Servus zusammen,
meine 77er RS hat folgendes Problem:

Ich habe die "alte" Chokebetätigung mit den "starren" Zügen. Wenn ich den Choke betätige, dann bewegt sich lediglich der rechte Zug und somit wird auch nur der Startvergaser rechts betätigt.
Links einfach nix. Wenn ich von Hand den Hebel al Vergaser betätige, dann kann ich den etwas nach oben schieben. ist also gängig. Nur wenn ich den Chokehebel betätige, macht der linke Zug nix. Der Zug an sich mit Hülle scheint in Ordnung zu sein... hab den aber noch nicht am Vergaser abgebaut. Will ich nacher machen.

Dann wollte ich den Zug ausbauen, aber ich bekommen den nicht aus dem Gehäuse des Chokehebels heraus... wie kann ich den den ausbauen? Ich bekomm den Hebel mit der Verzahlung nicht aus dem Gehäuse raus.
zwei Fragen: wie kann ich den Zug da ausbauen und gibts den überhaupt einzeln?

Ich habe die Suche bemüht, meine Werkstatthandbücher geben auch nix her.

Ich werde jetzt mal vorerst von meinem Rolling Chassis das Choke Gerümpel ausbauen und an meine RS Schrauben.

Danke für die Aufklärung
der Indianer
 
Moin Indianer,
is' zwar schon länger her, daß ich da dran war, aber nach meiner Erinnerung kommst Du an das Innenleben der Chockebetätigung erst nach Abschrauben vom LuFi-Gehäuse dran.
Ist bei mir mit 'ner Mutter M6 fest.
Danach eigentlich selbsterklärend....
Grüße aus Köln, Klaus
 
Hi Indianer,
ich noch mal: Die Seilzughülle aus gewickeltem Draht ist in den Betätiger eingeschraubt, und die Züge sollten bei BMW noch zu haben sein.
Nochmal Grüße, Klaus
 
Im Hebelgehäuse muss diese Schlitzmutter gelöste werden, damit das auseinandergeht.

1774106097047.png
 
Danke für die Hilfe, habs hinbekommen und viele Bilder gemacht.
Wenn ich aus der Garage draussen bin, etwas Zeit habe mach ich nen Rep.Bericht. da ich nirgendwo etwas gefunden habe.

Gruß
Der Indianer
 
Da würdest du dich verdient machen!
Die Dokumentenvorlage gibts hier: :db:

Wenn du Hilfe beim Formatieren usw. brauchst, meld dich - mach ich gerne.
 
Im Hebelgehäuse muss diese Schlitzmutter gelöste werden, damit das auseinandergeht.

Anhang anzeigen 400232

Also...ich muss ehrlich sagen...ich hatte das diesen Winter bei der 90/6 auseinander...da war keine Schlitzmutter, das ist einfach ein Teil....der Schlitz ist m. E. dort, damit der Deckel in der richtigen Ausschnittsposition draufgelegt wird...
Den Hebel kann man doch einfach so abziehen, an die kleinen Zahnstangen kommt man nach Entfernen der vorderen Bowdenzugaufnahmen...oder hab ich das einfach nicht gesehen und fehlinterpretiert?

Gruss, Hendrik
 
Servus,
zurück aus der Garage und hier meine Reparatur...

Sie startet morgens, wenn sie kalt ist sehr schlecht. Ach Sie ist eine BMW R100RS Bj. 77. Da ich eh über den Winter an Wartungsarbeiten dran bin, schaute ich nach dem Problem. Schnell stellte ich fest, dass beim Betätigen des Chokehebels, der linke Startvergaser nicht betätigt wird. Rechts ist alles in Ordnung. Der Hebel am Startvergaser links war freigängig und der Zug schien in Ordnung zu sein.Also alles einmal auseinander und wieder zusammen. Leider gibt es weder im BMW Werkstatthandbuch, noch in den einschlägigen Foren noch als Explosionszeichnung im RealOEM (OnlineKatalog von BMW) eine vernünftige Information zu dem Thema.Also Jungendforscht und alles fotografisch protokolliert und jetzt hier niedergeschrieben. Hoffe es nützt irgendwann man einem BMW Fahrer.

