doodoo

R 100 R Mystic Bj. 94
Hallo zusammen,
ich brauche mal eure Einschätzung zu einem altbekannten, aber bei mir frisch diagnostizierten Paralever-Phänomen an meiner R 100 R (Baujahr 1994).
Seit dem letzten Ölwechsel vor zwei Jahren (ca. 4.000 km) drückt meine Q immer mal wieder etwas Öl aus der schwarzen Entlüftungskappe am Hinterachsgetriebe (HAG). Ich habe das Öl nun abgelassen und – um es ganz genau zu wissen – präzise abgewogen. Das Ergebnis: Es kamen stolze 335 Gramm Öl aus dem HAG (Soll wären ja ca. 260 ml / 231 g).
Ein anschließender Blick ins Schaltgetriebe brachte die Bestätigung: Dort fehlt spürbar Öl. Es liegt also der klassische Fall von Ölwanderung vor – der Getriebeausgangs-Simmerring ist nach über 30 Jahren wohl fällig. Befüllt ist aktuell alles mit mineralischem Rektol 80W-90 GL-5.
Bevor ich den großen Rundumschlag starte, wollte ich mal in die Runde fragen, wie ihr das handhabt:
  1. Weiterfahren oder sofort zerlegen? Da ich im Jahr nicht extrem viel fahre, überlege ich, das Getriebe einfach regelmäßig aufzufüllen, hinten das Überschüssige abzusaugen und die Reparatur in den Winter zu schieben. Wie kritisch seht ihr das für die (trockene) Kardanwelle, wenn da dauerhaft etwas Öl im Schwingentunnel steht?
  2. Welcher Dichtring hält dauerhaft? Soweit ich weiß, gab es von BMW mal eine modifizierte Version (Viton/braun mit zusätzlicher Lippe). Welche Teilenummer oder welchen Dichtring von den bekannten Verdächtigen (Siebenrock, Rabenbauer und Co.) empfehlt ihr heute, damit danach wirklich Ruhe ist?
  3. Spezialwerkzeug zwingend nötig? Den Ausbau von Schwinge und Getriebe traue ich mir mit Standardwerkzeug zu. Aber kommt man an den Simmerring hinter dem Flansch ran, ohne riesigen Maschinenpark, oder schicke ich das Getriebe dafür lieber gleich zu einem der bekannten Foren-Spezialisten?
Ich freue mich auf eure Tipps, Teilenummern und Erfahrungsberichte!

Viele Grüße
 
Hallo,

die Dichtung am HAG zu wechsel ist mit dem passenden Werkzeug schon recht kompliziert genug. Der Simmering von BMW reicht.
Würde ich nicht unbedingt selbst zu machen, empfehlen.

Gruß
Walter
 
Es liegt also der klassische Fall von Ölwanderung vor – der Getriebeausgangs-Simmerring ist nach über 30 Jahren wohl fällig
Moin Andreas.
Da wäre ich mir nicht so sicher.
Dir ist bekannt, daß die Paralver-Kardanwelle in einem trockenen Tunnel läuft ?
Also erstmal den vorderen Gummibalg ab und ein Auge nehmen...
 
Wie Stephan schon schrieb, läuft die Kardanwelle bei den Paralevern trocken in der Schwinge.
Ich würde die Schelle am hinteren Gummibalg der Schwinge lösen und nachschauen, ob dort Öl steht.
Wenn nicht, wandert auch nix.
 
Kann ich so weiterfahren ohne dass was passiert und das Öl im HAG und Getriebe immer kontrollieren?
 
HI Andreas wie viel KM. hat das Getriebe drauf! weil die Paralever Kardanwelle sollten schon trocken sein bei mir war der SImmerring bei ca 67000 undicht habe ich das Getriebe Überholen lassen u langen 5Gang einbauen Lassen u seit dem ist es OK mfg Franz
 
Hallo Andreas,

es würde mich wundern, wenn Öl aus einem defekten Dichting an der Getriebeausgangswelle durch einen gleichzeitig defekten Dichtring am HAG-Eingang in das HAG reinlaufen würde. Das wäre sehr kurios!

Der erste Schritt zur Analyse wurde schon genannt: ist der bei der R100R als Trockenraum geplante Teil im Kardantunnel trocken oder schwimmt er im Öl?

Herzliche Grüsse, Andreas
 
Hallo Andreas,

es würde mich wundern, wenn Öl aus einem defekten Dichting an der Getriebeausgangswelle durch einen gleichzeitig defekten Dichtring am HAG-Eingang in das HAG reinlaufen würde. Das wäre sehr kurios!

Der erste Schritt zur Analyse wurde schon genannt: ist der bei der R100R als Trockenraum geplante Teil im Kardantunnel trocken oder schwimmt er im Öl?

Herzliche Grüsse, Andreas
Das ist doch ganz einfach, das Öl das durch den defekten Wedi, oder gar der defekten Lagerung in die Schwinge läuft, wird quasi durch den Wedi am HAG rein befördert.

