Das Lenkkopflager, die R100R und ich.

Zweinach1

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16. Juni 2025
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Ich muss leider noch einmal das Thema Lenkkopflager ansprechen, ich komme auch mit den älteren Beiträgen nicht weiter und benötige eure Hilfe.

Meine R100R schwingt sich irgendwo zwischen 55-70km/h auf. Vermutung nach meiner Recherche: das Lenkkopflager.

Nach einem Blick ins WHB dachte ich, das wird eine schnelle und unkomplizierte Geschichte - irgendwie nicht :D

Ich löse erst einmal 1 & 2. Die 3 war sehr schwergängig, lies sich zu Beginn nur mit Rohrzange und Tuch bewegen.

Ich hab dann nochmal im Forum gestöbert und gelesen, man soll mal die Gabelbrücke lösen. Dann hat sich die 3 auch leichter gedreht aber auch die Gabelbrücke angehoben. Also die 3 wieder zurück gedreht, Gabelbrücke wieder angezogen.

Dann dreh ich an 3 (wieder schwergängig) und sollte der Lenker jetzt schon anders, sprich irgendwie schwerer nach links/rechts kippen? Oder erst nach dem alles wieder gekontert wird?

Sonst passiert aktuell einfach nichts, wenn ich an der 3 drehe. Mittlerweile bin ich so verwirrt, das ich nicht mal merke in welcher drehrichtung vorgespannt wird, es fühlt sich alles gleich an.

Wie gehe ich jetzt richtig vor? Wie ist das Vorgehen, wenn die obere Gabelbrücke gelöst wurde, muss dabei etwas beachtet werden?

Und kann mir nochmal jemand erklären, wie die einzelnen Teile zusammen funktionieren?

Danke euch!

IMG_8963.jpeg
 
Hallo Timo,
zum öffnen
- halte 2 mit Zange oder Schlüssel
- löse 1 gegen Uhrzeigersinn
- löse 3 gegen Uhrzeigersinn
1000013503.jpg1000013502.jpg

Gruß, Axel
 
Zuletzt bearbeitet:
Moin,

was der kleine Sechskant macht weiß ich nicht, gibts bei meinen Motorrädern nicht.

1 hält die Gabelbrücke, verbindet sie mit der Gabel.
3 hält das Lager, hier wird auch das Spiel eingestellt.

Zunächst 1 lösen, manchmal ist es hilfreich auch die Schrauben rechts und links an den Standrohren etwas zu lösen.
Nun 3 lösen bis sich die Gabel leicht nach rechts und links bewegen lässt.
X Die Gabelholme vorn unten umfassen und vor und zurück bewegen, es darf nichts klappern.

Jetzt 1 wieder anziehen.

Nun kann es aber sein, wenn 1 auf die Gabelbrücke und diese auf 3 drückt, dass das Lager zu stramm eingestellt ist.
Dann alles von vorn und erst 1, dann 3 ein klein wenig lösen, 1 wieder anziehen und prüfen.

Gabel muss nach einem leichten Schubser praktisch von selbst aus der Mittelstellung nach rechts und links "fallen", darf aber, siehe X, kein fühlbares oder hörbares Spiel haben.

Kann sich etwas hinziehen bis die richtige Einstellung gefunden ist. Schrauben an den Holmen nicht vergessen.

Lager zu locker = Klappern
Lager zu stramm = Motorrad pendelt oder man fährt leichte Schlangenlinien. Sehe ich oft, merke ich schon wenn ich einem hinterher fahre.

Gruß
Willy
 
Mit 3 wird das Lagerspiel eingestellt, wenn 1 und 2 lose sind und Spiel habe. 3 dreht sich immer schwer, wenn das gesamte Gewicht des Vorbaus daran zieht - also Rad aufstellen und leicht belasten.
Wenn das Spiel "leicht schwergängig" eingestellt ist, wird 2 angezogen und mit 1 gekontert. 3 darf dabei nicht verdreht werden.
 
Diese Variante mit den drei Teilen sorgt dafür, dass das Lenkkopflagerspiel sich nicht mehr verändert, wenn man Nummer 2 anzieht. Man stellt also mit 3 das Spiel ein und geht dann nach WHB vor und das Spiel passt weiterhin, ohne mehrfaches Einstellen.

Teil 3 hat ein Feingewinde, daher muss man schon ein Stück drehen, um eine Veränderung zu merken.
 
Diese Variante mit den drei Teilen sorgt dafür, dass das Lenkkopflagerspiel sich nicht mehr verändert, wenn man Nummer 2 anzieht.
Gut zu wissen, ich habe die Aufgabe dieser Schraube nicht gefunden. Dann sollte es beim ersten Einstellen ja klappen und durch das Anziehen von 1 nicht strammer werden.

