R65 Typ 248: Metallisches Klacken im Schiebebetrieb (jetzt mit Video des Geräuschs)

... Lässt sich der Gummibalg mit eingebauter Schwinge zur Diagnose problemlos abziehen und auch wieder montieren? ...
Hallo Jörn,

würde die Klemmschelle an der Getriebeseite lösen und den Balg zurück schieben. Dann schaust Du auf das Kreuzgelenk und kannst es kontrollieren.
Den Anzug der vier Schrauben würde ich bei der Gelegenheit auch überprüfen.

Zur Montage kann es sinnvoll sein, die beiden Federbeine auszubauen, das Rad anzuheben, damit die Schwinge zur Getriebeausgangswelle fluchtet. Erleichtert die Montage des Balgs.
 
Hallo!
Nach dem Video hab ich die Vermutung, daß evtl. ein Fremdkörper im Kardantunnel liegt und ab und an günstig liegt und Geräusche verursacht. Den Antriebsstrang im Tunnel würde ich prüfen. Am besten du machst auch den Endantrieb ab um den Ruckdämpfer zu sichten.
 
Das mit den Schrauben ist auch eine idee. Wenn er den Gummibalg zurückzieht sieht er ja ob noch alle 4 Schrauben da sind .Ansonsten käme nur noch der Ruckdämpfer in der Schwinge in Frage.
Manfred
 
Hallo zusammen,

ich habe heute das trockene Wetter genutzt und eine weitere Probefahrt gemacht, um das metallische Geräusch näher einzugrenzen.

Nach etwa einer Stunde Fahrzeit trat das Geräusch dabei wieder auf. Es hat sich zunächst leicht bemerkbar gemacht und ist dann im weiteren Verlauf der Fahrt zunehmend lauter geworden. Auffällig ist, dass es diesmal nicht nur im Schiebebetrieb zu hören war, sondern auch beim normalen Fahren und unter Beschleunigung.

Das Geräusch wurde so laut, dass ich es auf der Landstraße bei 70 km/h trotz Windgeräuschen und Helm wahrnehmen konnte. Es lässt sich am besten als Gemisch aus metallischem Knarzen, Schaben, Reiben und Klacken beschreiben.

Folgende Punkte konnte ich dabei sicher ausschließen:
  • Betätigung der Vorderradbremse: kein Einfluss
  • Betätigung der Hinterradbremse: kein Einfluss
  • Kupplung gezogen oder nicht: kein Einfluss
  • Beschleunigen oder Schiebebetrieb: kein Einfluss
Als das Geräusch immer lauter wurde, hat sich das Fahrverhalten im Heck irgendwie diffus und schwammig angefühlt. Ich bin mit mit dem andauernden Geräusch dann mit 30 km/h vorsichtig bis in die nächste Ortschaft gefahren. Von dort habe ich das Motorrad per Anhänger nach Hause gebracht.

Was mich sehr irritiert: Nach etwa 20–30 Minuten Standzeit zu Hause habe ich das Motorrad abgeladen. Dabei konnte ich keine Geräusche mehr hören. Eine anschließende ca. 200 Meter die Straße auf und ab gefahrene Testfahrt blieb komplett ohne jegliches Geräusch.

Das Verhalten tritt also erst nach längerer Fahrzeit auf, verschwindet aber nach kurzer Abkühlphase wieder vollständig. Ich kann mir aktuell keinen Reim darauf machen.

Da sich der Zustand gefühlt jedoch zunehmend verschlimmert, werde ich nicht mehr fahren sondern jetzt den gesamten Antriebsstrang demontieren und prüfen.

Aktuell gehe ich davon aus, dass meine Motorradsaison für dieses Jahr damit vermutlich vorzeitig beendet ist.

Viele Grüße
Jörn
 
Hallo Jörn,
ich wäre so keinen einzigen Meter mehr gefahren, dabei kann nur noch mehr kaputt gehen. :schock:

Siehe auch #36 von Manfred
Ob sich vielleicht eine Schraube des Kardanflansches gelöst hat lässt sich auch von außen am Gummibalg ertasten.
Dazu das Hinterrad langsam drehen, dabei merkt man falls eine der 4 Schrauben fehlt, sich in den Kardantunnel verabschiedet hat und dort rumklackert.
 
... Da sich der Zustand gefühlt jedoch zunehmend verschlimmert, werde ich nicht mehr fahren sondern jetzt den gesamten Antriebsstrang demontieren und prüfen. ...
Gute Entscheidung!

Hast Du denn mal den Gummibalg am Getrieb abgezogen und da rein geschaut? Ist doch nur eine Angelegenheit von wenigen Minuten. Nicht daß die Vermutung von Fritz zu trifft!
 
