kann die Federscheibe einbaut und der Deckel verschraubt werden.
Ist alles zusammen, die Bowdenzüge laufen sauber und leicht, dann wird der Choke mittels der M6 Schraube uf dem linken Luftfiltergehäuse wieder verschraubt.

Nachdem das Luftfiltergehäuse wieder eingebaut wurde, müssen die Startvergaser noch angeschlossen werden.
Dazu am unteren Versteller des Zuges, die untere M5 Mutter ein paar Umdrehungen einschrauben, damit diese nicht verschütt geht. Jetzt den Hebel am Startvergase ganz nach oben stellen (als ob der Choke voll betätigt wurde). Die Klemmschraube am Hebel ist aus 4 Teilen. Die Schraube selber mit der Bohrung, einer Hülse mit einem Rand, einer Scheibe und einer Mutter SW7. Das der Startvergaser zum Motorblock zeigt ist es etwas eng. Ich gehe dabei folgendermaßen vor. Ich drücke zunächst die Schraube zusammen mit der Hülse an den Hebel des Vergasers. Halte mit einem kleinen Schraubenzieher die Hülse fest und drücke dann die Schraube mit der aufgesetzten Mutter zurück. Jetzt ist das Loch für den Zug frei und dieser kann eingesetzt werden. Der Rand der Hülse muss unbedingt zwischen Zug und Hebelblech sein. Damit wird verhindert, dass sich der Bolzen beim anziehen mit dem Hebel verspannt und somit ein freies Drehen des Bolzens gegeben ist, So kann der Hebel über den Bowdenzug betätigt werden.
Ehe wir den Bolzen festziehen, wird die untere Mutter des Zugstellers gelöst und dieser kann in die Führung am Vergaserdeckel eingesetzt werden. Jetzt die untere Mutter eindrehen und den Versteller festziehen. Ist der Choke voll betätigt, wird der Hebel am Startvergaser ganz nach oben gestellt und die Mutter an dem Bolzen wird angezogen und der Zug damit gesichert.
Zum Schluss noch eine Kontrolle ob der Startvergaser wieder vollständig öffnet und schleißt. ggf., am Zug etwas nachstellen.
Das war auch schon. Viel Erfolg mit den Bowdenzügen.
Gruß
der Indianer