Gruß
Willy
 
Kann aber auch vom Vorderrad/Reifen kommen.Hatte ich bei meiner GSX 1100 mal.

Weitere Möglichkeit ist, dass das Lager eingelaufen ist bzw. Marken hat, wo es immer wieder "einrastet". Diese entstehen bei großen Laufleistungen, da die Lagerrollen immer auf der nahezu gleichen Stelle laufen.
Wenn man das Lager bewusst etwas zu stramm einstellt merkt man das. Dann neues Lager....
 
Weitere Möglichkeit ist, dass das Lager eingelaufen ist bzw. Marken hat, wo es immer wieder "einrastet". Diese entstehen bei großen Laufleistungen, da die Lagerrollen immer auf der nahezu gleichen Stelle laufen.
Wenn man das Lager bewusst etwas zu stramm einstellt merkt man das. Dann neues Lager....
Was Zweinach1 beschreibt, weist aber auf ein zu lose eingestelltes Lager hin. Hoch offiziell im WHB nachzulesen. 😀 Wenn das Lager lange zu lose eingestellt ist, bilden sich aber gern Rattermarken.

IMG_1826.jpeg
 
Danke an alle für euren Input!
Nichtrauchers Tipp, die Gabelholme vor und zurück zu bewegen, war der entscheidende Hinweis.
Dadurch konnte ich nachvollziehen, was gerade wirklich passiert, wenn ich die 3 anziehe.
Stand jetzt hab ich das flattern noch, aber die Verschlimmbesserung, die ich zuvor fabriziert habe, ist zumindest behoben.
Also nochmal ran und nachspannen, ich werde berichten.
Schönen Sonntag!
 
Jetzt kommt der finale Schritt, die Kegelrollenlager brauchen eine leichte Spannung

Die Betonung liegt auf leichte. Mach dir einen Filzstift Strich auf 6 Uhr und drehe die Rändelmutter (die 3) ein kleines Stück weiter, wie auf dem Bild. So machen das die Profis, und so hab ich das gelernt. Alles andere ist nur Rumprobieren, Lenker anstossen und so. Mit der Schwinge macht man das genau so.

gruss oeter

LKL einstellen.JPG
 
Hi,

ändere den Reifendruck, pumpe vorn mal deutlich härter auf, 2 auf 2.5 oder 2.5 auf 3.0, ich weiß nicht welchen Druck du fährst, dann Probefahrt.
Keine Bange, da platzt nix.
Meine Erfahrung nach etwa 70 Motorrädern ist die das ein zu festes LKL pendeln und ein zu loses klappern verursacht. Flattert es vorn war es meist der Reifendruck und/oder das Gummi war runter.


Gruß
Willy
 
Moin.
Ich denke jeder hat so seine ggüber dem WHB erweiterte Methode.
Bei mir ist das bei der Montage/Einstellung:
LKL mit dem Einstellring spielfrei einstellen, dann ganz wenige Grade weiter vorspannen.
obere Gabelbrücke montieren, Verschraubung lose
Standrohre in der oberen Brücke festziehen, in der unteren lose (die dienen dann als Verdrehsicherung, aber axial verschiebbar)
festziehen der Gabelbrücke mit Konterrohr und Sechskantmutter (65Nm lt. WHB)
Prüfen, ob sich die Standrohre leicht (!) in beiden Brücken axial bewegen lassen, also fluchten.
Endmontage Vorderrad etc.
Im Stand mehrfaches einfedern.
Anziehen der unteren Gabelbrückenbefestigung.
 
Hi,

ändere den Reifendruck, pumpe vorn mal deutlich härter auf, 2 auf 2.5 oder 2.5 auf 3.0, ich weiß nicht welchen Druck du fährst, dann Probefahrt.
Keine Bange, da platzt nix.
Meine Erfahrung nach etwa 70 Motorrädern ist die das ein zu festes LKL pendeln und ein zu loses klappern verursacht. Flattert es vorn war es meist der Reifendruck und/oder das Gummi war runter.


Gruß
Willy
So, hab eben mal die Probefahrt mit 2,8 statt 2,2 gemacht > das hat das Problem nicht beseitigt. Reifen sind neue Contis mit jetzt 120km, aber das Problem war ja auch schon mit den alten Reifen vorhanden.

Also als Nächstes die Vorspannung nochmal erhöhen.
 
Ich stelle das LKL immer so ein das, wenn alles montiert ist der Lenker ab halben Lenkeinschlag von alleine nach rechts oder links fällt. Bis zum halben Lenkeinschlag bleibt der Lenker in der jeweiligen Stellung stehen. Dabei Hemmnisse wie Kabel und Leitungen berücksichtigen bzw. eleminieren.
 