Der Eingangs-Wedi hat einen Rückförderdrall, wenn da das Öl an der falschen Seite ansteht, fördert der rein, der muss nicht kaputt sein.
 
Das ist doch ganz einfach, das Öl das durch den defekten Wedi, oder gar der defekten Lagerung in die Schwinge läuft, wird quasi durch den Wedi am HAG rein befördert.

Der Eingangs-Wedi hat einen Rückförderdrall, wenn da das Öl an der falschen Seite ansteht, fördert der rein, der muss nicht kaputt sein.
Okay, Patrick,

diese Erklärung klingt plausibel. Wieder was gelernt, Danke!

Schönes Wochenende, Andreas
 
Hallo Patrick
vielen Dank für den super Hinweis mit dem Rückförderdrall des HAG-Eingangssimmerrings! Das leuchtet absolut ein.
Das bedeutet im Umkehrschluss ja, dass mein HAG und dessen Wedi höchstwahrscheinlich völlig in Ordnung sind. Der Dichtring tut quasi genau das, wofür er gebaut wurde – er schaufelt das Öl nach innen, nur dass das Öl diesmal leider auf der falschen Seite (nämlich im Schwingentunnel) anstand.
Damit ist der Übeltäter endgültig entlarvt: Es liegt definitiv „nur“ am Getriebeausgangs-Wedi ganz vorne am Schaltgetriebe.
Ich werde jetzt am Wochenende erst einmal die hintere Gummimanschette lösen und den Schwingentunnel komplett leersaugen/trockenlegen, damit das HAG kein Futter mehr zum Nachpumpen hat. Danach befülle ich das Schaltgetriebe wieder auf die korrekten 800 ml (bzw. gewogenen 712 g) und fahre die Saison erst einmal so zu Ende, während ich die Stände im Auge behalte.
Der große Rundumschlag mit Getriebeausbau kommt dann entspannt im Winter auf die To-Do-Liste.
Besten Dank für die technische Erleuchtung!
Viele Grüße
 
Zuletzt bearbeitet:
Das ist doch ganz einfach, das Öl das durch den defekten Wedi, oder gar der defekten Lagerung in die Schwinge läuft, wird quasi durch den Wedi am HAG rein befördert.

Der Eingangs-Wedi hat einen Rückförderdrall, wenn da das Öl an der falschen Seite ansteht, fördert der rein, der muss nicht kaputt sein.
Klingt plausibel.
Da muss es in der Schwinge aber schon ziemlich hoch stehen. :schock:
 
Hallo,

so sieht der Dichtring aus, gebraucht und neu.

P1060011.JPGP1060013.JPG

Für die Ölwanderung müßte die Manschette voller Öl stehen.

Gruß
Walter
 
Damit ist der Übeltäter endgültig entlarvt: Es liegt definitiv „nur“ am Getriebeausgangs-Wedi ganz vorne am Schaltgetriebe.

Das stimmt so nicht! Wenn du die Beiträge gelesen hättest, dann hättest du feststellen können, dass es nicht nur am besagtem Wedi liegen könnte.

Stichwort: fehlender Silikonpropfen (was bei mir der Fall war. )

Dazu sollte der Kardantunnel ausgebaut werden und der Getriebeabgang in Augenschein genommen werden.

Das Leersaugen und wieder auffüllen ist in meinen Augen eher Murks.
 
Ich habe gerade die Manschette an HAG entfernt und die was voll mit Öl, also das bestätigt die Ursache.
Ich werde es weiterhin beobachten und dann handeln und das Motorrad in die Werkstatt bringen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich beobachte ob jetzt wieder Öl oben an der Entlüftung rauskommt?
Die Ursache vermutlich Dichtring am Getriebe oder der Gummistopfen?
Ich habe da nicht geschaut nach dem Gummistopfen ist der da hinter der Manschette, das wusste ich nicht?
 
Hallo,

wenn schon das HAG vom Kardangehäuse getrennt ist, sind es nur noch wenige Schritte um den Simmerring im HAG zu wechseln.
Die Mutter auf dem Kegelrad entfernen und den Halter vom Dichtring herausschrauben.
Beispiel am HAG ältere Version.

SNV31763.JPG
SNV31765.JPG
P1150051.JPG
Bei der Gelegenheit bietet sich an, die Ablaufflanken Kegelrad - Tellerrad mitzuüberprüfen und ggf. zu justieren.
Mir war eine Schwierigkeit die beiden Lagerzapfen einzubauen, ohne eine Zerstörung eines Kegelrollenlagers.

Gruß
Walter
 
Ist es dann auch zu empfehlen wenn das Getriebe ausgebaut ist gleich den Simmerring zur Motorseite zu ersetzen?
Und das Getriebe öffnen und eventuell neu lagern nach 45.000 km oder nicht?