Es handelt sich um die starren Chokezüge, die BMW bis Bj. 1980 verbaut hat. Abweichend davon sind die 900er Modelle R90S und R60/6, denn diese Modelle hatten keinen Bing Gleichdruck Vergaser sondern einen Schiebervergaser. Dieser Chokezug wurde mittels Feder wieder zurück gestellt. Allerdings ist die Betätigungseinheit die selbe und so kann auch für diese Modelle das allermeiste hier gesagte angewendet werden.

Hier ein Bild der BMW RealOEM Onlinekatalogs:
diag_1o3.jpg

Es ist der Zug Nr. 5 mit der BMW Nummer:

05 Starterzug links L=350mm bis Bj. 09/1980 13231255976
05 Starterzug rechts L=545mm bis Bj. 09/1980 13231255977

Bei meiner RS war der linke Zug - naja eigentlich ist es nicht nur ein Zug, eher ein Gestänge, da die Kraft in beide Richtungen übertragen wird - gebrochen.

gebrochener Chokezug links.jpg
Gebrochener Zug des linken Startvergasers.

Zum Ausbau des Chokezuges muss das linke Luftfiltergehäuse abgebaut werden. Die Chokebetätigung ist dort mit einer M6 Schraube und einer innenliegenden Mutter verschraubt. Zusätzlich sind die Bowdenzüge natürlich auch an beiden Vergasern abzuschrauben.

Filtergehause mit Chokehebel.jpg
Verschraubung Chokehebel im Filtergehäuse.jpg
Die Bilder sind nach der Reparatur entstanden, deshalb auch die neue Polystoppmutter.

Nach dem Abbau liegen dann folgende Teile vor mir auf der Werkbank:

Komplette  Chokeerinheit _01.jpg

Die Bowdenzüge im Gehäuse des Chokehebels Verschraubt, sonst könne ja keine Druckkräfte übertragen werden. Dann würde sich der Zug schlicht aus der Führung drücken.

Verschraubung Zug oben in Gehäuse_02.jpg

Aber nicht nur der Nippel ist in das Gehäuse verschraubt, auch die Zughülle, d.h, die Federwindungen sind in den oberen Nippel eingeschraubt.

Verschraubung Zug oben in Schraubnippel_04.jpg

ebenso ist die Zughülle in den Versteller am Vergaser verschraubt.

Verschraubung Zug unten in Zugsteller_04.jpg

Um den Choke zu zerlegen, muss die mittlere M6 Schraube entfernt werden. Dann kann man den Deckel und den Federring abnehmen.

Zerlegen Deckelab_01.jpg

Der Chokehebel sitzt etwas fester auf der Achse. Achtung, der Schlitz in der Achse ist NICHT zum drehen. welche Funktion dieser hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Den Hebel bekommt man mit einem kleinen Schraubenzieher ab indem man den unter dem Hebel ansetzt und vorsichtig damit den Hebel nach oben drückt. dann springt er von der Welle und man kann die Züge demontieren.

Zerlegen Chokehebel runter _03.jpg

Man kann jetzt schon die Zahnstängchen sehen, die die "Züge" betätigen. Dies kann man entfernen, indem man die Nippel mit einem 8er Gabelschlüssel aus dem Chokegehäuse schraubt.

Sie werden dann zusammen mit dem "Zug" entnommen. die Vorderseite zeigt die Zahnstange und das unter Bild, die Halterung für den "Zug"

Zerlegen Zahnstängchen _05.jpg

Zerlegen Zahnstängchen-hinten_06.jpg

Zum Schluss wird noch die "Rasterscheibe" aus dem Chokegehäuse genommen. Mittels eines runden Loches (rechts auf der Rasterscheibe zu sehen)dieser kann der Choke bei Vollanschlag mittels einer Kugel dann sauber einrasten und öffnet sich damit nicht mehr selbständig.

Zerlegen Rastplatte _07.jpg

Zunächst wird alles sorgfältig gereinigt und auf Verscheiß geprüft. Die Bowdenzügen können - wie bei mir auf der linken Seite ersetzt werden. Ich konnte zum Glück auf einen Teileträger zurückgreifen, denn beim Freundlichen wird derzeit (2026) der Zug mit ca. 20€ gehandelt. Ein stolzer Preis wie ich finde.

Die Züge können problemlos zerlegt werden, die Hülle mit Bremsenreiniger zunächst gespült werden, ich habe dann mit WD-40 den Bremsenreiniger beseitigt und mit weißem Kettenspray meiner Yamaha die Hüllen geflutet und die Züge wieder eingeschoben und mehrmals hin und her bewegt. Sie laufen jetzt wieder richtig leicht.