Hallo Timo,

hast Du mal kontrolliert, ob das Fett in den beiden Lagern noch geschmeidig und nicht zäh wie Honig ist?

Stark eingedicktes Fett kann das Fahrverhalten beeinflussen.

Falls da alles o.k. ist, dann vergiß meinen Beitrag.
 
Also als Nächstes die Vorspannung nochmal erhöhen.
sofern das Lenkkopflager spielfrei mit leichter Vorspannung eingestellt ist, würde ich das weitere Erhöhen der Vorspannung als lagerzerstörende Brutalomethode bezeichnen. Kann man machen. Meine Empfehlung: Sich erstmal mal der Lagerung von Hinterradschwinge und Rad widmen.

Gruß Gerd
 
Und weiter geht’s! Ich sammle definitiv Erfahrung :D
Mit der weiteren Vorspannung hat sich das Problem nicht beheben lassen. Aber das Fahrverhalten ist nach meinem Geschmack deutlich schlechter geworden und hat mir gar nicht zugesagt. Immerhin weiß ich jetzt wie sich das anfühlt.

Die nächsten Schritte sind jetzt also:

Alles aufmachen und nachschauen wie es dem Fett und den Lagern geht.

Der Lagerung von Schwinge und Rad widmen. @KRAWO , was genau meinst du damit? Das alles in Flucht und Ordnung steht?

Schönen Abend in die Runde
 
Hi,

ich bin eigentlich immer noch bei den Reifen, in den vielen Jahren mit vielen verschiedenen Motorrädern habe ich da so einiges erlebt.
Wenn sonst alles in Ordnung ist, auch hinten, bleibt eigentlich nichts anderes als Reifen.
Ich hatte auf meine RS mal Dunlop TT100* aufgezogen, die war damit praktisch unfahrbar, der gleiche Reifentyp auf meiner Guzzi Convert aber tadellos fahrbar. (*Ist lange her, war 100/90 vorn und 110/? hinten, meine ich)

Gruß
Willy
 
Hallo,

Das Fehlerbild ist im Eingangsbeitrag nur grob beschreiben. Wenn es sich hier um ein "Shimmy" handelt, ist meine Erfahrung folgende:

  • Die R100R/R100R Mystic sind dafür m.M. generell anfällig. BMW hat ihnen das wohl mit der Fahrwerksgeometrie in die Wiege gelegt.
  • Auslöser sind dann: Abgefahrene Reifen, Höhen- oder Seitenschlag bei Felgen/Reifen, Wuchtung.
  • Ich habe zwei R100R und eine Mystic, die sind alle drei anfällig dafür. Die erste R100R die ich 1992 neu kaufte, war mit neuen Vorderreifen unauffällig, wenn sie abgefahren waren, war es teilweise nervig. Die zweite R100R verhält sich ähnlich. Die Mystic hat das aktuell auch mit neuen Reifen (die gleichen die bei der zweiten R100R gut fahren).. Die haben minimalen Seitenschlag. Vermutlich wird das dadurch ausgelöst Echt nervig, Für mich einer der Gründe. weshalb ich lieber R100GS fahre, dort ist mir der Fehler noch nicht begegnet. Und da habe ich auch mehrere, mit unterschiedlichen Reifen, auch stark abgefahrene. .
  • Das etwas stärker vorgespannte LKL (das dadurch als "Lenkungsdämpfer" mißbraucht wird), lindert das etwas, ist technisch m.M aber Murks.
Gruß
Marcus
 
Zuletzt bearbeitet:
Meine R80GS (lila WasserrohrGS) hatte „Schimmy“ schon im Neuzustand bei 50-70 km/h . Teilweise recht spektakuläres Lenkerschlagen . Man musste genau die richtige Gegenhaltekraft finden .

Das wurde bei der 1000er Inspektion durch leichtes Erhöhen der Lagerungvorspannung erhöht.
 
Fehlerbild wurde eingangs nur sporadisch beschrieben da ich anfangs dachte, dass sei eine klare Sache…

Fehlerbild:
Es ist zwischen ca. 55-80km/h ein flattern bemerkbar, welches den Höhepunkt irgendwo bei 70 erreicht.

Beschleunigen, ausrollen lassen, ein- und ausgekuppelt - das macht alles keinen Unterschied. Es taucht immer in diesem Geschwindigkeits-Fenster auf.

Das war von Anfang an schon (sprich: seit ich die BMW habe), wobei ich glaube, dass es jetzt stärker ist. Zu Beginn dachte ich, dass der Reifen vielleicht einen Standplatten hatte.

Letzten Sommer wurde die Gabel geserviced. Im Winter Continental Road Attack 3 und ein YSS-Federbein verbaut.

