Ich mache mal ein kleines Gedankenexperiment, hier bitte seitens Wolfgang (Wolfgang H.) und Frank (FrankR80GS) mit einem besonders kritischen Blick darauf schauen.
Nehmen wir mal an, dass ein Gebinde mit 250 ml BF zur Hälfte für einen Wechsel benutzt und das Behältnis danach wieder fest verschlossen wird. Es gelten folgende Voraussetzungen:
- Der Behälter ist dicht, d.h. es erfolgt keinerlei Austausch mit der Umgebung
- Der Behälter wird bei 20 Grad dunkel ganzjährig aufbewahrt und bleibt unangetastet
- Der Behälter wird nach zwei Jahren wieder geöffnet
- Im Behälter befindet sich zu Beginn bzw. Kauf 250 ml BF mit 0% Wasseranteil, die eingeschlossene Restluft im Behälter ist ebenfalls "trocken"
Um mir das rechnen etwas einfacher zu machen, gelten folgende Annahmen
- 1 m3 Luft entspricht 1.000 Liter Wasser (Flüssigkeit)
- 1 Liter BF entspricht 1 Liter Wasser
- 1 mg entspricht 1 ml
Bremsflüssigkeit darf maximal einen Wasseranteil von 3,7% haben (
Quelle 1 Wicki)
Des weiteren hat ein m3 Luft folgenden Anteil an Wasser (in g bei einer bestimmten relativen Luftfeuchtigkeit): (
Quelle 2 Wicki)
Anhang anzeigen 398501
Was passiert, wenn aus dem Behälter die Hälfte entnommen wird, d.h. wie hoch könnte theoretisch durch die hineinströmende Luft der Wasseranteil in der Bremsflüssigkeit sein.
Hier nun eine Annahme, die physikalisch gar nicht möglich ist: Der Wasseranteil der Luft geht
komplett in die Bremsflüssigkeit über.
- Dose [ml] 250,00 ml
- Restflüssigkeit [ml] 125,00 ml
- "Luft" [ml] 125,00 ml
- Max- Menge Wasser in BF [%] 3,70%
- Anteil Wasser in BF [ml] 4,63 ml
- Anteil Wasser in BF [mg] 4,63 mg
Nimmt man die Tabelle oben, so ergäben sich folgende Werte
- 30 Grad / 100% Luft im Behälter [mg] 3,7975 mg Wassereintrag in BF
- 20 Grad / 100% Luft im Behälter [mg] 2,1500 mg Wassereintrag in BF
- 20 Grad / 80% Luft im Behälter [mg] 1,2875 mg Wassereintrag in BF
- 20 Grad / 80% Faktor Sicherheit -72%
Im Schnitt hat z.B. Jena eine rel. Luftfeuchte zwischen 68% und 81%, Schnitt 75% (
Quelle Hochschule Jena), wobei um die Mittagszeit auch nur 7% gemessen wurden. Annahme: 60% rel. Luftfeuchte.
Damit würde ein halb leerer BF-Behälter unter der Annahme, dass bei der Aktion 20 Grad und 60% Luftfeuchte herrschen ca. 1,3 mg Wassereintrag im Gebinde maximal nachweisbar sein. Was 72 % weniger wäre, als die 3,7% Regel vorgeben würde.
Bei Bedingungen mit 30 Grad Temperatur und 100% Luftfeuchte (Nebel) käme man schon an 3,8 mg, d.h. da wären die Reserven schon deutlich geringer.
Die gleiche Rechnung mit einem nahezu leeren Behälter (50 ml Restflüssigkeit BF) ist ein möglicher Wassereintrag bei 60% rel. Luftfeuchte und 20 Grad um 11% überschritten.
WICHTIG: Alle Werte oben sind theoretische Werte und zeigen max. Grenzwerte auf.
Interessant an den Werten finde ich den Zusammenhang von rel. Feuchte, Temperatur und Wasseranteil - d.h. bei Regen oder Nebel eher keinen Wechsel machen. Und auch klar ist, dass ein Mini-Rest zur Nutzung ausgeschlossen werden sollte.
Ich hoffe, dass das kleine Rechenbeispiel in der Einschätzung helfen kann.
Was nicht betrachtet wurde: Die mögliche Zersetzung des Gebinde, dazu habe ich leider nichts gefunden.
Hans