mk66

Nr. 121
Hallo zusammen,

ich muss mal zu einer Elektro-DAU Frage das Schwarmwissen des Forums bemühen:

  • ich habe in der Werkstatt einen Polierbock mit 230 V (einphasig) Induktionsmotor mit 750 W, so ein China Teil wie das hier.
  • Der Motor dreht 3000 U/min.
  • Das Teil funktioniert für Hobby Zwecke ausreichend, z.B. bei Alu und Edelstahl, nur bei Kunststofteilen ist die Umfangsgeschwindigkeit bei 200mm Scheiben und den 3.000 U/min zu hoch. Je nach Material schmilzt das schnell an den Scheiben.
  • Ich hätte nun gerne eine Möglichkeit die Drehzahl herunterzuregeln, vielleicht auf 1.000 U/min, ohne dass die Leistung komplett zusammenbricht.
  • So wie ich es verstanden habe brauche ich einen "Frequenzumformer", richtig?
  • Was kaufe ich sowas am besten, worauf muss ich achten und gibt es das auch als Plug an Play "Zwischenstecker"-Lösung (vermutlich nicht, weil an der "Phase" regeln muss und nicht am Null-Leiter?) .
Gruß
Marcus
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Marcus, bei einem bekannten Stabmixer mit Swiss Made Image ist das überraschend einfach gelöst. In Stufe 1 fließt der Strom über eine Diode zum Motor, in Stufe 2 fließt er direkt. Das sorgt in Stufe 1 für ein "unrundes" Laufgeräusch, funktioniert aber sonst problemlos. Lieber etwas überdimensional oder zwei parallel.
 
Moin Marcus,
habe mir im vergangenen Jahr für eine Drehzahlregulierung meiner Schleifmaschine pp. einen Speedcontroler bei Amazon gekauft (Gerät einfach in Steckdose des Controlers einstecken). Ist ein China-Kracher und war recht günstig. Hatte ihn gleich bei allen möglichen "sich drehenden Maschinchen" in der Werkstatt, die keine eigene Drehzahlregulierung haben, ausprobiert und es klappte recht gut. Irgendwann war bei sehr geringer Drehzahl Schluss, d. h. das Gerät schaltete damm ab, generell ging es jedoch ganz gut (wobei ich es auch recht selten benötige).
Vieleicht ist das ja etwas für dich,

besten Gruß,

Stephan

Speedcontroler.jpg
 
Irgendwann war bei sehr geringer Drehzahl Schluss, d. h. das Gerät schaltete damm ab, generell ging es jedoch ganz gut (wobei ich es auch recht selten benötige).
Das Teil dürfte eine Stromüberwachung haben, d.h. bei sehr niedrigen Drehzahlen reicht irgendwann die Spannung nicht mehr aus (der Strom schnellt in die Höhe), um den Motor anzutreiben. Dann schaltet das Teil vernünftigerweise ab.

Funktionieren tun die Teile meist mit einer Phasenanschnittssteuerung, d.h. schalten den Strom erst durch, wenn die Phase (Sinuswelle) schon fortgeschritten ist.

Link Wiki


Hans
 
Nun in dieser Schleifmaschine ist ein Asynchron Elektromotor verbaut. Dieser ist Frequenzkommutiert. Würde man die Netzfrequenz halbieren hätte man so die halbe Drehzahl. Theoretisch. Schlupf nicht eingerechnet.

Man kann die Stromaufnahme mit einer Phasenanschnittsteuerung verringern. Der Effekt dass der Motor dann stark an Leistung verliert ist dann aber vorhanden.

Für eine gewünschte Drehzahlregelung würde ich keinen Asynchronen Elektromotor verwenden sondern eine Bohrmaschine mit einem Reihenschlussläufer oder Nebenschlussläufer. Hier kann man mit Hilfe der Betriebsspannung die Drehzahl verändern.

Eine alte AEG oder Fein 2 Gang Bohrmaschine ist dafür ideal.

Und dazu dann ein 50Hz Regeltrafo mit einem Einstellbereich von 0 - 250V AC
 
Es geht natürlich schon auch die Drehzahl bei einer 3P Asynchronmaschine zu verändern, das ist dann der sogenannte Dahlandermotor.

Hier werden die Statorwicklungen für Langsam-Betrieb in Serie geschaltet und im Schnell-Betrieb parallel.

Das ist aber für hier zu kompliziert und findet in einfachen Werkstattprodukten für den Heimwerkermarkt keine Anwendung.
 
Hallo,

Vielen Dank für die Antworten. Ich hatte gestern Abend selbst noch viel recherchiert zu den Typen bei Elektromotoren und den Möglichkeiten, diese zu steuern. Jetzt habe ich eine grobe Vorstellung. Meine Ergebnisse laienhaft zusammengefasst:

  • Die letzten Beiträge vom Dieter gehen in die richtige Richtung, nur dass der Motor meines Polierbocks kein 400V Asynchronmotor ist (der läuft mit 400 V Drehstrom, drei Phasen), sondern ein "Kondensatormotor" (der ist im Fuß verbaut). Das ist eine Variante für Betrieb an einer Phase (230V Haushaltsstrom). Mit dem Kondensator erreicht man eine "Phasenverschiebung", damit im Elektromotor eine ihrer beiden Wicklungen im Stator ihr Magnetfeld versetzt aufbauen und der Motor problemlos anläuft und im Betrieb gutes Drehmoment erzeugt.
  • Die Drehzahl ergibt sich bei dieser Konstruktion aus der Netzfrequenz. Ähnlich wie bei den 400 V Synchronmotoren, die keinen Kondensator benötigen, weil hier aus dem Netz drei versetzte Phasen verwendet werden.
  • Eine gute Drehzahlregelung, bei der Motor nicht allzuviel Drehmoment verliert, ist beim 230V Kondensatormotor wohl gar nicht möglich. Bei den 400 V Synchronmotoren kann man Frequenzumformer verwenden, beim Kondensatormotor passt dann die Dimensionierung des Kondensors dann nicht mehr. Je mehr man von der konstruktiven Drehzahl des Motors abweicht, desto schlechter läuft er. Phasenanschittsregler funktionieren wohl teilweise, kosten aber Drehmoment, deshalb bleibt der Motor dann bei geringer Drehzahl einfach stehen oder läuft nicht von selbst an oder ruckelt und hat wenig Kraft.
Mein Fazit: Ich werde es einfach bleiben lassen. Kleinere Polierscheiben kann ich auch in meine größere Standbohrmaschine einspannen. Das ist zwar auch nicht optimal, aber der Drehzahlbereich ist mit dem Keilriemengetriebe sehr groß. Eventuell hole ich mir mal so einen China Frequenzumrichter und probiere das mal. Ein gutes Ergebnis erwarte ich eher nicht.

Btw: Nebenerkenntnis: Die beliebte "Steinmetz"-Schaltung, die einen Betrieb eines 400V Drehstrommotor an einphasigem Wechselstrom ermöglicht, ist auch eher ein Hilfskonstrukt mit Nachteilen.

Und einen netten Spruch habe ich noch bei meiner Suche gefunden: "Gott bewahre mich vor Sturm und Wind, und Motoren die einphasig sind..." Hmm :(

Gruß
Marcus