Ursprünglich wollte ich dann die Felge auf einen Höhenschlag/ Seitenschlag überprüfen, bin dann aber bei der Recherche auf das Shimming gestoßen. Da war eben auch die Rede von „flattern“ in einem bestimmten Geschwindkeits-Bereich.
In dem von @mk66 verlinkten Artikel ist das Flattern um die Lenkachse beschrieben.

Wenn ich jetzt noch einmal genau darüber nachdenke, wie sich mein Flattern anfühlt, dann ist es eventuell auch eher ein hoppeln.
Ich werd die Felge jetzt mal mit einem Bekannten ausmessen.
 
Guten Morgen, meine GS fährt sich erst richtig, nachdem ich den Gabelstabilisator gegen den deutlich dickeren Edelstahlstabilisator von BMW Israel ausgetauscht habe. Viele Grüße, Harold
 
Hallo,

nach meinen Erfahrungen sind zunächst alle 4 Kegelrollenlager und die Auswuchtung vom Hinterrad zu überprüfen. Besonders die Kegelrollenlager an der Hinterradschwinge - HAG sind extrem empfindlich. Die gehen schon vom blanken ansehen kaputt.
Wenn die Kegelrollenlager an der Gabel Druckstellen haben, austauschen. Beim Anziehen der Kontermutter gehe ich immer ein Stück zurück mit der Vorspannung, damit das Gewindespiel ausgeglichen wird.

Gruß
Walter
 
Ausmessen?
Dreh das Rad doch im eingebauten Zustand von Hand, Höhen- oder Seitenschlag sieht man recht deutlich.
Ich hatte so ein Flattern bei der 78er RS immer in Autobahnkreuzen in Deinem Geschwindigkeitsbereich, mit Lenkungsdämpfer weniger als ohne.
Es hing damals mit dem Metzeler ME 33 zusammen, welcher ein steiferes Profil als der sonst von mir eingesetzte ME11 hatte.
Beim ME11 hat die nie geflattert, neigte aber mehr zum Pendeln bei höherem Tempo.
Ein voller Tankrucksack hat auch geholfen, das starke Flattern des Lenkers zu unterbinden.
Überprüfe aber definitiv mal, ob die Schwingenlager und Radlager korrekt eingestellt sind, das geht ja schnell.
 
Hallo,
hier sind Ursachen für Fahrwerksunruhen und deren Beseitigung ausführlich beschrieben-

Ich fahre auch eine R100R und hatte nie die von manchen hier angesprochenen Probleme.
Diese hat das stabilste Fahrwerk aller 2 Ventiler und liegt ruhig und satt auf der Straße.
Fuhr auch verschiedenste Reifen und nun seit einigen Jahren den Conti Road Attack, der bisher besten Reifen. (y)
 
Zuletzt bearbeitet:
...
Wenn ich jetzt noch einmal genau darüber nachdenke, wie sich mein Flattern anfühlt, dann ist es eventuell auch eher ein hoppeln.
Ich werd die Felge jetzt mal mit einem Bekannten ausmessen.
Ein Hoppeln hatte ich auch einstmals an meiner R100R verspürt. Das ist mir nach einem Reifenwechsel aufgefallen und ich habe die Reifen neu wuchten lassen. Wenn mich mein Gedächtnis nicht im Stich lässt und gemäß meinen Aufzeichnungen war die Kardanwelle das Problem. Hier hat sich ein Lager im Gelenk verabschiedet. Die Reifen jedenfalls waren okay.

Auf den Hauptständer stellen, Leerlauf rein, das Hinterrad langsam drehen, lauschen und spüren.

Gruß Bernhard
 
Der Lagerung von Schwinge und Rad widmen. @KRAWO , was genau meinst du damit?
salop gesagt, prüfen, dass nix wackelt.
Und als Unterhaltung dazu, eine kleine Geschichte aus anodunnemals Zeiten: Meine -5 Kurzschwinge hatte Lenkerpendeln, das habe ich einfach auf der Autobahn mit dem einstellbaren Reibungs- Lenkungsdämpfer minimiert. Doch eines Tages entwickelte sich aus dem Pendeln urplötzlich ein heftiges Lenkerschlagen. Die Fuhre geriet jetzt völlig außer Kontrolle, schlug Haken wie ein Karnickel auf der Flucht, der Rahmen verwand sich wie aus Gummi und ich konnte mich nur noch verzweifelt an den Lenker klammern, um nicht abgeworfen zu werden, unfähig kontrolliert Gas und Bremse zu betätigen. Glücklicher Weise trat irgendwie wieder Ruhe ein, sodass der entsetzte Chauffeur wieder tief durchatmen konnte. Ursächlich war eine schlackernde Lagerung der Hinterradschwinge am Neuerwerb.

Gruß Gerd
 
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