Hallo zusammen,

ich habe heute viel an meiner R65 zerlegt und demontiert, um die Ursache des Geräusches zu finden.


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Zunächst ist mir folgendes aufgefallen:

Motorbefestigung

  • vordere rechte Mutter des Motorhaltebolzens fehlt
  • Unterlegscheibe war jedoch vorhanden und "pappte" am Rahmen
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Hinterradbefestigung

  • Steckachsmutter war leicht gelöst, Mutter und Dichtung waren noch vorhanden
  • Da sich die Mutter in der Vergangenheit schon einmal gelöst hatte und ich dadurch die Mutter und Unterlagscheibe beim Fahren verloren hatte,, hatte ein neue Teile verbaut und die Mutter zusätzlich mit Loctite gesichert. Die Ausrichtung hatte ich mit gelbem Lackstift markiert.
  • Am Hinterrad war in diesem Zustand leichtes seitliches Spiel vorhanden
  • Beim Drehen war unabhängig von der Bremse ein erhöhter Widerstand zu spüren
  • nach dem Anziehen der Mutter war das Speil beseitigt und der Spalt zwischen Felge und HAG betrug 2 mm
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Ölmengen und Zustand des Öls

  • Öl des HAG abgelassen: sauber, kein Abrieb, Ölmenge waren 330 ml (vor 2 Wochen hatte ich jedoch 350 ml eingefüllt), kein Abrieb am Magnet der Ablassschraube
  • Öl der Schwinge abgelassen: ca. 100 ml liefen heraus (vor 2 Wochen 150 ml eingefüllt), jedoch sind beim Zurückschieben des Gummibalgs ca. 40 ml Öl ausgelaufen; Ölzustand: leicht dunkel, geringer Anteil von feinen glitzernden Partikeln
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Dann habe ich mit der Hinterradbremse den Antrieb blockiert und die Schrauben der Kardanwelle zum Getriebe gelöst. Anschließend habe ich da Hinterrad entfernt.

Hinterradlagerung / Hinterachse

Linke Seite

  • Kegelrollenlager: Lagerkäfig gebrochen, Kegelrollen beschädigt
  • Innenring war auf Steckachse festgefressen, musste zur Demontage aufgeflext und mit Schraubenzieher gesprengt werden
  • Dichtring: Gummi hart, kein dichter Sitz mehr
  • Druckstück: Rille im Dichtbereich
  • Außenring: leichtes Pitting
  • Lagersitzbereich: beginnendes Rostpitting
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Rechte Seite

  • Kegelrollenlager: beginnendes Rostpitting
  • Dichtring: verhärtet
  • Druckstück: leichte Einlaufspuren
  • Außenring: leichtes Pitting
  • Lagersitzbereich: unauffällig

Steckachse

  • Achse war zunächst nur drehbar, konnte aber nicht nach links herausgezogen werden
  • nach dem Ausbau festgestellt, dass sie im Bereich des linken Lagersitz stark eingelaufen ist


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Aufgrund der Beschränkung auf 25 Bilder, setze ich den Text in einem zweiten Beitrag weiter fort...
 

Hinterrad / Felge

  • Mitnehmerverzahnung: optisch soweit einsehbar kein Verschleiß an den Zähnen, jedoch Öl im Zahnbereich
  • Trommelbremsfläche: optisch unauffällig, jedoch leicht ölig
  • gesamter Bereich: leichter Öleintrag vorhanden
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Trommelbremse

  • Bremsschuhe: leicht ölig, ansonsten unauffällig
  • Federn: intakt
  • Dämpfungsgummi: intakt
  • Funktion: Bremse wirksam (Rad blockierbar)
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Hinterachsgetriebe (HAG)

  • im ausgebauten Zustand: leichtgängiger Lauf, keine Geräusche, kein fühlbares Spiel
  • Eingangsverzahnung von der Kardanwelle: unauffällig
  • Mitnehmerverzahnung: leichter Verschleiß an den Zähnen ( gschätzt ca. 0,3 mm) Verzahnung innen und außen ölfeucht
  • Öl tritt Innen im Bereich der Mitnehmerverzahnung aus: vermutlich Dichtring im Bereich Nadellager defekt
  • Ablassgewinde für das Öl der Schwinge) beschädigt: die Gewindegänge können mit spitzem Pickwerkzeug bewegt werden beweglich
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Kardanwelle / Schwinge

  • Schrauben Kardan zum Mitnehmerflansch: Schrauben vorhanden und festgezogen, drei Schrauben mit grüner Farbe markiert
  • Kreuzgelenk: kein Spiel fühlbar, gleichmäßiger Lauf ohne Ruckeln
  • Verzahnung der Kardanglocke zum HAG: unauffällig, kein außergewöhnlicher Verschleiß erkennbar
  • im Kardantunnel soweit von außen einsehbar: keine Fremdkörper sichtbar
  • Schwinge konnte ich noch nicht demontieren, weil mir aktuell noch die spezielle dünne 27er Nuss fehlt
  • Der auf den viertel Bild markiere Bereich mit den zwei Strichen, verdeutlicht den Winkel in dem ich das Kreuzgelenkt mit einem Ringschlüssel drehen konnte, obwohl die Fußbremse betätigt war. Vermutlich ist dies der Bereich wo der Knagendämpfer aktiv ist.

