BoxerSchürli

Teilnehmer
Guten Abend in die Runde,
Kurze und prägnante Frage:
Beim Kunststofftank der PD gibts ja ein paar Feinheiten beim Lackieren zwecks Ausgasen.
Hat damit jemand schon einmal Erfahrungen gehabt wie man den lackiert/lackieren lässt?
Ich lese leider immer nichts Eindeutiges bzw. verschiedene Aussagen zwecks dem Thema und dachte hier hat bestimmt jemand Erfahrungen damit;)
Geht mir vor allem um die Haltbarkeit des Lackes und die Vorgehensweise.

Schönen Abend und danke schonmal,
Schorsch
 
Du meinst sicher Nylontank. Muss man im Einzelfall beurteilen. Wie ist denn der derzeitige Zustand? Ist er bereits lackiert, zeigt er Blasen, ist es Originallackierung (wg. verwendeter Materialien) usw. Manche gasen, andere überhaupt nicht. Vernünftiges Material verwenden, dann gibt es keine oder kaum Probleme. Warscheinlich kommen jetzt unzählige Vorgehensweisen. Keine Ahnung wie viele Nylons ich schon lackiert habe, bisher nie etwas negatives gehört. Mit dem richtigen Material das für solche Zwecke geeigneter ist als normale Autolacke sollte es kein Problem sein.
Ein Restrisiko bleibt zwar, aber das liegt oft eher an der Verarbeitung des Tanks. Trotzdem gehen wieder viele Hersteller davon weg hin zu Alu. Man hat die aus Gewichtsgründen anstatt Stahl gebaut. Von innen versiegeln ist der wichtigere Teil. Dazu muss er aber peinlichst gereinigt werden.
Nylon zieht auch Feuchtigkeit und der heutige Sprit mit Alkoholanteilen ebenfalls. Blöde Kombination.
 
Zuletzt bearbeitet:
Okay na es ist der originale Tank der Paris Dakar mit dem originalen Lack. Die Schriftzüge sind ja wahrscheinlich geklebt.
Kannst du mir da ne Aufstellung geben was ich brauch und in welcher Reihenfolge verarbeiten muss ?
Risse und Blasen hat er keine
 
Wenn der originale Lack keine Ablösungserscheinungen hat ist ja alles gut. Wie gut das jemand als Laie beurteilen kann weiß ich natürlich nicht.
Dann könntest auf den aufbauen. Falls Aufkleber entfernst und diese einlackiert sind mußt halt die Stellen isolieren. Dazu würde ich immer eine 2K Epoxidharzgrundierung verwenden. Als Lack würde ich von den wenig benzinbeständigen 2K Acryllacken Abstand halten und einen reinen hochchemikalienbeständigen PUR einsetzen. Wichtig ist das ganze lange genug aushärten lassen vor dem erneuten Befüllen. Falls Dir nicht sicher bist wie gut die Haftung des alten Lackes ist könntest den an unsichtbarer Stelle etwas anritzen, kräftig klebendes Tape drauf pappen und ruckartig abreissen. Stichwort Gitterschnitttest.
 
Oder meinst du die Stelle wo die Kleber waren mit der Grundierung und sonst auf alles zusammen dann der PUR Lack als Decklack?
Die Frage ist halt auch, wo ich die Kleber wieder her bekomme, weil die sind das Einzige was sich ablöst. Wenn ich Sonntag wieder daheim bin mache ich mal paar Bilder
 
Natürlich vorher alles anschleifen. Grundkenntnisse im Aufbau eine Lackierung setze ich mal voraus. Wenn sich Aufkleber lösen kann das verschiedene Ursachen haben. Geklebtes Zeug ist immer die schlechteste (einfachste) Lösung, da die Kleber nur für ein paar Jahre ausgelegt sind.
Aufkleber kann Dir doch jeder Folienanbieter ausdrucken oder plotten. Einmal etwas grundieren ist nicht verkehrt um Ränder von Durchschliffstellen (entfernte Aufklebr) zu vermeiden und eine zusätzliche Benzinbarriere zu bilden. Ein einheitlicher Untergrund macht auch bei vielen Farben Sinn, die nicht sonderlich gut decken.
 
Die Aufkleber sitzen original auf der Farblackierung und sind nicht mit Klarlack überlackiert.

Für die Aufkleber such mal nach Heritage Stickers (Facebook).

Gruß

Werner
 
Also um das abzuschließen. Ich mach die alten Kleber ab, Schleif alles an, Mach über den ganzen Tank die Epoxi Grundierung, nochmal anschleifen, dann darüber den PUR Lack und muss darüber noch ein Klarlack oder ist der bereits so widerstandsfähig?
 
