Detlev

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Teammitglied
Mal kurz ausgeholt: Einige Zeit nach der fürchterlichen Ahrtalflut, deren Spuren bis heute noch nicht vollständig beseitigt sind, bekam ich ein Opfer in die Hand, einen Boschanlasser, der aus einer abgesoffenen BMW aus einer tief liegenden Garage stammte.
Als ich ihn auspackte lief noch schlammiges Wasser aus dem Gehäuse, weswegen ich ihn draußen im Garten hochkant in eine sonnige Ecke gestellt habe, damit das rostige Wasser komplett ablaufen könnte.
Da stand er nun bis gestern, als ich ihn "wiederentdeckt" habe.
Eigentlich hätte ich ihn direkt in die Schrottkiste packen können, aber die Neugierde hat ihn mich dann doch in den Prüfstandmotor stecken lassen. Da das Graugußgehäuse nicht verrostet war passte er problemlos. Spannung angeschlossen und Klemme 50 mit Plus gebrückt um zu sehen, was sich tut.

Ich hatte vermutet, dass hier schon Schluss wäre mit dem Experiment, weil sicher auch Wasser in den Magnetschalter gelaufen ist.
Aber nein, er klackte laut und vernehmlich, zwei..drei..vier Versuche und der Freilauf begann sich nach vorne zu bewegen und dann lief der Motor tatsächlich los unter Hinterlassung einer gewaltigen Schlammstaubwolke (hust).

War das Experiment hier zu Ende? Nein, da musste ich dann doch mal reinsehen. Die langen Zuganker, die das Feldgehäuse am Gußteil festhalten, wollten sich erst lösen, nachdem ich mit Kriechöl und viel Wärme dabei war. Der Deckel unter dem sich die Kohlen befinden war innen einseitig angerostet, der Kohlenträger war ein Rostklumpen, von der ehemaligen Verzinkung der Grundplatte war nichts mehr zu erkennen.
Das Feldgehäuse war zwischen den Magnetspulen stark angerostet, hier war auch noch einiges an Schlammstaub vorhanden. Die Kerne der Magnetspulen waren erstaunlich sauber. Der Rotor sah übel aus, das Bleckpaket vollständig von Flugrost eingehüllt, die Achsen stark angerostet, der Freilauf, ebenfalls stark angerostet ließ sich nicht von der Welle abnehmen, da musste ein Abzieher helfen. Das er den Vorschub noch mitgemacht hatte lag nur daran, dass noch altes Fett innen war. Und selbst das Ritzel des Freilaufs ließ sich noch bewegen, fühlte sich natürlich leicht "gnurpschig" an aber bewegte sich auch nur in die vorgesehene Richtung.
Man hätte ihn direkt ungeprüft wieder einbauen können und er hätte auch sicher einen Motor gestartet, aber so war dann doch nichts mehr zu retten, gerade die Gussglocke, weil Gusseisen, war noch gut.

Warum schreibe ich das hier? Weil ich einfach begeistert war von der Robustheit dieses 50 Jahre alten Anlassers.
 
.... Weil ich einfach begeistert war von der Robustheit dieses 50 Jahre alten Anlassers.
Die ist wahrlich beeindruckend und sicher auf materialintensive, "überdimensionierte" Bauweise zurückzuführen. Gemessen an der Leistung strapaziert der alte Eisenklotz aber die kleinen Batterien übermäßig und die spezifische Leistung (kW/kg) ist mau. Wie groß bzw. klein und leicht könnte ein Anlasser gleicher Leistung sein, der mit modernen Materialien und Methoden gebaut ist? Ich meine damit nicht bröckelige Plastikzahnräder und anderen "Beschiss" chinesischer Valeo Klone, sondern einen bürstenlosen Motor mit Neodym Magneten wie in modernen Autos.

Lassen sie die nicht irgendwie an unsere Viecher adaptieren?
 
Kannst Du angeben, in welchen Fahrzeugen BL-Motoren beim Anlasser eingesetzt werden? Das bedingt ja die entsprechenden Regler mit adäquater Leistung.
Nein, keine Ahnung. Das war "ins Blaue" hinein spekuliert, weil heute viele DC Motoren ähnlicher Leistung (Elektrowerkzeug, e-Bikes) "bürstenlos" gebaut sind. Offenbar hat diese Bauart Vorteile, die zusätzlichen Aufwand rechtfertigen.
 
Bürstenlose Motoren werden eher dort eingebaut, wo sie in weitem Bereich drehzahlgeregelt werden sollen. Für Anlasser ist das wohl eher überkonstruiert.
 
Ist ja nicht schlimm/verwerflich.

Ich habe auch mal spekuliert, mit Aktien, auch ohne Ahnung, hab' aber ins Klo gegriffen.
Du hattest zumindest keine schmerzlichen Verluste bei deiner Spekulation ))):
Na ja, für jemanden, der immer die Weisheit für sich gepachtet hat, und andere gerne belehrt, ist das doch schon ein gewisser „Imageverlust“ sozusagen :D.

@Detlev,
das zutage gekommene Ergebnis ist tatsächlich beeindruckend ;)
 
Bürstenlose Motoren werden eher dort eingebaut, wo sie in weitem Bereich drehzahlgeregelt werden sollen. Für Anlasser ist das wohl eher überkonstruiert.
Zudem wird im Fahrzeugbau das billigste/einfachste Material verwendet, was den Zweck geradeso noch erfüllt. Neodym-Magnete und ein elektronischer Regler stehen dem komplett entgegen.
Sowas kommt erst bei Hybrid-Lösungen zum Tragen, wo der Anlasser gleichzeitig der E-Motor ist.
 
Guten Abend,
von ZF für BMW
Wenn jemand einen zerlegten Bosch fürs Kratt will gibts bei mir geschenkt.

Gruß Vitus
 
Danke für den Bericht. Sehr interessant und auch beruhigend. Während ich den Valeo meiner GS schon ersetzen musste, wird die Strichfünf immer noch vom unüberholten Boschstarter aktiviert.
Ich hatte mal einen uralten Noris-Kondensator aufgesägt, um ihn auf modernen MKP umzubauen. Die Art, wie das alles ineinandergefügt, isoliert und mit winzigem geflochtenen inneren Massekabel angeschlossen war hat mich begeistert.
 
Dafür eiert der Bosch halt schon bei einem 800er rum und verbraucht soviel Strom dabei, dass man damit schon ein Einfamilienhaus versorgen könnte.
Von einem gut verdichteten 1000er oder gar BBK brauch man da noch nichtmal reden...

Hat alles seine Vor- und Nachteile.
 
Ein neu gelagerter Boschanlasser hat erfahrungsmäßig keine Probleme mit einem hochverdichteten Motor. Die Lagerbuchsen sind das A und O.
 
Nach meiner Erfahrung punktet der Bosch bei hoch verdichteten Motoren sogar, wenn die Batterie "zu klein" ist, weil er selbst bei weit zusammen brechender Spannung noch durchzieht, während der Valeo dann anfängt zu "hämmern". Der Bosch tut sich zwar fühlbar schwer, aber er zieht durch.