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  • Schwingenausrichtung (Abstand zum Rahmen)
  • rechts: 43 mm
  • links: 37 mm

Getriebe (konnte noch nicht demontiert werden)

  • Kreuzschlitzschraube auf der Oberseite sitzt fest
  • die unmittelbare Umgebung der Sechskanstschraube für den Luftfilterkasten war leicht ölfeucht
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Radlagerung am Vorderrad

  • Kegelrollenlager: beidseitig: beginnender Rost am Käfig
  • Dichtungen: auf beiden Seiten verhärtet / nicht geschmeidig
  • Druckstücke: auf beiden Seiten leichte Einlaufspuren
  • Lagersitze (Felge): minimal beginnendes Rostpitting
  • Steckachse vorne: guter Zustand, keine Auffälligkeiten
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Das defekte bzw. totalzerstörte Lager hinten links passt zu meinen Symptomen und könnte meine wahrgenommen Geräusche erklären:
  • Schaben / Reiben → Metallkontakt ohne Wälzkörperführung
  • Knarzen / Quietschen → Trockenlauf + Überhitzung
  • Klacken → Käfigreste / lose Rollen wandern durch den Lastbereich
Es würde auch erklären, warum die Geräusche immer erst nach längerer Fahrtzeit aufgetreten sind, dann schlimmer wurden und nach kurzem Abkühlen wieder verschwunden sind.

Auch mein Gefühl des "schwammigen Hecks zum Ende der letzten Fahrt könnte sich durch die gelöste Mutter der hinteren Steckachse erklären lassen. Möglicherweise hat sich die Mutter trotz Loctite durch das fressende Lager irgendwie gelöst.

Die gelöste Mutter am vorderen rechten Motorhaltebolzen halte ich eher für ein Symptom der Vibrationen, als für eine (Mit-)Ursache meines Geräusches.

Insgesamt sehen auch die anderen drei Radlager nicht mehr so gut aus. Ich vermute dass in den letzten 45 Jahren irgendwann die Dichtungen der Radlagerung hart wurden und dadurch Feuchtigkeit oder Dreck eindringen konnten.

Dazu ist die innere Dichtung des HAG defekt, da aus dem Inneren der Mitnehmerverzahnung Öl ausgetreten ist.

Sobald ich die Schwinge demontiert habe, demontiere ich dort die Kardanwelle, um mir die Feder und die Lauflächen des Knagendämpfers anzusehen. Hier vermute ich die Ursache meiner feinen glitzernden Partikel im Schwingenöl. Gleichzeitig kann ich im demontierten Zustand das Kreuzgelenk besser überprüfen. Das Material um mein eigenes Spezialwerkzeug zu bauen (Gewindestange und Vierkantstahl) habe ich bereits besorgt.

Da ich jetzt sowieso dabei bin und mich damit abgefunden habe, in dieser Saison nicht mehr zu fahren, werde ich auch noch das Getriebe demontieren und mir die Kupplung anschauen.

Das HAG möchte ich bei Patrick @Elefantentreiber neu abdichten bzw. überholen lassen. Ich muss mal anfragen, ob er auch den Wechsel der Radlagerung durchführen könnte. Hier fehlen mir die entsprechenden Innenauszieher, Presswerkzeuge sowie ein Distanzstück-Sortiment. Eventuell kann er auch einmal einen Blick in mein Getriebe werfen bzw. überholen. Dann wäre der gesamte Antriebsstrang aus einer Hand überholt.

Ich demontiere also als nächstes die Schwinge und das Getriebe und schaue dann wie ich weitermachen werde. Gleichzeitig nutze ich die Gelegenheit um meine neue Ignitech-Zündung zu montieren und zu verkabeln.

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Ich werde weiter berichten.

Viele Grüße
Jörn
 
Na da hast du typische Baustellen gefunden.
Meiner Meinung nach entstehen diese Schadensbilder gern durch Hochdruckreinigung zusätzlich zum Alter ohne Nachschmierung. Dann sind meist auch andere Stellen betroffen, wenn da jemand mal ordentlich sauber gemacht hat.

Viel Erfolg bei der Instandsetzung.
 
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