Der PUR ist der Klarlack. :-) Darunter wirst wohl einen Basislack aufbringen. Der ist meist entweder auf WB-Acrylatbasis oder LB-Acryl.
Der Epoxi schützt von unten und der PUR von oben. :-) Viele nehmen auch noch einen Füller auf den Epoxi, ist aber nicht nötig da die Füller sehr viel mehr zum einfallen neigen. Lassen sich halt leichter schleifen. Wenn die Aufkleber nicht einlackiert sind, umso besser.
Anschleifen des Altlackes würde ich P320 empfehlen damit der Epoxidharz gute Haftung bekommt. Säubern mit Silikonentferner. 2 Gänge 2k Epoxidharzgrundierung auf Verlauf. Min. 48 Std. trocknen lassen. Anschleifen P800, wieder mit Silikonentferner reinigen. Basislack spritzen, aber nicht länger als 2 Std. ablüften lassen damit man auch chemischen Verbund mit Klarlack bekommt. Nach dem ablüften einmal leicht 2k PU Klarlack vornebeln, kurz ablüften lassen (5-10min) und dann 2 satte Gänge drüber mit auch ca. 5-10min Ablüftzeit zwischen den Gängen (je nach Temperatur). Man kann für das ablüften an einer abgeklebten Stelle mit dem Finger testen. Bleibt am Finger kein Lack mehr haften aber ist noch leicht klebrig dann ist Ablüftzeit perfekt erreicht.
Düse für Klarlack würde ich bei einem Tank eine 1,2mm empfehlen. Größer haut mehr drauf ist strukturierter und man neigt zum überschichten (Läufer). Wenn man will kann man den Klarlack nach dem trocknen noch einmal anschleifen und noch eine Schicht aufleben. Dann hat man mehr Material um später mal Kratzer ausschleifen und polieren zu können. Für einen größeren BMW Tank braucht man ca. 150ml Klarlack.
 
Epoxidharzgrundierungen/füller bekommt man überall. Bei reinen 2k PUR Klarlack wird es schwieriger da die eher für andere hochbelastete Untergründe Verwendung finden wie als Schutzlack für GFK Laminate und im Bootsbau. Top Material ist der hier: Rucopur Hochglanzlack Klarlack
Läßt sich gut spritzen und ist extrem belastbar.
 
Hallo Schorsch,
ich kenne Deine handwerklichen Fähigkeiten zwar nicht, meine aber das eine oder andere herauszuhören.
Meiner Meinung nach wäre es wohl sinnvoller den Tank zu schleifen und dann einen Lackierer zu suchen der das kostengünstig für Dich lackiert.
Wenn Du die Vorarbeit ( wie mit dem Lackierer besprochen ) leistest, hält sich das ganze finanziell in Grenzen.

Machst Du es selbst ( Materialkosten sind auch für dich da ) und es wird nicht zufriedenstellend, geht das ganze irgendwann doch zum Lackierer und Du zahlst 2 mal.
Sollte ich falsch liegen, wünsche ich Dir natürlich gutes Gelingen.
Gruß Bernd
 
Danke für deine Anmerkungen.
Ich versuche es erstmal selbst. Ich hab ja in der Vergangenheit schon das ein oder andere Set Metalltanks lackiert, daher damit Erfahrungen. Ging mir hauptsächlich um den Aufbau bei dem Kunststofftank.
Wir schauen mal, am Ende fange ich eh erstmal mit den Abdeckungen an. Wenn’s da schon Mist wird, kann ich vor dem Tank schon abbrechen 😉
Grüße
 
Ich bin zwar kein gelernter Lackierer, aber gelernter KFZ Mechatroniker, da ist der Anspruch schon hoch an mich selbst, da fragt man überall lieber zweimal 😁😉
 
Dann mal los. Mechatroniker sollten auch keine zwei linken Hände haben. Wissen hast nun. der Rest ist Übung und Routine. Wenn ich komplexe Serien mache dauern die ersten auch länger, mit der Routine halbiert sich der zeitliche Aufwand meist um die Hälfte.
 
Bei dem Anschleifen mit 320er entstehen aber keine Riefen oder ? Hab alle Lacke von einer Firma gekauft und da stand zum nass in nass lackieren könnte man nach paar Stunden schon den Decklack auf den Epoxi machen.
Da würde ja dann aber die 800er Schleifung entfallen.
Wie würdest du das machen wenns nur eine „Schleifphase“ gibt?
 
BMW R100 GS PD.jpg

Bei einer mittlerweile verkauften PD habe ich alle Lackteile neu lackieren lassen. Der Lackierer musste nochmal ran, weil er den Tank nur 24 Stunden ausgasen lassen hat, bevor die Aufkleber raufgeklebt wurden. Beim zweiten Mal hat er eine Woche gewartet und dann waren sie blasenfrei. Auch wie Werner kann ich Gian von Heritage Stickers sehr empfehlen. Die Aufkleber wie oben zu sehen sind auch von ihm.

Gruß
Jonas
 
Natürlich kann man Epoxidharz auch Nass in Nass verarbeiten. Empfehlen würde ich es nicht da man den nie so glatt gespritzt bekommt das man hinterher eine wirklich gute Oberfläche bekommt. Dazu sind die nicht gedacht. Sie sollen isolieren und gute Haftung haben, Verlauf ist nicht so wichtig. 320er Schliff bekommt die Grundierung gut zu. Den noch einmal zu schleifen ist auch kein großer Aufwand wenn er schon recht glatt ist. Außerdem verringert sich das Einschlußrisiko noch einmal. Hat man Einschlüße bereits im Epoxidharz bilden die sich im Lack natürlich auch ab. Poliert man, dann reißt man es bis zum Epoxidharzfüller auf und die Stellen sind sichtbar. Staub im Klarlack bekommt man in der Regel dagegen gut raus.
 