Beim Zusammenbau der gereinigten und zum Teil ersetzten Bauteile bin ich folgendermaßen vorgegangen.

Ich benutze als Fett bei solchen Arbeiten sehr gerne das Sabrease, ein Hochtemperaturfett auf Alubasis.

Zunächst habe ich die Rasterscheibe ins Chokegehäuse gesetzt. Dabei drauf achten, dass das Einrastloch für die Kugel zu den Zahnstangen zeigt und dass die Scheibe mit den zwei Füßchen sauber eingerastet ist.

Zusammenbau Einrastring _01.jpg

Als nächstes baut man die Zahnstangen ein. Dazu die Hülle aus dem Nippel schrauben, so geht das einfacher. Dann den Zug in die Zahnstange einhängen und beides Zusammen in das Chokegehäuse einstecken und den Nippel verschrauben. Dass sich die Zahnstange verdreht ist kein Problem, solange der Zug sich nicht aushängt. Der linke Bowdenzug sollte auf der späteren Außenseite verbaut werden, sonst liegen die Züge später überkreuz.
Auch kann jetzt der Zug wieder in den Nippel geschraubt werden.

Zusammenbau Zahhnstängchen_02.jpg

Sind beide Züge und Zahnstangen im Gehäuse, dann kann der Chokehebel mit der Zahnrolle eingesetzt werden. Aber vorher drückt man die Zahnstangen ganz nach links (weg vom Zug), quasi auf Vollausschlag. Setzt den Chokehebel dann auf 6Uhr zeigend (Später ist das dann nach unten zeigend) auf die Welle ein. So ist gesichert, dass die Startvergaser später auch den vollen Ausschlag bekommen.

Zusammenbau Chokehebel_03.jpg

Sitz der Hebel und alles läuft sauber vor und zurück kann die Federscheibe einbaut und der Deckel verschraubt werden.

Zusammenbau Federscheide_04.jpg

Ist alles zusammen, die Bowdenzüge laufen sauber und leicht, dann wird der Choke mittels der M6 Schraube uf dem linken Luftfiltergehäuse wieder verschraubt.

Filtergehause mit Chokehebel.jpgVerschraubung Chokehebel im Filtergehäuse.jpg

Nachdem das Luftfiltergehäuse wieder eingebaut wurde, müssen die Startvergaser noch angeschlossen werden.

Dazu am unteren Versteller des Zuges, die untere M5 Mutter ein paar Umdrehungen einschrauben, damit diese nicht verschütt geht. Jetzt den Hebel am Startvergase ganz nach oben stellen (als ob der Choke voll betätigt wurde). Die Klemmschraube am Hebel ist aus 4 Teilen. Die Schraube selber mit der Bohrung, einer Hülse mit einem Rand, einer Scheibe und einer Mutter SW7. Das der Startvergaser zum Motorblock zeigt ist es etwas eng. Ich gehe dabei folgendermaßen vor. Ich drücke zunächst die Schraube zusammen mit der Hülse an den Hebel des Vergasers. Halte mit einem kleinen Schraubenzieher die Hülse fest und drücke dann die Schraube mit der aufgesetzten Mutter zurück. Jetzt ist das Loch für den Zug frei und dieser kann eingesetzt werden. Der Rand der Hülse muss unbedingt zwischen Zug und Hebelblech sein. Damit wird verhindert, dass sich der Bolzen beim anziehen mit dem Hebel verspannt und somit ein freies Drehen des Bolzens gegeben ist, So kann der Hebel über den Bowdenzug betätigt werden.
Ehe wir den Bolzen festziehen, wird die untere Mutter des Zugstellers gelöst und dieser kann in die Führung am Vergaserdeckel eingesetzt werden. Jetzt die untere Mutter eindrehen und den Versteller festziehen. Ist der Choke voll betätigt, wird der Hebel am Startvergaser ganz nach oben gestellt und die Mutter an dem Bolzen wird angezogen und der Zug damit gesichert.

Zum Schluss noch eine Kontrolle ob der Startvergaser wieder vollständig öffnet und schleißt. ggf., am Zug etwas nachstellen.

Das war auch schon. Viel Erfolg mit den Bowdenzügen.

Gruß
der Indianer