Okay macht Sinn. Sieht man die Einschlüsse erst nach dem aushärten oder schon vorher? Da könnte man das ja „spontan“ entscheiden, auch wie glatt die Oberfläche ist
 
Expertentipps sind goldwert, was ich aber etwas vermisse ist die Berücksichtigung, dass Hobbylackierer in der Regel alles bei Raumtemperatur trocknen lassen müssen und nicht wie Profis bei 60 °C oder darüber in der Trockenkammer. Meine Erfahrung ist, dass die meisten EP-Grundierungen nicht ohne Temperatur zuverlässig aushärten.

Ich habe im Hobbybereich sehr gute Erfahrung mit diesem EP-S Grundierfüller gemacht, da er zuverlässig bei 20 °C aushärtet und sich sehr gut verarbeiten lässt.

LG
Rainer
 
Bei den Lacken die ich bestellt habe sind bei allen Anwendungsdatenblätter dabei, die explizit die Trockenzeiten bei Raumtemperatur berücksichtigen.
Daher hab ich das Problem nicht wahrgenommen. Da übrigens habe ich alle Lacke vom selben Hersteller gewählt zwecks Verträglichkeit
 
Guten Abend in die Runde,
Kurze und prägnante Frage:
Beim Kunststofftank der PD gibts ja ein paar Feinheiten beim Lackieren zwecks Ausgasen.
Hat damit jemand schon einmal Erfahrungen gehabt wie man den lackiert/lackieren lässt?
Ich lese leider immer nichts Eindeutiges bzw. verschiedene Aussagen zwecks dem Thema und dachte hier hat bestimmt jemand Erfahrungen damit;)
Geht mir vor allem um die Haltbarkeit des Lackes und die Vorgehensweise.

Schönen Abend und danke schonmal,
Schorsch
Servus Schorsch,
ich würde einfach bei HPN in Seibersdorf nachfragen. hpn
Dann sprichst Du mit den Profis.
Gruß vom Schoß
 
Bei den Lacken die ich bestellt habe sind bei allen Anwendungsdatenblätter dabei, die explizit die Trockenzeiten bei Raumtemperatur berücksichtigen.
Daher hab ich das Problem nicht wahrgenommen. Da übrigens habe ich alle Lacke vom selben Hersteller gewählt zwecks Verträglichkeit

Du kannst es vorher ausprobieren, mische eine kleine Menge EP-Grundierung an, streiche sie irgendwo etwas dicker auf und lasse sie 24 Stunden trocknen. Sie sollte sich mit dem Fingernagel nicht mehr eindrücken lassen. Die Grundierung kann funktionieren, nur weicht meine Erfahrung mit den von mir getesteten EP-Grundierungen von deren Datenblättern ab.

LG
Rainer
 
Manche Grundierungen brauchen eine "Starttemperatur" von 20-21C damit der chemische Prozess der Aushärtung in Gang kommt.
Epo mag es nicht so kühl, trocknet aber trotzdem nur eben langsamer. Wie RainerP schon sagt kannst kleine Menge anrühren. Epoxidharzgrundierungen werden oft nach Gewicht gemischt, da kann man selbst 10g anrühren mit einer Briefwaage. Man muss nicht zwangsläufig von einem Hersteller wählen nur eben immer den passenden Härter und Verdünnung passend zum Produkt. Ob man die Grundierung von einem und den Lack vom anderen nimmt ist egal. Und nebenbei bemerkt bin ich Lackierermeister mit Jahrzehnten Berufserfahrung.
:) Ich kann mir also ein Urteil erlauben.
 
Wenn ich jetzt sage ich würde es am liebsten mit der Dose lackieren mache ich mir keine Freunde oder? 🤣
Deswegen is mit vorher probieren schlecht
 
Spraydosen haben einen extrem hohen Lösemittelanteil um durch die feinen Düsen einer Dose zu gehen.
0,1 bis 0,2 mm (Skinny Caps)
0,3 bis 0,4 mm (Medium Caps)
0,3 bis 0,4 mm (Medium Caps)
Düsengröße für Füller oder Grundierungen bei Pistolen ab 1,4 bis 2,5 mm, Lack in der Regel 1,2-1,3mm
Der hohe Lösemittelanteil reduziert nicht nur die Schichtstärke sondern verringert auch die guten Eigenschaften des Materials.
Dazu kommt das Spraydosen im Verhältnis zu normalen Dosenmaterial völlig überteuert ist. Der Lösemittelanteil beträgt zwischen 50-80%. Nimmt man Treibgase noch dazu kommt man auf fast 90% flüchtige Anteile. Daher ist es nur eine Notlösung. Bei einem 2K Klarlack kommt man nach Abzug der flüchtigen Bestandteile bei 16€/400ml auf einen Literpreis von gut 400€ für den Lack. Guter 2K Klarlack liegt bei 30-40€/1 Ltr.